Neue Jugendherberge: Bau wird zehn Millionen Euro kosten Das Raumschiff mit Modellcharakter

Das Raumschiff wird 2016 gelandet sein: Dreigliedrig, mit einer außergewöhnlichen Form – die neue Jugendherberge an der Universitätsstraße. Zehn Millionen Euro wird der Bau der neuen und der Abriss der alten Jugendherberge kosten. ⋌Grafik: Lava/DJH Landesverband Bayern

Die Stadt, sagt Winfried Nesensohn, der Vorstand des bayerischen Landesverbandes des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH), wollte etwas Besonderes. Und sie soll etwas Besonderes bekommen: Die neue Jugendherberge, die direkt neben der alten Jugendherberge gebaut wird, habe „sei ein absolutes Vorzeigeprojekt für uns“ und die Jugendherbergen im deutschen Raum, sagt Nesensohn. Allem voran natürlich architektonisch.

Aber auch durch die Konzeption. Und die Baumaterialien, die auf Nachhaltigkeit ausgelegt sind. Am Dienstag ist die Führungsspitze des DJH, Landesverband Bayern, in Bayreuth, um den erst einmal auf 50 Jahre angelegten Erbpachtvertrag für das Gelände zu unterzeichnen, auf dem ab dem kommenden Frühjahr gebaut werden soll. Rund zehn Millionen investiert das DJH, das den Wettbewerb um den Neubau der Jugendherberge für sich entscheiden konnte, in das Projekt – inklusive Abbruch der alten Jugendherberge.

„Neubauten“, sagt Nesensohn, „sind eher die Ausnahme bei Jugendherbergen. Normalerweise modernisiert man im Bestand“. Wie derzeit in Nürnberg auf der Burg – ebenfalls ein Vorzeigeprojekt des DJH. „Oder die Jugendherberge in Berchtesgaden, die wir auch schon mit Lava umgebaut haben.“ Lava (Laboratory for visionary Architekture, Berlin) ist auch das Architekturbüro, das den Entwurf für die Bayreuther Herberge gemacht hat.

Die Entwurfsplanung haben die Architekten dem DJH in dieser Woche präsentiert. Am Dienstagabend bekommt der Freundeskreis der Jugendherberge Bayreuth Einblick in die Pläne. „Das schaut richtig gut aus“, sagt Nesensohn. „Es war ja auch unser Ansinnen, etwas Besonderes dort zu bauen. Wir sind gespannt, wie es in der Bevölkerung ankommt.“ Im Herbst soll der Bauantrag eingereicht werden, nach dem Winter 2015 wird der Bau begonnen, in der zweiten Jahreshälfte 2016 soll die neue Jugendherberge in Betrieb gehen.

Die Architekten spielen mit dem Material: Sichtbeton wechselt sich mit Holz ab. Leichtbauwände „werden aus Lehm statt Gipsbeton gebaut“, sagt Nesensohn. Gebaut werde auch mit Material aus der Region. Und man spielt mit der Form. Organisch, Funktionen werden miteinander verwoben. Die neue Jugendherberge wird dreigliedrig aufgebaut, erinnert in der Draufsicht ein wenig an eine Raumstation. „Vom Zentrum mit Foyer und Rezeption gehen drei Fächer oder Arme weg“, sagt Nesensohn. Das Erdgeschoss wird Wohnbereich, wo man sich treffen kann, die Mensa und Zimmer aufnehmen. Im Obergeschoss sind ebenfalls Zimmer und ein großer, flexibel nutzbarer Tagungsbereich vorgesehen.

Durch die fächerartige Architektur ergeben sich drei Dreiecke für den Außenbereich – drei Flächen, die komplett unterschiedlich genutzt werden sollen: Vor dem Haupteingang als Zone, der die Architekten die Überschrift „Adventure“ geben. Beach-Volleyballfeld, Seilkletteranlage, Hängematten, Slackline-Anlage sollen die Besucher zum Herumtoben einladen. Das grüne Dreieck, das sich vor der Mensa ergibt, nennt sich „Activity“ – selbsterklärend durch ein großes Spielfeld für Fußball, Handball, Basketball. Mit Tischtennisplatten und Aufenthaltsbereichen. Dort, wo der Tagungsbereich angesiedelt ist, ist das Grün der Ruhe und Entspannung gewidmet. „Mit Sitztreppe dort, wo man aus dem ersten Stock aus dem Haus kommt“, sagt Nesensohn. Mit Terrasse im Erdgeschoss und Spielmöglichkeiten für Kinder.

Das Publikum, auf das die neue Jugendherberge abzielt, setzt sich wie bislang aus Schulklassen und Sportgruppen zusammen. „Da ist Bayreuth heute schon sehr stark.“ Was Nesensohn ausbauen will, ist die Attraktivität für Familien. „Da haben wir Nachholbedarf. Aber das wird kommen.“ Vor allem die gehobene Ausstattung soll die Herberge für Familien attraktiv machen. „Alle Zimmer sind mit Dusche und Toilette ausgestattet. Es wird Doppelbetten geben, die man auch auseinander schieben kann, wenn keine Familien die Zimmer nutzen. Natürlich gibt es auch die klassischen Doppelbetten. Aber anders, als man das kennt“, sagt Nesensohn. Die komplett barrierefrei angelegte Herberge wird 47 Zimmer und 180 Betten – aktuell gibt es 147 Betten – haben, 14 Zimmer sind speziell rollstuhlgerecht geplant.

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