Nur das Geld fehlt noch Studenten legen einen Naturgarten an

Neben dem Eingangsbereich der ehemaligen Landesgartenschau planen Mitglieder des Vereins Summer in der City den Bau einer Naturgartens. Aufgeteilt in verschiedene Bereiche wollen sie zeigen, wie Biodiversität aussieht und auch in Privatgärten umgesetzt werden kann.Grafik: Thomas Pickel

BAYREUTH. Sie wollen nicht nur reden, sondern handeln. Beweisen, dass und wie man Natur in die Stadt holen kann. Mitglieder des Vereins Summer in der City planen, auf dem Gelände der Wilhelminenaue einen 10.000 Quadratmeter großen Naturgarten anzulegen. Freiwillig und ehrenamtlich. Was trotz der zahlreichen, das Projekt unterstützenden Mitstreiter fehlt: die finanzielle Ausstattung. Deshalb hat der Verein jetzt ein Crowdfunding gestartet. Bis zum 15. April sollen 25.000 Euro zusammenkommen.

Es können gerne aber auch mehr werden, sagt Projektleiter Thomas Pickel. Einen exakten Überblick über die Kosten haben er und seine Mitstreiter nicht. Noch nicht: Denn den Aufwand für Sand und Felsen, für Saatgut, Stauden und Sträuchern, für Werkzeuge und den Wasseranschluss kann der Verein erst genau ermitteln, wenn im Frühjahr mit den Arbeiten begonnen wird.

Was Pickel und seine Mitstreiter, die zum Großteil Geoökologie studieren, jedoch schon wissen, weil sie es in vielen Treffen genauestens geplant haben, ist, auf einer rund 10.000 Quadratmeter großen Fläche nahe des Eingangsbereichs der ehemaligen Landesgartenschau einen öffentlichen Naturgarten anzulegen. Einen Platz, auf dem speziell heimische Wildpflanzen und Wildtiere gefördert werden sollen.

Biodiversität heißt das Zauberwort, das die Studenten auf dem Areal anschaulich umsetzen wollen. „Und wir wollen den Bürgern mit dem Naturgarten beweisen, wie einfach es sein kann, dem Artensterben entgegenzuwirken, in dem man die Natur mit wenig Aufwand und geringen Kosten in seinen Garten lässt“, sagt Master-Student und Hobby-Botaniker Pickel.

Jeder, der einen Garten besitze und pflege, könne dem Insektenschwund gegensteuern, wenn er „selbst Naturschutz betreibt“, sagt Pickel. Statt kurz gemähten Rasenflächen Blühwiesenbereiche schaffen, heimische Pflanzen verwenden und so manchen Winkel des Gartens auch mal sich selbst überlassen – was als unordentlich empfunden werde, könne für die Biodiversität von großem Nutzen sein.

Wiesen extensiv bewirtschaften

Dies gelte auch für die Landwirtschaft, betont Pickel. Es müsse mehr extensiv gewirtschaftet werden: Wiesen sollten erst nach der Blüte gemäht und Äcker und Felder nicht bis zum äußersten Rand bestellt werden. Für Insekten wie Wildbienen, die im Boden leben, werde die intensive Landwirtschaft zum Verhängnis, weil ihre Nester zerstört würden.

„Wir brauchen eine andere Form der Förderung der Landwirtschaft“, sagt Pickel. Eine Förderung, die es zum Beispiel ermöglicht, Flächen über längere Zeit brachliegen zu lassen und Wiesen extensiv zu bewirtschaften.

Tipps und Ideen

Unterteilt in acht verschiedene Bereiche wollen die akademischen Naturgärtner auf dem Areal in der Wilhelminenaue zeigen, wie viel schöner eine vielfältige Landschaft im Vergleich zu einer monotonen sein kann. Anlegen werden sie einen Rosengarten, eine Moos- und Farnwand, eine Streuobstwiese, einen Bereich mit Sträucher und Hecken, einen Lesestein- und Reisighaufen, Abbruchkanten und Sandterrassen, einen Kalkmagerstandort und eine Blühwiese.

So soll ein Hotspot an Strukturvielfalt besonders wertvoller Lebensräume und Rückzugsorte für heimische Wildtiere und Wildpflanzen geschaffen werden, der nicht nur ein jederzeit zugänglicher Erholungs- und Erfahrungsort sein soll. Er soll seinen Besuchern auch Tipps und Ideen vermitteln dafür, wie sie die verschiedenen Elemente auch selbst umsetzen und sich damit aktiv für biologische Vielfalt einsetzen können.

Bei der Gestaltung des Naturgartens werden die Studenten kompetent unterstützt vom Ökologisch-Botanischen Garten der Universität, von Professoren, dem Stadtgartenamt, vom Förderverein der Wilhelminenaue und vom Landesbund für Vogelschutz. Dessen Leiter der Bezirksgeschäftsstelle am Lindenhof, Christoph Hartl, nennt das Projekt Naturgarten eine „tolle Sache, die für die Artenvielfalt enorm wichtig ist und bei den Besuchern Verständnis für Lebensräume schaffen kann“.

Damit sich möglichst viele Menschen, aber auch Firmen aus der Region an der Crowdfundig-Aktion beteiligen, haben sich die Initiatoren für die Sponsoren Preise überlegt. Dazu gehören unter anderem Patenschaften, die auf Tafeln vermerkt werden. Pickel ist optimistisch, dass die Summe von mindestens 25.000 Euro gespendet wird. Das erfolgreiche Volksbegehren hätte eindrucksvoll gezeigt, dass vielen Menschen der Zustand der Natur nicht länger egal ist.


Info: Weitere Infos über den Verein und seine Crowdfunding-Aktion findet man unter www.summerindercity.de.

 

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