Neues Lehrlingszentrum Vishay investiert Millionen in Ausbildung

Philip Wunderlich (Dritter von links), Vertreter der Vishay-Auszubildenden, zeigt, wie es geht. Und Vorstandschef Gerald Paul legt in der neuen Lehrwerkstatt höchstpersönlich Hand an. Vorstandsmitglied Werner Gebhardt und Manfred König, Ausbildungsleiter Technik, schauen interessiert zu. Foto: Florian Miedl

BAYREUTH/SELB. Der US-amerikanische Elektronik-Konzern Vishay stärkt seinen oberfränkischen Standort. In Selb, wo sich die Europazentrale befindet, hat das Unternehmen am Montag offiziell sein neues Ausbildungszentrum samt Betriebsrestaurant eröffnet. Es steht auch Auszubildenden von befreundeten Firmen zur Verfügung, wie Vishay-Vorstandschef Gerald Paul erläuterte.

In dem neuen Gebäude, für das der Konzern sechs Millionen Euro in die Hand genommen hat, gibt es eine Lehrwerkstatt und Seminarräume. Die Werkräume sind konzipiert für 26 Lehrlinge in technischen Berufen. Einige Projekt-Plätze sind ebenfalls vorhanden. 

Gerald Paul sprach vor zahlreichen Gästen aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik von einem „hocherfreulichen Tag“. Er betonte, lebenslange Ausbildung und permanente persönliche Weiterentwicklung der Mitarbeiter seien eine Kernaufgabe für Unternehmen. Um Hightech-Produkte herzustellen, brauche man gut und hoch qualifizierte Beschäftigte. Viele davon wolle man aus dem eigenen Nachwuchs gewinnen. Paul, der den internationalen Konzern mit 24.000 Mitarbeitern von Selb aus leitet, bezeichnete das Marktumfeld als „herausfordernd“ - nicht nur wegen des Preisdrucks. „Wir müssen uns sehr anstrengen, um den immer weiter steigenden Anforderungen unserer Kunden gerecht zu werden.“

Erfolgreiches erstes Halbjahr

Das Unternehmen, das weltweit 50 Werke besitzt, hat ein erfolgreiches ersten Halbjahr hinter sich. Werner Gebhardt, der im Konzernvorstand für Personal zuständig ist, sagte unserer Zeitung am Rande der Veranstaltung: „Es läuft in allen Geschäftsbereichen sehr gut.“ Vishay stellt beispielsweise Widerstände, Transistoren, Dioden und Sensoren her. Das Unternehmen kooperiert auch mit der Universität Bayreuth. Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz in Höhe von 2,6 Milliarden Dollar. Für 2018 rechnet die Führung damit, dass die Marke von drei Milliarden Dollar übertroffen wird.  

Die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump sieht man in Selb mit Sorge. „Alles, was den freien Handel erschwert, ist nicht von Vorteil“, machte Gebhardt deutlich. Trump hat besonders China mit Einfuhrbeschränkungen in Milliardenhöhe den Kampf angesagt, Peking wiederum antwortet mit Vergeltungszöllen.

Vishay ist auch in China aktiv. Paul und Gebhardt sind deshalb alles andere als erfreut über den Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und dem Reich der Mitte. Wie sollen die Europäer generell mit dem unberechenbaren und aggressiven US-Präsidenten umgehen? Vishay-Chef Paul empfahl - bei aller berechtigten Kritik - einen pragmatischen Umgang mit dem Mann im Weißen Haus. „Wir müssen mit Trump leben.“ Er halte es für unangebracht, die Amerikaner ständig von oben herab zu belehren, sagte der Vishay-Vorstandschef.

Der US-Konzern wuchs stets auch durch Firmenzukäufe. Momentan seien aber keine größeren Akquisitionen geplant, sagte Paul auf Nachfrage.  

Wichtiges Zeichen für das Fichtelgebirge

Philip Wunderlich, der bei Vishay die Auszubildenden vertritt, zeigte sich in seiner Ansprache überzeugt: Sein Arbeitgeber werde mit dem neuen modernen Ausbildungszentrum noch attraktiver. Bereits jetzt hat der Elektronik-Spezialist 62 Lehrlinge am Standort Selb, vier davon absolvieren ein duales Studium. Insgesamt arbeiten etwa 860 Menschen am oberfränkischen Standort des Unternehmens.  

Oberbürgermeister Uli Pötzsch (Aktive Bürger) sah in der Millionen-Investition von Vishay das Signal, dass das Unternehmen viele „Fachkräfte der Zukunft“ in Selb ausbilden möchte. Es sei ein wichtiges Ziel der Kommunalpolitik und der hiesigen Wirtschaft, „junge Menschen hier in unserer Region zu halten“.  

Der Wunsiedler Landrat Karl Döhler (CSU) sagte: „Wir freuen uns, solche Unternehmen wie Vishay zu haben.“ Firmen seien angesichts des demografischen Wandels immer mehr gefordert, sich als attraktive Arbeitgeber zu präsentieren. Vishay mache vor, wie das gelinge.

Laura Krainz-Leupoldt, Vizepräsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Oberfranken und Vorsitzende des IHK-Gremiums Selb-Marktredwitz, wertete das neue Ausbildungszentrum auch als wichtiges Zeichen für das Fichtelgebirge. Vishay demonstriere damit, dass es fest an den Standort Selb glaube und weiterhin auf ihn setze. „Das Unternehmen ist einer der wichtigsten Ausbildungsbetriebe in ganz Oberfranken“, unterstrich Krainz-Leupoldt.  

Für Vishay steht schon das nächste Projekt auf dem Programm. Noch im Oktober will das Unternehmen mit dem Bau eines neuen Produktionsgebäudes in Selb beginnen, wie Gerald Paul ankündigte 


Info: Vishay wurde 1962 von Felix Zandman gegründet. Das börsennotierte Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Malvern im US-Bundesstaat Pennsylvania. Neben Selb hat es in Deutschland Standorte in Itzehoe, Heide, Heilbronn und Landshut.

 

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