Neueinstellungen geplant NKD hat einen neuen Eigentümer

Ulrich Hanfeld. Foto: Roland Töpfer

BINDLACH/BAYREUTH. Eigentümerwechsel bei NKD: Der britische Finanzinvestor OpCapita hat den Textildiscounter NKD (Bindlach/Landkreis Bayreuth) an Investmentfonds der britischen TDR Capital verkauft. In der Bindlacher Zentrale sollen in den kommenden Jahren viele neue Arbeitsplätze geschaffen werden, erläuterten Ulrich Hanfeld, Vorsitzender der NKD-Geschäftsführung, und Finanzchef Rüdiger Hartmann im Gespräch mit unserer Zeitung. Hanfeld: „Der Standort Bindlach ist sicher.“

In einer offiziellen Mitteilung des Unternehmens heißt es: „Von TDR Capital verwaltete Investmentfonds haben vereinbart, 100 Prozent an der NKD Gruppe zu übernehmen. Hierzu haben TDR Capital, ein in den UK ansässiger Private Equity Investor, und der bisherige Eigentümer OpCapita einen entsprechenden Kaufvertrag unterzeichnet. Der Verkauf steht noch unter dem Vorbehalt der üblichen kartellrechtlichen Prüfungen.“

Der Textilhändler mit 1800 Filialen, davon 1500 in Deutschland und 40 in Oberfranken, lenkt von Bindlach aus seine Geschäfte. Hier arbeiten 580 von insgesamt rund 8000 Mitarbeitern. Für die Zukunft sei u. a. ein starker Aufbau in der Logistik geplant, so NKD. 2017 kam NKD auf knapp 700 Millionen Euro Umsatz und zwölf Millionen Euro Gewinn nach Steuern. 2018 erreichte der Umsatz ein ähnlich hohes Niveau, das Ergebnis konnte weiter verbessert werden.

Warum hat OpCapita seine Beteiligung an NKD jetzt verkauft? OpCapita sei ein Turnaround-Spezialist, sagt Hanfeld und in Vergangenheit der richtige Partner gewesen. NKD hatte sich vor rund sieben Jahren mit einem aggressiven Expansionskurs in die Verlustzone manövriert und wurde Ende 2013 von den Briten übernommen.

Jetzt, sagt Hanfeld, habe man mit TDR Capital einen „sehr finanzkräftigen, erfahrenen Wachstumsfinanzierer“ als neuen Eigentümer. „Das ist der richtige Partner, der uns auf unserem Wachstumskurs begleitet. Der Zeitpunkt passt hervorragend.“ Hanfeld bestätigte auf Nachfrage, dass der Deal mit der Investmentbank Goldman Sachs abgewickelt wurde. Zum Kaufpreis wollte er sich nicht äußern. In früheren Meldungen war über eine Summe von 300 bis 350 Millionen Euro spekuliert worden.  

100 neue Filialen

Im laufenden Jahr will NKD 100 neue Filialen eröffnen. In Oberfranken plant NKD für die nächsten ein, zwei Jahre fünf bis zehn neue Filialen, hieß es auf Nachfrage. Der Umsatz soll dieses Jahr um zwei bis drei Prozent wachsen.   

NKD-Chef Hanfeld kam 2015 nach turbulenten Zeiten zum Unternehmen: Untreue eines Geschäftsführers, Bilanzmanipulationen, Millionenverluste, Verkauf an OpCapita. Hanfeld räumte auf, machte rund 200 Filialen an „falschen Standorten“ dicht, baute neue Standorte auf. Aus Polen zog sich NKD komplett zurück.

Das Kerngeschäft, die Nahversorgung der Familie in kleinen und mittleren Städten mit Bekleidung, Geschenkartikeln, Spielwaren und Heimtextilien sei damals aus dem Fokus geraten, sagte Hanfeld in einem früheren Gespräch mit unserer Zeitung. Im Ausland ist der Textilhändler in Österreich, Italien, Slowenien und Kroatien aktiv. 1a-Lagen in großen Städten sucht Hanfeld nicht. Zu teuer. NKD soll „das kleine Kaufhaus vom Land“ sein.

Schon im vergangenen Jahr gab es Spekulationen, dass NKD verkauft werden soll. Hanfeld sagte noch ein Jahr zuvor, es gebe kein zeitliches Szenario für einen Exit. Jetzt war die Braut offensichtlich hübsch genug, dass sie neu vergeben werden konnte.

Joshua Spoerri, Managing Director von OpCapita, erklärte zu dem Verkauf: „Der Turnaround, den wir bei NKD geschafft haben, steht stellvertretend für den Ansatz von OpCapita, ein in Schieflage geratenes Geschäft zu übernehmen und es in ein profitables, stabiles Unternehmen mit großen Wachstumsperspektiven weiterzuentwickeln. Wir danken der Geschäftsführung und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von NKD für ihren unermüdlichen Einsatz.“

Die bestehende Geschäftsführung werde mit Unterstützung durch TDR Capital die Wachstumsstrategie in der Fläche und im Omni-Channel-Geschäft weiter vorantreiben. Dazu zählen ein organisches Wachstum in den bestehenden Filialen und beim Online-Umsatz, die Eröffnung weiterer Standorte in Deutschland und Italien sowie die Expansion in neue Märkte.


TDR Capital

TDR Capital ist eine Private-Equity-Gesellschaft mit Sitz in London, die 2002 gegründet wurde und Fonds mit einem gebundenen Kapital von über acht Milliarden Euro verwaltet. Gemeinsam mit den Management-Teams entwickelt TDR Capital die Unternehmen weiter und unterstützt beim Wachstum.

Zu den Portfoliounternehmen gehören die LeasePlan Corporation, die weltweit größte Leasinggesellschaft für Firmenwagen, Hurtigruten, ein globales Unternehmen für Expeditionsreisen, Buffalo Grill, die führende Casual-Dining-Kette in Frankreich, und Euro Garages, einer der größten Eigentümer von Einzelhandelsgeschäften und Tankstellen weltweit.

 

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