Neue Muttergesellschaft Agilis wechselt den Eigentümer

Seit dem 12. Juni 2011 betreibt Agilis das Dieselnetz Oberfranken. Foto: Peter Gisder

BAYREUTH. Die Hamburger Hochbahn, die über die Benex GmbH bislang Mehrheitseigner der Privatbahn Agilis ist, hat am Montag einen Vertrag über den Verkauf ihres 51-prozentigen Anteils unterzeichnet. Neuer alleiniger Eigentümer wird demnach bis spätestens Juli die Investmentgesellschaft International Public Partnerships (INPP) sein, die bislang 49 Prozent der Benex-Anteile hält.

Damit vollzieht sich ein Eigentümerwechsel, von dem zumindest die Fahrgäste kaum etwas mitbekommen dürften. Das ist in der Branche nichts Ungewöhnliches. So hatte zum Beispiel die Länderbahn, zu der die Vogtland- und Oberpfalzbahn sowie die Alex-Züge gehören, in den vergangenen beiden Jahrzehnten drei derartige Eigentümerwechsel durchlaufen: Vom Freistaat Bayern gingen die Mehrheitsanteile 2008 an den britischen Verkehrskonzern Arriva. Nachdem die Deutsche Bahn 2010 Arriva gekauft hatte, musste die DB die deutschen Verkehrsbetriebe aus kartellrechtlichen Gründen an die italienisch-luxemburgische Netinera-Gruppe übertragen.

Im aktuellen Fall des Verkaufs der Benex GmbH, zu der neben Agilis in Bayern auch die Bahngesellschaften Cantus in Hessen, die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft in den neuen Bundesländern sowie Metronom und Nordbahn in Norddeutschland gehören, gibt es einen anderen Grund.

Die Hamburger Hochbahn AG (HHA) befindet sich über die Holding HGV vollständig im Eigentum der Freien und Hansestadt Hamburg. Der Senat strebt zum Jahresende eine Direktvergabe der Bus- und U-Bahn-Verkehrsleistung an die HHA an. Eine derartige Direktvergabe ist nach europäischem Recht jedoch nur zulässig, wenn sich das Unternehmen weder direkt noch indirekt außerhalb ihres Heimatmarktes im Wettbewerb betätigt.

Der nun schriftlich besiegelte Verkauf der Benex-Anteile kommt nicht überraschend. Bereits vor drei Jahren hatte die Agilis-Geschäftsleitung auf Anfrage unserer Zeitung einen bevorstehenden Eigentümerwechsel bestätigt.

Bei der landeseigenen Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG), die den Regionalverkehr im Freistaat plant, EU-weit ausschreibt und vergibt, dürfte man die Entwicklung mit Interesse verfolgen, denn Agilis ist damit künftig ein gleichwertiger Konkurrent zu den anderen Eisenbahn-Verkehrsunternehmen im Freistaat.

Dies war bislang nicht der Fall. Bei der Ausschreibung des Verkehrs auf der reaktivierten Linie von Selb nach Asch vor fünf Jahren durfte sich Agilis nach Vorgabe des Mutterkonzerns nicht beteiligen, weil sich die HHA zum damaligen Zeitpunkt zwar außerhalb Hamburgs, aber nur innerhalb Deutschlands betätigten durfte.

Wie aus gut informierten Kreisen zu erfahren war, hätte der Hamburger Senat damals für eine Beteiligung an der deutsch-tschechischen Ausschreibung eine Sondersitzung einberufen müssen. 

Die neue Muttergesellschaft INPP, die weltweit Infrastruktur- und Verkehrsprojekte betreibt, hat es somit wesentlich einfacher. Dabei hat die BEG just für dieses Jahr im EU-Amtsblatt eine große Ausschreibung angekündigt, bei der es sowohl um das Dieselnetz Oberfranken als auch um die internationalen Verbindungen von Selb nach Asch und von Marktredwitz nach Cheb (Eger) geht. 

Die BEG möchte den Regionalzugverkehr künftig in die Hand eines Betreibers geben. Im Dezember 2023 laufen die Verträge von Agilis für das Dieselnetz Oberfranken und von der Länderbahn für die beiden Linien nach Tschechien aus. 

 

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