Ortsumgehung Bauamt: „Projekte werden getrennt betrachtet“

Etwa 9000 Fahrzeuge fahren täglich durch Mistelbach, heißt es. Bürgermeister Matthias Mann will den Verkehr auch deshalb raus aus dem Ort haben, weil er fürchtet, dass die Häuser entlang der Ortsdurchfahrt deshalb in Zukunft häufiger leer stehen werden. Genauso fürchtet er aber, dass die Gemeinde jetzt für viel Geld eine Umgehung baut, über die künftig auch der Eckersdorfer Verkehr rollt. Foto: Andreas Harbach

MISTELBACH/ECKERSDORF. Zu der Frage, ob die Mistelbacher befürchten müssen künftig den Eckersdorfer Verkehr abzubekommen, wenn sie eine Ortsumgehung bauen, äußert sich jetzt das Staatliche Bauamt Bayreuth.

Jörg Panzer ist dort für die Planung des Straßenbaus zuständig. Die Behörde sei ein Dienstleister, ein Organ, das nur ausführe was die Politik vorgebe. Das sich aber den Wünschen der Bürger verschrieben habe. Gegen deren Willen werde keine Straße gebaut, versichert Panzer. Anhand von vier Punkten erklärt er, warum das Staatliche Bauamt derzeit nicht von einer gemeinsamen Umgehung für Mistelbach und Eckersdorf ausgeht.

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Erstens: Im aktuellen und noch bis 2030 gültigen Bundesverkehrswegeplan steht eine etwa fünf Kilometer lange und etwa 16 Millionen Euro teure Umgehungsstraße im Norden der Gemeinde. Eine südliche Variante, von der also Mistelbach betroffen sein könnte, sei vor Jahren einmal untersucht, aber „aus wirtschaftlichen Gründen und wegen des höheren Raumwiderstandes nicht weiter verfolgt“ worden. Panzer sagt aber auch: „Trassenvarianten sind grundsätzlich immer möglich.“ Soll heißen: Würde sich die Gemeinde Eckersdorf eine Umgehungsstraße wünschen und diese aufgrund mittlerweile veränderter Verhältnisse im Norden nicht möglich sein, könnte die Straße im Süden geplant werden. Und zwar ohne dass die Gemeinde dafür auf den nächsten Verkehrswegeplan warten oder auf die bereitgestellten Gelder verzichten müsste.

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Zweitens: Die Mistelbacher Umgehung wäre wie die derzeitige Ortsdurchfahrt eine Staatsstraße. die Eckersdorfer Umgehung wäre hingegen eine Bundesstraße weil auch die derzeitige Ortsdurchfahrt, die B 22, eine solche ist. Würde eines Tages die Mistelbacher Umgehung so an Eckersdorf angebunden werden, dass sie auch für Eckersdorf zur Umgehung wird, müsste aus der Staatsstraße, die der Freistaat unterhält, eine Straße des Bundes werden. Eine solche Umwidmung hält Panzer grundsätzlich für möglich. Er gibt aber zu bedenken, dass Bundes- und Staatsstraßen durchaus unterschiedlichen Belastungen gewachsen sein müssten, also nicht einfach getauscht werden könnten. Während Staatsstraßen für durchschnittlich 3800 bis 4000 Fahrzeuge täglich gebaut würden, seien für eine Bundesstraße etwa 10.000 Fahrzeuge täglich Voraussetzung.

Mistelbach könnte Einwände vortragen

Drittens: Mistelbach könnte auf jeden Fall seine Einwände gegen eine Zusammenlegung der beiden Straßen vorbringen. Und zwar im Rahmen der öffentlichen Auslegung der Pläne und der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange. Gleichzeitig würden auch im Falle eines Umgehungsbaus für Eckersdorf Verkehrsgutachten erstellt, in denen die Auswirkungen auf andere Gemeinden berücksichtigt würden.

Viertens: Nach dem Aufstieg der Stadt Hollfeld 2013 zum Mittelzentrum, zählt eine „anbaufreie“ Anbindung Hollfelds über die B 22 an das Oberzentrum Bayreuth laut Bundesverkehrswegeplan zum „vordringlichen Bedarf“. Ein wesentlicher Grund dafür, dass eine Umgehung relativ schnell gebaut und finanziert werden kann, bleibt damit also auch bestehen, wenn der derzeit gültige Verkehrswegeplan im Jahr 2030 neu geschrieben wird. Panzer verweist aber noch auf ein anderes wichtiges Kriterium: das Kosten-Nutzen-Verhältnis eines solchen Baus. Ab dem Wert eins gelte eine Umgehung als „bauwürdig“. In Eckersdorf liegt er mit 3,2 deutlich darüber.

Gedankenspiele sind "hoch spekulativ"

Inwieweit eine gemeinsame Umgehung für Mistelbach und Eckersdorf denkbar ist, will das Staatliche Bauamt nicht sagen. Panzer bezeichnet die Gedankenspiele als hoch spekulativ und spricht von etlichen Unwägbarkeiten. Eckersdorf habe den Wunsch nach einer Umgehung schließlich noch nicht einmal geäußert. Gegenüber dem Kurier hatte Bürgermeisterin Sybille Pichl sogar gesagt, dass eine Umgehung Eckersdorf eher schaden als nützen würde. Allerdings erinnert das Staatliche Bauamt auch daran, dass sich der Gemeinderat Eckersdorf im April 2016 zwar dafür ausgesprochen hat, die Ortsumgehung aus dem vordringlichen Bedarf zu nehmen, das Projekt aber im Bundesverkehrswegeplan zu belassen. Zur Begründung habe man dem Staatlichen Bauamt mitgeteilt, dass die Gründe für und gegen eine Ortsumgehung in den nächsten Jahren und Jahrzehnten beobachtet und diskutiert werden sollen. „Zumindest derzeit“, heißt es in einem Schreiben, überwiegen nach Ansicht des Eckersdorfer Gemeinderats die Nachteile.

Beide Projekte würden vom Staatlichen Bauamt daher bis auf weiteres getrennt betrachtet.

 

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