Neubauten: Nachbarn wollen kämpfen

Dicht bewaldet ist der steile Hang hinter den Häusern in der Unterpurbach. Dort sollen nach den Plänen eines Investors fünfgeschossige Mehrfamilienwohnhäuser entstehen. Kerstin Kreiner-Bischoff (links) und Carolin Rettner sowie zahlreiche weitere Anwohner wollen das verhindern. Foto: Stefan Linß

Am Anfang hat Kerstin Kreiner-Bischoff an einen schlechten Scherz geglaubt. Bis heute kann sie sich nicht vorstellen, wie an dem steilen Hang unmittelbar hinter dem Gärtchen ihres Reihenhauses fünfgeschossige Mehrfamilienhäuser gebaut werden sollen. Nun wird das Bauvorhaben allmählich konkret. "So wie es aussieht, haben wir noch rechtzeitig die Initiative ergriffen, bevor alles in trockenen Tüchern ist", sagt die Kulmbacherin. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt sie ihre Einwände gegen das Projekt in der Unterpurbach im Stadtteil Blaich.

Die Anwohner wollen sich wehren. Nach mehreren Treffen ist klar, dass der Protest auf jeden Fall weitergehen soll. Die nächsten Schritte seien schon geplant. Weitere Unterstützer sind willkommen.

"Wir haben alle nicht gewusst, dass so ein Bauvorhaben dort überhaupt möglich ist", sagt Nachbarin Carolin Rettner. Die Natur vor der Gartentür sei eigentlich unverbaubar gewesen, hat sie immer gedacht. "Ich bin vom Glauben abgefallen, als ich von dem Projekt gehört habe."

Angst vor Hangrutsch

Carolin Rettner hat sich deshalb dem Protest sofort angeschlossen. Ihre Häuser sind in den frühen 80er Jahren gebaut worden. In den vergangenen 35 Jahren blieb die Natur dahinter unberührt. Es gibt Laubbäume mit riesigem Stammumfang sowie eine artenreiche Tierwelt mit Vögeln und Fledermäusen, sagt Kerstin Kreiner-Bischoff. Der Umweltschutz sei aus ihrer Sicht nur eines der Argumente, das gegen den Bau der fünf bis sieben Mehrfamilienhäuser spricht.

Der gewaltige Hang bestehe aus riesigen Sandsteinfelsen. Etliche Schächte und Keller und die Fundamente der abgerissenen Fleischkonservenfabrik Sauermann befinden sich dort noch. "Meine größte Angst ist, dass der Hang runterkommt", sagt Carolin Rettner. "Die alten Blaicher haben uns schon Gott weiß was von dem Hang erzählt." An einigen Stellen sei er bereits ins Rutschen geraten.

Wie riesige Baumaschinen in dem schwer zugänglichen Gelände arbeiten sollen, ist der Anwohnerin ein Rätsel. "Wir wissen auch nicht, wie weit das Vorhaben schon fortgeschritten ist. Leider haben wir noch keine verlässlichen Antworten erhalten", kritisiert Carolin Rettner.

Riesengroßer Aufwand

Die Unterschriftensammlung geht weiter. 120 Unterstützer haben mittlerweile ihre Ablehnung gegen das Vorhaben des Investors bekundet. Um wen es sich bei dem Geldgeber handelt, haben die Projektgegner noch nicht in Erfahrung bringen können.

"Wir verstehen den Investor nicht", sagt Kerstin Kreiner-Bischoff. "Der Aufwand ist dort riesengroß." Sie hat Bedenken, dass das Wasser nicht mehr richtig abfließen kann. Schon jetzt staue sich in ihrem Garten bei feuchtem Wetter wie in diesem Winter das Wasser.

Ein weiteres Argument betrifft die Parksituation. Schon jetzt sei die Unterpurbach sehr eng. Wie soll es erst werden, wenn 50 weitere Familien ihre Autos dort abstellen wollen? Zu ihren zahlreichen Fragen habe Kerstin Kreiner-Bischoff bislang nur unzureichende Antworten erhalten. Von Ämtern und Kommunalpolitikern habe es widersprüchliche Aussagen gegeben.

