Neuer Ortsverein Warum sich Die Franken gegründet haben

Die Führungsriege der neuen Bayreuther Ortsgruppe der Partei Die Franken (von links): Stellvertretende Vorsitzende Andrea Semmelmann, Kassierer Reinhold Münch, Vorsitzender Detlef Dehnert und Stellvertreter Max Raimond Tetzner. Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH. Die Franken zeigen in Bayreuth Flagge. Am Wochenende hat sich in Bayreuth ein Ortsverband der jungen Partei gegründet. Erstes Ziel: Bei der Kommunalwahl in eineinhalb Jahren wollen Die Franken in den Bayreuther Stadtrat einziehen.

Der neue Ortsverband wird geführt von Franken aus Überzeugung, nicht kraft Geburt. Vorsitzender Detlef Dehnert (63) kam vor acht Jahren aus Berlin nach Bayreuth. Stellvertreter Max Raimond Tetzner (28) ist in Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern) geboren. Tetzner sagt, er sei in Bayreuth aufgewachsen, habe eine Zeitlang in Hamburg gelebt und sei vor drei Jahren wieder nach Bayreuth zurückgekommen, wo er ein Fitnessstudio betreibe. „Bayreuth hat sich während meiner Abwesenheit gut entwickelt. Aber als mangelt den Menschen hier an Selbstwertgefühl.“ Er wolle die Menschen motivieren, stolz auf ihre Heimat zu sein, ohne in die rechtsextreme Ecke gestellt zu werden. Deshalb engagiere er sich in der Partei.

Benachteiligte Franken

Dehnert berichtet, sein Beruf als Altenpfleger und Sterbehelfer habe ihn nach Bayreuth gebracht. „Die Landschaft hier hat mir sofort gefallen, guten Kontakt zu den Menschen habe er erst nach einem Jahr bekommen. Warum er sich seit ein paar Monaten ausgerechnet bei den Franken engagiert und bei der Bezirkstagswahl im Oktober auf der Liste kandidierte? Die Franken würden in Bayern benachteiligt, meint er. „Sie haben aber das Recht, gleich behandelt zu werden.“ Er, der Berliner, sei hier zuhause. „Heimat ist, wo ich mich wohl fühle und angenommen werde.“

Ein Tropfen auf den heißen Stein

Gerechtigkeit für Franken fordert auch die Bayreutherin Sabine Welss, die vom Fränkischen Bund zur 2009 in Bamberg gegründeten Partei Die Franken kam. Für Franken gebe es zu wenig Geld aus München, ist sie sich mit ihren Mitstreitern einig. Und die Millionen für den Ausbau der Uni Bayreuth, das restaurierte Welterbe Opernhaus, die Festspiele und die Sanierung von Festspielhaus und Stadthalle? „Nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Welss. Viele Schlösser in Franken würden vergammeln. Und dass altbayerische Stücke wie „Der verkaufte Großvater“ oder der „Brandner Kaspar“ auf der fränkischen Luisenburg gespielt werden, „das geht gar nicht“.

Zu wenig Unterschriften für die Landtagswahl

1,5 Prozent hatten bei der Bezirkstagswahl im Oktober im Stimmkreis Bayreuth für die Franken gestimmt. Bei der Landtagswahl war die Partei in Oberfranken nicht angetreten. Statt der erforderlichen gut 800 habe sie nur rund 400 Unterschriften sammeln können, sagt der neue Kassenwart Reinhold Münch, der bei der Bezirkstagswahl als Direktkandidat in Coburg-Lichtenfels  angetreten war.

Thema bezahlbarer Wohnraum

„Viele Menschen, mit denen ich im Wahlkampf gesprochen habe, haben die Partei Die Franken gar nicht gekannt“, sagt Dehnert. Das wolle man ändern, deshalb nun die Gründung des Ortsverbandes Bayreuth. Man sehe sich als bürgerlich-konservative Partei. Auf kommunaler Ebene wollen die Franken das Thema bezahlbarer Wohnraum aufgreifen. Davon gebe es zu wenig in Bayreuth, für Studenten ebenso wie für Familien.

Keine Separatisten

Ein eigenes Bundesland Franken streben Die Franken nicht an – zumindest vorerst. „Wir sind keine Separatisten“, sagt Welss. Im Parteiprogramm heißt es dazu: Ein eigenes Bundesland sei „eine politische Vision, die zunächst keine Chance auf Realisierung hat“. Aber Sabine Welss grenzt sich scharf ab. „Franken sind keine Bayern“, sagt sie. Mitglied bei den Franken dürfen zwar auch Nicht-Franken werden, wie am Beispiel des aus Berlin stammenden Vorsitzenden Dehnert zu sehen sei. Aber augenzwinkernd fügt sie hinzu: „Preußen wie er sind uns lieber als Bayern.“  

Die Franken

Die Partei Die Franken ist 2009 in Bamberg gegründet worden. Bei der Landtagswahl 2018 verlor sie bayernweit 0,5 Prozentpunkte und kam nur noch auf 0,2 Prozent. Sie war allerdings nur in Mittel- und Unterfranken angetreten. Parteivorsitzender Robert Gattenlöhner aus Roth in Mittelfranken ist der einzige Bezirksrat, den die Partei stellt.

 

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