Bag to Life Drei Partner wollen abheben

Die drei Gesellschafter von Bag to Life (von links): Thomas Machalke, Unternehmensgründerin Kerstin Rank und Thomas Bulirsch. Foto: Stefan Schreibelmayer

BAYREUTH/LICHTENFELS. Was tun, wenn in einem kleinen Unternehmen der Mit-Gesellschafter aussteigt? Neue suchen - am besten solche, deren Philosophie gut zu der eigenen passt. Die Bayreutherin Kerstin Rank, deren Unternehmen Bag to Life vor allem für Taschen und Accessoires bekannt ist, die aus ausrangierten Flugzeug-Rettungswesten, Fallschirmseide oder dem Leder von Flugzeugsitzen hergestellt werden, hat solche Partner in Lichtenfels gefunden.

Ein gutes Netzwerk ist Gold wert. Vor drei Jahren hat Kerstin Rank Thomas Bulirsch bei einer Veranstaltung kennengelernt. Der Lichtenfelser ist Inhaber und Chef von Aviationscouts, ein Unternehmen, das unter anderem gebrauchte Flugzeugsitze aufkauft, sie aufarbeitet und wieder an Fluggesellschaften in aller Welt verkauft - und zwar 6000 bis 10.000 im Jahr. Ähnliche Interessen also, sowohl was die Tätigkeit im Dunstkreis der Flugbranche angeht als auch bei der Geschäftsidee rund um Recycling und Upcycling. Als jetzt Ranks bisheriger Mit-Gesellschafter Thomas Gardeia aus privaten Gründen aus der Firma ausschied, fanden Rank und Bulirsch geschäftlich zusammen.

Bekannter Name

Und nahmen noch einen Dritten mit an Bord - Thomas Machalke. Ein Name, der in Oberfrankens noch immer starker Polstermöbelbranche bekannt ist. Der Familie gehörte viele Jahre ein Hersteller mit zeitweise bis zu 700 Mitarbeitern. Seit 2002 führt Thomas Machalke in Lichtenfels unter der Marke Tommy M seine eigene Polstermöbelmanufaktur mit rund 50 Mitarbeitern und legt bei seinen Designermöbeln nach eigener Aussage ebenfalls großen Wert auf Nachhaltigkeit.

Damit ist Machalke mit Abstand der Größte im neuen Bunde. Denn Aviationscouts hat 17 Beschäftigte und bei Bag to Life, wo Rank Hauptgesellschafterin bleibt, arbeiten drei. Doch die Größe ist Nebensache, bei regelmäßigen Strategiesitzungen wird auf Augenhöhe diskutiert. "Ideen gibt es genug, wir müssen eher sehen, was wir davon tatsächlich umsetzen können", sagt Rank.

Synergien ziehen

Momentan gehe es vor allem darum, Synergien aus der Partnerschaft zu ziehen. Die erste ist, dass Bag to Life den bisherigen Sitz in St. Georgen verlassen und stattdessen bei Aviationscouts angedockt hat. Das Unternehmen hat in Lichtenfels einen rund 3500 Quadratmeter großen Komplex mit Flächen für Verwaltung, Produktion und Logistik, wo jetzt auch Rank untergekommen ist. "Hier gibt es Strukturen, von denen wir auch profitieren können - beim Kundenstamm, beim Einkauf, den Materialflüssen oder dem Marketing", sagt sie. Das gelte es jetzt zu nutzen.

2020 kommen neue Produkte

Spätestens 2020 sollen aber auch neue Produkte von Bag to Life auf den Markt kommen. "Auch über das Taschensegment hinaus", sagt Bulirsch, der neben Rank als zweiter Geschäftsführer fungiert. Machalke kann sich zum Beispiel vorstellen, Ranks Idee fortzuentwickeln, ausrangierte Flugzeugsitze zu ganz besonderen Sitzgelegenheiten für Jedermann umzufunktionieren. "Da können wir unsere Expertise zusammenführen, die Flugzeugsitze bei uns um das eine oder andere Möbelelement ergänzen und so aus einem Economy-Class-Sitz ein echtes Luxusprodukt machen."

Nachhaltiger wirtschaften

Für Machalke nur ein Beispiel, wie sich die neue Partnerschaft positiv auswirken kann. "Unser aller Blick wird durch die Zusammenarbeit weiter", sagt der Unternehmer, Kerstin Ranks Kreativität bringe allen etwas. Man beschäftige sich jetzt unter anderem damit, wie aus Lederresten, die in seiner Manufaktur zwangsläufig anfallen, Produkte von Bag to Life werden können. Umgekehrt habe Rank Ideen, wie er in seinen Möbeln Dinge verarbeiten kann, "an die ich noch nie gedacht habe. Damit können wir unseren Kunden künftig etwas Besonderes bieten und zugleich wieder etwas nachhaltiger wirtschaften."

Beratung ausbauen

"Das ist auch Ausdruck einer besonderen Kompetenz, die wir uns erarbeitet haben und die nicht viele haben", sagt Rank. Und die soll künftig auch genutzt werden, um zum Beispiel Fluggesellschaften zu beraten. "Die Branche ist sehr darauf aus, zu zeigen, dass ihr Nachhaltigkeit wichtig ist", sagt Bulirsch, und: "Wir können den Firmen zeigen, dass sie ausrangierte Dinge nicht verschrotten müssen, sondern upcyclen und dann zum Beispiel in eigenen Shops wieder verkaufen können." Und Rank ergänzt: "Im besten Fall übernehmen wir dann auch gleich die Produktion."

Zehn Prozent mehr verkauft

Bei Bag to Life läuft das bekanntlich seit Jahren gut. Auch im vergangenen Jahr habe die Zahl der verkauften Teile wieder um rund zehn Prozent zugelegt, sagt Rank. Vertrieben werden die Produkte über die Vielflieger-Bonusprogramme von Lufthansa, Swiss oder Condor, Design-Fachhändler haben sie ebenso im Programm wie viele Shops an Flughäfen und in Innenstädten. Und schließlich gibt es noch den eigenen sowie andere Onlineshops. Für die Lufthansa wird als Lizenz-Partner sogar eine eigene Kollektion hergestellt, auf der der Kranich der Fluggesellschaft prangen darf.

 

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