Neuer Glücksbringer für 22.000 Häuser

Bezirkskaminkehrermeister Herbert Trautner (links) geht in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist Stefan Diez. Foto: Udo Fürst

Herbert Trautner kehrte 49 Jahre lang Kamine, überprüfte Öfen, notierte Messdaten und schrieb Berichte – und war nach Volkes Meinung als Glücksbringer unterwegs. Zum 1. Januar legte der Bezirkskaminkehrermeister Besen und Bürste zur Seite und machte Platz für einen Jüngeren: den 36 Jahre alten Stefan Diez. Der Wiesauer übernahm den Kehrbezirk Speichersdorf von Trautner, den dieser 20 Jahre leitete.

Offiziell hat der Speichersdorfer seinen schwarzen Anzug in den Schrank gehängt. Doch für den Nordbayerischen Kurier warf sich Trautner noch einmal in Schale, setzte den Zylinder auf und schnallte die Koppel um, die er sich erst kürzlich neu zugelegt hat. „Man weiß ja nie, welche offiziellen Termine oder Spendenübergaben noch kommen.“ Mit über einer Millionen Euro gesammelten Spendengeldern für krebskranke Kinder gehört die Glückstour des Schornsteinfegerhandwerks zu den größten privaten Hilfsaktionen in Deutschland. Herbert Trautner gehört dabei zu den eifrigen Sammlern seiner Gilde.

Für 22.000 bewohnte Häuser zuständig

Neun Monate hätte er noch gebraucht, um die 50 Jahre vollzumachen. Aber die Zahl ist ihm nicht wichtig. Wichtiger ist dem 63-Jährigen, jetzt seine Rente zu genießen, mehr Zeit zu haben für seine Familie und seine drei Enkel. „Darauf freue ich mich schon“, sagt der in Bayreuth geborene und in Seybothenreuth aufgewachsene Vater zweier Kinder. Nach Speichersdorf hat‘s ihn der Liebe wegen verschlagen, wie er erklärt. Es hat sich gelohnt: Trautner ist seit 42 Jahren mit seiner Irmgard verheiratet. Kürzlich erst feierten beide Hochzeitstag.

Im Kehrbezirk Speichersdorf, zu dem außer den meisten Ortsteilen der Gemeinde auch große Teile von Kirchenpingarten und Seybothenreuth gehören, haben Herbert Trautner und sein Geselle Christian Fritzsche 22.000 bewohnte und einige Hundert unbewohnte Anwesen betreut. „Es war immer eine schöne Arbeit. Du triffst viele Menschen, und du bist ja als Schlotfeger für die meisten ein Glücksbringer.“ Dabei habe er auch manche Anekdoten erlebt, doch die möchte er nicht erzählen. „Das verbietet mir der Respekt“, sagt er schmunzelnd. Schön sei für ihn immer gewesen, wenn ihn Leute anfassen oder sich mit ihm fotografieren lassen wollten.

Die Arbeit hat sich stark gewandelt

Das habe sich in all den Jahren nicht geändert. Sehr wohl geändert habe sich aber die Arbeitsweise. Früher habe er nur kehren müssen, heute müsse er messen, bewerten, überprüfen – und vor allem viel Schreibkram erledigen. „Das macht natürlich nicht so viel Spaß. Du bist heute halt mehr Verwaltungsfachmann denn Handwerker.“ Vor allem die vielen Kachelöfen und offenen Kamine mit ihrer hohen Feinstaubbelastung seien sehr prüfintensiv.

Mit Trautners Renteneintritt sei in Speichersdorf eine Ära zu Ende gegangen, sagte Bürgermeister Manfred Porsch beim Abschieds- und Antrittsbesuch von Herbert Trautner und Stefan Diez im Rathaus. „Du warst immer da, wenn du gebraucht wurdest“, lobte Porsch den scheidenden Kaminkehrermeister. Das gleiche versprach Diez dem Rathauschef. „Sie können mich immer anrufen“, sagte der Wiesauer, der auch den Gesellen Christian Fritzsche übernommen hat. Eventuell werde er noch einen Lehrling einstellen.

Aus dem Münchener Raum in den Kreis Bayreuth

Zuletzt leitete Diez einen Kehrbezirk in Garching bei München. Nachdem er vor sechs Monaten Vater geworden sei, habe er wieder in die Heimat gewollt und sich deshalb für den Bezirk Speichersdorf beworben.

Wenn es nach der Zahl der Kaminbrände geht, sind Trautner und Diez in der Tat Glücksgaranten. Bei beiden hat es in den vergangenen Jahren kaum einmal gebrannt. Ob sie allerdings den Wunsch des Bürgermeisters nach einem Geldsegen für die Gemeinde – „gleich zwei Schlotfeger auf einmal im Rathaus, das muss doch Glück bringen“ – erfüllen können, bleibt dahingestellt.

 

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