Nichtabstiegsplätze im Blick Tigers gegen Dresden und in Deggendorf

Zweiter Frühling: Trotz seines gesetzten Alters von 40 Jahren zählt Tigers-Kapitän Jozef Potac (Mitte, im Zweikampf mit dem Lausitzer Feodor Boiarchinov) immer noch zu den Leistungsträgern seines Teams. Foto: Thomas Heide

EISHOCKEY. Es ist noch keine sechs Wochen her, da entschuldigte sich Trainer Petri Kujala bei den eigenen Fans für einen Auftritt „ohne Herz“ und „ohne Eier“ seiner Mannschaft. Die Bayreuth Tigers waren gerade sang- und klanglos mit 0:7 gegen Deggendorf untergegangen. 19 Spiele in der DEL2 hatte Kujalas Team zu diesem Zeitpunkt absolviert, dabei aber nur 13 Punkte auf sein Konto gebracht. Hätte man als Bayreuther Eishockeyfan damals „Pre-Playoffplatz“, also den direkten Klassenerhalt, in den Mund genommen, man hätte wohl weit heftigere Reaktionen als ein müdes Lächeln geerntet. 14 Spieltage später kommt einem das Wort „Nichtabstieg“ nun schon wie selbstverständlich über die Lippen.

Aus „ohne Herz, ohne Eier“ ist „mit Herz und Verstand“ geworden. Die Tigers zählen aktuell zu den heißesten Teams der Liga, haben seit dem Deggendorf-Debakel 26 Punkte geholt, haben zuletzt drei Spitzenteams geschlagen und sind nun nur noch einen Zähler von Platz zehn entfernt, auf dem sich der Gegner am Freitag (20 Uhr), die Dresdner Eislöwen, befindet. Gelänge den Bayreuthern dann auch noch ein Sieg am Sonntag (18.30 Uhr) bei Schlusslicht Deggendorfer SC könnten sie sogar die vier Punkte entfernten Crimmitschauer Eispiraten auf Rang neun attackieren.

„Für meine Jungs“, sagt Petri Kujala, sei diese statistische Bestätigung ihrer Leistung „schon sehr wichtig, für mich aber nicht“. Es seien schließlich noch 19 Spiele zu absolvieren, alles sei sehr eng, es könne noch viel passieren. „Wichtig ist nur, dass wir Spiel für Spiel unsere Leistung abrufen, dann kommen die Ergebnisse ganz automatisch“. Wie zuletzt bei den Lausitzer Füchsen. Sebastian Buschs 2:1-Siegtreffer in der Overtime war hochverdient und Ausdruck einer weit mehr als nur kämpferisch herausragenden Vorstellung. Imponierend war vielmehr die Souveränität, mit der sich die Bayreuther Akteure aus Drucksituationen befreiten, und immer wieder spielerische Lösungen suchten – und auch fanden. Einen weiteren Erfolgsfaktor nennt Petri Kujala: die Defensivarbeit. „Wir setzen den scheibenführenden Spieler sofort unter Druck, stören den Aufbau früh und arbeiten als Fünf-Mann-Kollektiv sehr gut zusammen.“

Kapitän Jozef Potac "nicht wegzudenken"

Die verbesserte Abwehrarbeit lässt sich statistisch belegen. Während die Bayreuther bis zum Deggendorf-Spiel 4,6 Tore pro Spiel kassierten, waren es danach nur noch 2,9. Einer, der großen Anteil daran hat, ist Jozef Potac. Der Kapitän stand den Tigers in den ersten zwölf Spielen verletzungsbedingt nicht zur Verfügung. Aktuell ist der 40-jährige Verteidiger einer der Garanten des Höhenflugs. „Nicht wegzudenken“, sagt Petri Kujala, sei der gebürtige Slowake, der seine neunte Spielzeit für eine Bayreuther Mannschaft auf dem Eis steht. „Er ist die Führungspersönlichkeit, unheimlich stark im Aufbau und im Zweikampf, obwohl er nicht mehr der Allerschnellste ist, und auch im Überzahlspiel extrem wertvoll“, beschreibt der Tigers-Trainer die Vorzüge seines Kapitäns. Potac selbst sagt – in aller Bescheidenheit –, er habe „ein bisschen Ruhe und ein bisschen Zusammenhalt“ ins Team gebracht, „aber ein Spieler allein“ könne keinen gravierenden Unterschied machen. Vielmehr habe sich das Team gefunden, aus mehreren talentierten Einzelspielern sei eine Mannschaft geworden. Und: „Mit jedem Sieg ist das Selbstbewusstsein gewachsen. Letztlich ist das also alles auch eine Kopfsache.“

Es habe auch ein bisschen gedauert, sich auf den neuen Trainer, seinen Stil und seine Philosophie einzustellen, fügt Potac noch an und vergleicht Kujala mit seinem Vorgänger Sergej Waßmiller: „Petri ist ein cooler Typ, der immer freundlich ist, während Sergej doch eher einen autoritären Stil gepflegt hat.“

Potac: "Brauchen heißes Herz und kühlen Kopf"

Offensichtlich haben beide Stilrichtungen ihre Qualitäten. Dass die aktuellen Qualitäten ausreichen, um auch Dresden und Deggendorf zu schlagen, steht außer Frage. Selbstläufer sind beide Partien nach Ansicht von Petri Kujala aber nicht. „Die Nerven werden eine nicht unbedeutende Rolle spielen“, sagt der Tigers-Coach und erhält Unterstützung von seinem Kapitän: „Gegen bessere Mannschaften kannst du nur gewinnen. Hier muss die Einstellung stimmen. Es ist ein bisschen wie in einem Derby. Es braucht ein heißes Herz und einen kühlen Kopf.“ Jozef Potac hat diese Tugenden wie kein Zweiter verinnerlicht. Und Spaß macht es ihm auch noch. „Aber es wird wohl meine letzte Saison sein. Zu 99 Prozent.“ Wer weiß, vielleicht wird es gleichzeitig auch seine erfolgreichste.

 

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