Überdimensioniert

Wenn die Terrassenhäuser wirklich so gebaut werden, wie sie in den Plänen eingezeichnet sind, dann werde sich die Situation für die Anwohner in den Reihenhäusern gewaltig ändern. Von fünf Stockwerken aus haben die neuen Mieter freie Sicht in die Gärten. "Die schauen uns alle von oben rein", sagt die Kulmbacherin. Für eine Wohnsiedlung wie in der Unterpurbach sei das Projekt überdimensioniert.

"Wir sorgen uns einfach um unsere Zukunft, unsere Lebensqualität und um unser Hab und Gut. Wir denken, dass unsere Sorgen absolut berechtigt sind", betont Kerstin Kreiner-Bischoff. "Wir haben das Gefühl, dass die Kommunalpolitik mit Absicht so wenig Information wie möglich rausgibt, nur damit niemand aufschreckt und sich eventuell dagegen wehrt", sagt die Kulmbacherin. Das sei wirklich schade.


 

Die Reaktion der Stadt

 

Die Stadt Kulmbach gibt auf Anfrage des Kuriers die folgende Stellungnahme zu dem Bauvorhaben in der Unterpurbach im Stadtteil Blaich ab:

"Grundsätzlich sind sich alle Fraktionen des Stadtrates einig: Wir brauchen in Kulmbach guten Wohnraum für alle. Das bedeutet Wohnungen für Studenten, aber auch für ältere Menschen, für Menschen mit kleinerem Geldbeutel und besonders auch für Familien. Der Bedarf ist vorhanden und dem wollen wir auch gerecht werden. Als Stadt wollen wir einerseits eigene Maßnahmen anschieben, aber auch privaten Investoren die Möglichkeit geben, tätig zu werden.

Um eine private Initiative handelt es sich auch bei dem angesprochenen Vorhaben in Unterpurbach. Dieses bezieht sich auf einen Bebauungsplan aus dem Jahr 1982.

Schrittweise Verwirklichung

Das Konzept des Investors geht aktuell von der Errichtung von fünf Gebäuden auf einer Grundstücksfläche von rund 10.000 Quadratmetern aus. Ursprünglich waren sieben Wohnhäuser angefragt. Nach unserem Kenntnisstand soll das Vorhaben aber schrittweise realisiert werden.

Nachdem der Investor im Januar 2018 mit der Bauvoranfrage auf die Stadt Kulmbach zukam, wurde die Anfrage umgehend am 23. Januar 2018 den Fraktionen im Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt.

In Abstimmung mit dem Investor sollten die Überlegungen so früh wie möglich auf breiter Basis diskutiert werden. Früher als üblich wurden diese dann bereits in der öffentlichen Stadtratssitzung am 1. Februar 2018 beraten und das Gremium stimmte grundsätzlich zu, in die Prüfung des Vorhabens einzusteigen. Im Übrigen wurden auch die aktuellen Wohnbauprojekte wie das in Unterpurbach im Rahmen der Info-Veranstaltung zum Uni-Campus in der Dr.-Stammberger-Stadthalle am 19. Februar 2018 dargestellt.

Bebaubarkeit soll geprüft werden

Nachdem der Stadtrat dem Einstieg in die Planungen zugestimmt hatte, konnte das formelle Verfahren beginnen. Im Rahmen dessen wird selbstverständlich auch geprüft, ob eine Bebaubarkeit gegeben ist und natur- und tierschutzrechtliche Maßstäbe eingehalten werden. Die entsprechenden Stellungnahmen der Fachbehörden sind angefordert, liegen allerdings noch nicht vor.

Die Stadt Kulmbach war sich von Beginn an bewusst, dass dieses Projekt sowohl für die Anwohner als auch ganz grundsätzlich für die Wohnraumentwicklung in Kulmbach eine gewisse Bedeutung hat. Aus diesen Gründen war es der Stadt sehr wichtig, die Öffentlichkeit von Anfang mitzunehmen und frühestmöglich über das Vorhaben zu informieren. Im Hinblick auf das weitere Verfahren werden wir die nächsten Schritte ebenso früh wie möglich kommunizieren.

Bei Fragen können sich die Bürgerinnen und Bürger selbstverständlich auch immer an das Rathaus wenden."

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