Ohne Slalom in den Landtag Tim Pargent ist Direktkandidat der Grünen im Wahlkreis

Tim Pargent, Direktkandidat der Grünen bei der Landtagswahl 2018 für den Wahlkreis Bayreuth, beim paddeln an der Hölzleinsmühle. Foto: Markus Roider

BAYREUTH. Tim Pargent erreicht das Kajaklager am Roten Main mit dem Fahrrad. In Bayreuth legt der Direktkandidat der Grünen für den Bayerischen Landtag fast alle Strecken damit zurück. Ein eigenes Auto hat er nicht. „Hier in der Stadt ist man darauf fast nie angewiesen. Ein Auto steht die meiste Zeit doch eh nur rum“, sagt er. „Und wenn ich mal etwas Größeres transportieren muss, dann leihe ich mir einen Wagen von Freunden.“

Er zieht seine Spezialkleidung an und hebt sein Boot ins Wasser. Es ist Mittwochvormittag und im Umfeld des Übungsparcours ist weit und breit kein Mensch zu sehen. Die Bäume und Sträucher spiegeln sich im Wasser und spenden Schatten. Ein idealer Ort, um sich zurückzuziehen und die Natur auf sich wirken zu lassen. Idylle mitten in der Stadt. Obwohl nur wenige hundert Meter entfernt die Autobahn verläuft, ist es nahezu still. Pargent setzt sich in sein Kajak und beginnt zu paddeln. In der Nähe des Steges hängen mehrere Holzstangen über dem Wasser.

Hobby mit Nähe zur Natur

Er fährt geschickt zwischen ihnen hindurch und erreicht wieder den Steg. „Fährt man mit dem Boot flussaufwärts, dann kann man hier viele Tiere beobachten“, sagt er. „Es gibt hier auch zahlreiche Biberburgen. Ich habe hier auch schon mal vier Biber auf einmal gesehen“, erzählt der 25-Jährige. „Die besten Chancen, hier auf Tiere zu treffen, hat man, wenn man noch nicht lange auf dem Wasser ist. Durch das Kanu werden die Biber aufgescheucht. Wenn man Glück hat, trifft man auch auf einen Eisvogel.“

Mit 15 Jahren hat der jetzige Direktkandidat für die Grünen noch vier- bis fünfmal pro Woche hier trainiert. „Das war damals auch notwendig, weil ich an jedem zweiten Wochenende bei einem Wettkampf im Slalom-Kajak angetreten bin.“ Seitdem Pargent Politik betreibt, verbringt er nur noch ein Mal pro Woche einige Stunden am Roten Main. Einfach, um ein wenig Kajak zu fahren. „Für mich bedeutet diese Beschäftigung aktuell Erholung. Richtig trainieren tue ich schon lange nicht mehr“, sagt Pargent. „Aber ich verbringe immer noch gerne Zeit hier. Dieser Ort ist einfach ideal, um meine Naturverbundenheit auszuleben.“

Pargent wollte früh politisch etwas ändern

Vor etwa zehn Jahren begann Pargent, sich politisch zu engagieren. „Damals war ich Schülersprecher am Gymnasium Christian-Ernestinum“, erinnert er sich. „Ich war im ersten G-8-Jahrgang. Uns Schülern fiel damals auf, dass sowohl die Lehrer als auch die Schüler mit diesem neuen Schulsystem völlig überfordert waren.“ Also begann er, Demonstrationen und einen Schülerstreik zu organisieren. „Durch diese Aktion habe ich den Eindruck bekommen, dass ich in diesem Land etwas ändern kann. Nur muss man eben für seine Überzeugungen kämpfen.“

Deswegen ist er auch mit 16 Jahren in die Grüne Jugend, die Nachwuchsorganisation der Grünen, eingetreten. Doch dann kam der Punkt, an dem es zeitlich immer schwieriger wurde, Kanu fahren und Politik miteinander zu vereinen. Pargent, der mit 14 Jahren bayerischer Meister im Kanufahren war, musste sich entscheiden. „Soll ich beruflich Sport oder Politik betreiben?“ Er ist zu dem Schluss gekommen, dass ihn die Politik doch noch ein wenig mehr begeistert. Nicht nur, weil es extrem schwierig ist, sich durch Sport eine Existenz aufzubauen, sondern auch, weil er politisch etwas ändern wollte.

Beim Kajak-Slalom Philosophie für die Politik gefunden

Dem Sport ist er trotzdem bis heute eng verbunden. Pargent hat beim Kajak-Slalom auch seine Philosophie für die Politik gefunden: „Man muss sich bei diesem Sport im Vorfeld genau überlegen, wie man fahren muss. Die Art, wie man die Stangen umfährt, bedarf einer guten Planung. Sonst kommt man vom Kurs ab und gelangt nur sehr schwer wieder auf die richtige Bahn.“ Genau so sei es auch in der Politik. Man müsse sich vorher gut überlegen, was man erreichen wolle. Denn nur so habe man auch Chancen, seine Pläne in die Tat umzusetzen.

Ein typischer Wahlkampftag sieht für Tim Pargent so aus: Tagsüber nimmt er meist Presse- oder Besuchstermine wahr. Abends widmet er sich dem Haustürwahlkampf. „Als ich vor fünf Jahren damit angefangen habe, kam ich mir noch ziemlich komisch dabei vor, einfach bei fremden Leuten an der Tür zu klingeln“, erinnert er sich. Mittlerweile ist der Haustürwahlkampf für ihn nicht mehr wegzudenken. „Die meisten Menschen honorieren es, wenn ein Politiker zu Hause vorbeikommt und zuhört, was man als Bürger über politische Themen zu sagen hat“, sagt er.

Artikel 1 Grundgesetz gerahmt in der Wohnung

Bis heute ist Bildungspolitik eine Herzensangelegenheit für Tim Pargent. Auch in seinem Wahlkampf artikuliert er das Thema regelmäßig. „Ich möchte erreichen, dass der Bildungserfolg eines Kindes nicht mehr von dessen Elternhaus abhängig ist“, sagt er. Auch der Umweltschutz ist ihm wichtig. Wenn er es am 14. Oktober in den Landtag schaffen sollte, möchte er sich auch gegen die zunehmende Verrohung der Sprache und gegen Populismus einsetzen. Sein Wahlslogan lautet: „Ich will Haltung, statt Hetze.“

Deshalb hat er sich auch den Artikel 1 des Grundgesetzes gerahmt in seine Wohnung gehängt: Die Würde des Menschen ist unantastbar. „Dieser Grundsatz wird durch die aktuelle Asylpolitik zunehmend infrage gestellt“, beklagt er. Beeindruckt ist Pargent von Politikern, die eine Haltung haben, die sich in ihrem politischen Handeln herausstellt. Barack Obama ist für ihn eine solche Persönlichkeit. Natürlich setzt er sich auch für regionale Themen, wie etwa die Elektrifizierung der Bahnstrecken in Oberfranken oder den Erhalt der Natur ein.

Angesichts der aktuellen Umfragewerte der Grünen, stehen seine Chancen nicht schlecht, sich gegen seine Konkurrenten der anderen Parteien durchzusetzen. Sollte er ein Mandat erhalten, wird er zukünftig wohl noch weniger Zeit haben, mit dem Kajak auf dem Roten Main entlangzufahren. Dann gilt es, im Landtag den Kurs zu halten.

 

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