Ortsumgehung Mistelbachs Angst vor Eckersdorf

Durch Mistelbach fahren täglich rund 9000 Fahrzeuge. Im Falle einer Ortsumgehung blieben im Ort zwischen 1800 und 3000 Fahrzeuge, je nachdem, ob man Befürworter oder Gegner fragt. Nach 12 Jahren des Streits hat das oberste deutsche Verwaltungsgericht jetzt eine Beschwerde gegen den Bau abgewiesen. Foto: Andreas Harbach

MISTELBACH/ECKERSDORF. „Das wird jetzt noch brisanter“, sagt Martin Schütze, Mistelbacher Gemeinderat (Pro Mistelbach) und Umgehungsstraßengegner. Wenige Stunden nachdem er erfahren hat, dass das Bundesverwaltungsgericht den Weg für die Umgehungsstraße im Norden Mistelbachs frei gemacht hat, befürchtet er, dass eine gemeinsame Umgehung für Mistelbach und Eckersdorf gebaut wird.

Matthias Mann (SPD), der Bürgermeister von Mistelbach, will nach zwölf Jahren Streit und der jetzt gefallenen Entscheidung des höchsten deutschen Verwaltungsgerichts, den Bau der Umgehung angehen. Mann sagt aber auch: „Gegen die Variante Eckersdorf werde ich kämpfen.“ Der Grund für seine ablehnende Haltung: Da es sich in Eckersdorf um eine Bundesstraße, in Mistelbach aber um eine Staatsstraße handelt, müsste seine Gemeinde etwa ein Viertel der Kosten aus der eigenen Tasche bezahlen. Bisher waren Gesamtkosten zwischen 5 und 10 Millionen Euro im Gespräch. Und für dieses Geld möchte Mann den Verkehr aus dem Dorf raus bekommen und nicht die Autos aus Eckersdorf näher heranholen.

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Als „naiv“ bezeichnet Umgehungsgegner Schütze die Meinung des Bürgermeisters. Dass die Mistelbacher Umgehung nicht eines Tages auch den Eckersdorfer Verkehr mit aufnimmt, könne schließlich nicht ausgeschlossen werden. Vom Kreisverkehr hinter Eckersdorf bis zur Mistelbacher Umgehung wären es gerade einmal drei Kilometer durch unbebautes Gebiet. Schütze verweist auf den Bundesverkehrswegeplan, in dem eine Ortsumgehung für Eckersdorf oberste Priorität genießt. Was nicht daran liegt, dass die Gemeinde Eckersdorf eine solche Straße vehement gefordert hätte.

Jahrelang unbemerkt im Bundesverkehrswegeplan

Sie stand vielmehr über Jahre unbemerkt weil nicht priorisiert in älteren Bundesverkehrswegeplänen. Sie ist ein Relikt aus der Zeit, als es noch Pläne gab, Eckersdorf an den Roten Hügel anzuschließen, über eine Trasse, die mittlerweile zum Radweg ausgebaut und als Hohe Straße bekannt ist. Dass die Eckersdorfer Umgehung bei der jüngsten Aktualisierung des Planes priorisiert wurde liegt daran, dass die Stadt Hollfeld, die über die B 22 durch Eckersdorf mit dem Oberzentrum Bayreuth verbunden ist, zwischenzeitlich den Status eines Mittelzentrums erreicht hat. Die Straße gilt seitdem als eine Straße der Funktionsstufe zwei und sollte möglichst anbaufrei, also frei von privaten Zufahrten sein. Dass eine Ortsumgehung für Eckersdorf in den vordringlichen Bedarf kam, geschah quasi automatisch.

Eine Umgehung, die in Eckersdorf angeblich niemand will

Eckersdorfs Bürgermeisterin Sybille Pichl (Freie Wähler) sagt, dass eigentlich niemand im Ort eine Umgehungsstraße wolle. Während man in Mistelbach aufgrund des Durchgangsverkehrs künftig mehr Leerstände befürchtet, genießt man in Eckersdorf gerade wegen des Verkehrs die Ansiedlung großer Nahversorger. Im Vergleich zu Mistelbach wären in Eckersdorf auch weniger Lastwagen unterwegs und die Straßenführung weniger kurvig und gefährlich, sagt Pichl. Eckersdorf werde den Bau einer Umgehung daher nicht beantragen. Zumal völlig unklar sei, ob man eine Bundesstraße, wie die Eckersdorfer Ortsdurchfahrt, über eine Staatsstraße wie die in Mistelbach führen könne.

Für möglich hält das die Bundestagsabgeordnete Silke Launert (CSU). Schon mehrfach hätten sich Bund und Freistaat auf die Umwidmung einer Straße geeinigt. Der Freistaat hätte wohl kaum etwas dagegen, würde die Mistelbacher Staatsstraße zur Bundesstraße werden und er die Unterhaltspflicht verlieren. Launert sagt, würde der Wunsch nach einer Umgehung nicht an den Bund herangetragen, habe man eine solche Straße aber nicht zu befürchten – Mittelzentrum hin oder her.

Launert gibt zu bedenken, was in der Zukunft passieren könnte

Launert gibt aber auch zu bedenken, dass Eckersdorf ja auch erst in einigen Jahren auf die Idee kommen könnte, doch eine Umgehung zu beantragen. Geld stünde für alle im Bundesverkehrswegeplan priorisierten Projekte bereit und der aktuelle Plan gelte ja noch zwölf Jahre. Und selbst danach würde sich an den Grundannahmen für die Priorisierung einer Eckersdorfer Umgehung – dem Mittelzentrum Hollfeld – nichts ändern. Launert sagt: Wenn es dann zwischen Eckersdorf und Mistelbach bereits eine neue Straße gibt, die sich für eine Umgehung eignet, dann käme wahrscheinlich im Sinne einer sparsamen Haushaltsführung und um unnötigen Landverbrauch zu vermeiden, auch eine Zusammenlegung auf den Prüfstand.

 

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