Neues Gewerbegebiet Naturschützer streiten mit Himmelkroner Bürgermeister

Das Gewerbegebiet Himmelkron. Entlang der B303 (vertikal verlaufend) soll ein neues Gewerbegebiet entstehen. Archivfoto: Markus Künzel

HIMMELKRON. Der Ton wird schärfer zwischen Naturschützern und der Gemeinde Himmelkron, die ein 24 Hektar großes neues Gewerbegebiet an der B 303 ausweisen will. In einem offenen Brief wirft jetzt der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland dem Himmelkroner Bürgermeister Gerhard Schneider vor, in Bezug auf die Erschließung nicht die Wahrheit gesagt zu haben und fordert ihn auf, seine Aussagen öffentlich zu widerrufen. Schneider kontert. So wie es der BUND behaupte, habe er es nicht gesagt.

Das neue Gewerbegebiet bei Himmelkron sei unnötig, sagt Tom Konopka vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND). Der Regionalreferent für Oberfranken führt dazu viele Argumente an.

Keine Vorgaben der Straßenbaubehörde?

13.000 Hektar leerstehende Gewerbeflächen gebe es derzeit in Bayern. Auch im Landkreis Kulmbach seien in 21 Gewerbegebieten insgesamt noch 82,7 Hektar Fläche für Betriebsansiedlungen frei. Da sei es schlicht unnötig, wenn nun in Himmelkron noch ein weiteres Gewerbegebiet hinzukommen soll, das dringend benötigte landwirtschaftliche Flächen verbrauche. Aber noch etwas anderes wiegt laut Konopka schwer: „Himmelkron hat keinen Bahnanschluss und keine vernünftige Anbindung an den ÖPNV. Wir brauchen keine zusätzliche Verkehrslawine.“

Am 25. September hatte der BUND seine Argumente bei einer öffentlichen Veranstaltung vor 100 Besuchern in Himmelkron vorgetragen. Die Veranstaltung habe auch der Himmelkroner Bürgermeister Gerhard Schneider mit etlichen Gemeinderäten besucht. Der Vorwurf: „In der anschließenden Diskussion kam Bürgermeister Schneider mehrfach ausführlich zu Wort. Er versuchte, die Notwendigkeit des geplanten Gewerbegebiets zu begründen und berief sich auf Vorgaben der Straßenbaubehörde. Nun stellt sich heraus, dass es diese Vorgaben nicht gab und nicht gibt.“ Der BUND fordert nun eine öffentliche Klarstellung durch den Bürgermeister.

Was hat das Straßebauamt gesagt?

Auf die Frage der BUND-Vorsitzenden aus Himmelkron, Wilhelmine Denk, während der Diskussion, weshalb die Gemeinde ein 24 Hektar großes und nicht ein kleineres Gewerbegebiet plane, habe Bürgermeister Schneider erklärt, dies wäre auch eine Vorgabe der Straßenbaubehörde wegen der Anbindung des geplanten Gebietes an die B 303. Auch auf Nachfrage habe Schneider auf dieser Version beharrt.

Der BUND hat deshalb nach der Veranstaltung beim Staatlichen Bauamt Bayreuth nachgefragt, ob von dessen Vertretern der Gemeinde gegenüber Vorgaben oder Bitten geäußert wurden, die bei Anschluss an die B 303 ein besonders großes Gewerbegebiet nötig machten. Eine solche Vorgabe gebe es nicht, habe der Leitende Baudirektor des Staatlichen Bauamtes, Kurt Schnabel, mitgeteilt.

BUND: Zentrale Begründung fällt weg

Für den BUND ergibt sich daraus ein klares Fazit: Damit entfalle eine der zentralen Begründungen des Bürgermeisters für die Gewerbegebietsausweisung. „Wir haben uns schon gedacht, dass da etwas nicht ganz stimmen kann. Aber dass es so klar wahrheitswidrig ist, haben wir nicht erwartet“, sagt Wilhelmine Denk. Nun fordert der BUND den Bürgermeister auf, die öffentlich aufgestellte Behauptung, die Straßenbaubehörde fordere eine Mindestgröße, auch öffentlich zurückzunehmen, da sie nicht den Tatsachen entspricht.

Bürgermeister Gerhard Schneider weist die Vorwürfe zurück. So, wie die Naturschützer ihm das auslegten, habe er es nie gesagt. „Natürlich sagt uns das Straßenbauamt nicht, wie groß unser Gewerbegebiet werden muss. Das muss doch jedem klar sein, der logisch denken kann.“ Schneider weiter: „Was ich gesagt habe ist, dass wir nicht nur einen kleinen Teil erschließen können, sondern die ganze Fläche brauchen, wenn wir die Erschließung finanzieren müssen.“

Bürgerinitiative gegen das Gewerbegebiet

Schneider rechnet mit Kosten von rund sechs Millionen Euro allein für die Erschließung, ohne Grunderwerb. Ein großer Betrag davon entfalle auf den Bau der neuen Ampelkreuzung an der B 303, der von der Gemeinde voll bezahlt werden müsse. Diese Kosten müsse die Gemeinde auf die Bauherren umlegen. Würde man nur fünf Hektar, für die die Firma Emons Erweiterungsbedarf angemeldet hat, statt die gesamte Fläche mit 24 Hektar erschließen, wären die Grundstücke viel zu teuer. „Für jeden, der sich etwas auskennt, ist doch klar, dass wir das Ganze brauchen und nicht nur einen Teil, wenn wir so viel Geld ausgeben. Aufgrund der Erschließungskosten kommt eine kleinere Fläche nicht infrage.“

Unabhängig vom aktuellen Streitthema stellt Denk klar: „Wir wollen das neue Gewerbegebiet nicht. Himmelkron hat bereits riesige Flächen ausgewiesen. Wir wollen unsere Landschaft erhalten. Auch wir meinen, die Firma Emons soll sich erweitern können. Dafür gibt es aber brauchbare Alternativen.“ Laut Konopka wächst die Zahl der Gegner der Baugebietspläne. Eine Bürgerinitiative sei bereits gegründet, eine Unterschriftenaktion in Vorbereitung.

 

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