Neuausrichtung Schwieriges Jahr für die Sparda-Bank

Vertriebsleiter Stephan Kunz (links) und Vorstand Markus Lehnemann blicken auf ein herausforderndes Jahr für die Sparda-Bank zurück. Foto: Stefan Schreibelmayer

BAYREUTH/NÜRNBERG. Eigentlich sind die Kennzahlen der Sparda-Bank Nürnberg gar nicht schlecht. Das gilt sowohl für die Gesamtbank als auch für die Filiale in Bayreuth. Und dennoch bezeichnete Vorstandschef Stefan Schindler 2018 kürzlich bei der Bilanzpräsentation als das schwierigste Jahr seit der Finanzkrise.

Weil die weltweite Verunsicherung unter anderem wegen internationaler Handelskonflikte, des weiterhin drohenden ungeregelten Brexit und damit einhergehender Konjunktursorgen die allgemeine Stimmung derart getrübt hat, dass letztlich auch die Finanzmärkte ins Stocken gerieten. Das merkten die Anleger und damit die Sparda-Kunden, aber auch die Bank selber bei ihren Eigenanlagen. Hinzu kamen teils deutliche Rückgänge bei Zins- und Provisionsüberschuss, sodass sich der Jahresüberschuss um gut zwei Millionen auf 6,1 Millionen Euro reduzierte.

Deutliches Plus bei den Baukrediten

Trotzdem beginne sich die seit 2017 vorangetrieben Neuausrichtung der Bank unter dem Namen Strategie 2030 bereits auszuzahlen, sagte Sparda-Vorstand Markus Lehnemann im Gespräch mit dem Kurier. Das Forcieren digitaler Kanäle sowie die Umstellung bei den Mitarbeiter vom Generalisten hin zu Spezialisten zeige sich unter anderem im starken Anstieg im Kerngeschäft der Baufinanzierungen, die gleich um gut 50 Prozent auf 640 Millionen Euro zulegten, sodass der Gesamtkreditbestand der Bank um 7,6 Prozent auf 2,57 Milliarden Euro zulegte. In Bayreuth gab es beim Neugeschäft in der Baufinanzierung immerhin ein Plus von knapp neun Prozent auf 13 Millionen Euro, dennoch bleib der Gesamtkreditbestand bei 147,5 Millionen Euro nahezu konstant.

Wäre man im Raum Bayreuth bei zwei Projekten von Baugenossenschaften zum Zug gekommen, wäre das Plus auch hier deutlich kräftiger ausgefallen. Die Finanzierung solcher Projekte ist ein relativ neues Geschäftsfeld bei der Sparda-Bank Nürnberg, doch wurden hier bereits 118 Millionen Euro an Krediten zugesagt, so Lehnemann. Diese würden sich allerdings wegen des zeitverzögerten Abrufs der Gelder erst in den kommenden Jahren spürbarer in den Büchern niederschlagen.

600 Neukunden in Bayreuth

9239 neue Girokonten und damit neue Kunden hat die Sparda-Bank im vergangenen Jahr gewonnen, gut 600 davon in Bayreuth, sagte Vertriebsleiter Stephan Kunz. Die Filiale am Luitpoldplatz zählt damit knapp 14.600 Kunden, der hiesige Markt ist der drittgrößte der Bank nach Nürnberg und Würzburg. Obwohl die Zahl der Neukunden insgesamt damit um 1400 niedriger ausfiel als im Jahr zuvor, stiegen die Kundeneinlagen um 8,5 Prozent auf 3,79 Milliarden Euro (Bayreuth: 231,5 Millionen Euro/plus 7,1 Prozent). Die Bilanzsumme überschritt damit erstmals die 4-Milliarden-Euro-Marke und lag bei knapp 4,2 Milliarden Euro.

Lehnemann betonte, dass die mittlerweile knapp 223.000 Kunden die Sparda-Bank mittlerweile an jedem Tag der Woche rund um die Uhr erreichen könnten - etwa über die App, per Mail oder das Telefon. Und wer meldet sich da nachts? "Erstaunlich viele, zum Beispiel Schichtarbeiter", sagte Lehnemann. Denen werde entweder sofort geholfen, oder sie bekämen am nächsten Tag zu einem passenden Zeitpunkt den Rückruf eines Spezialisten.

Neukunden zu 90 Prozent online

Überhaupt nimmt die Bedeutung vor allem der digitalen Kanäle auch bei der Sparda-Bank immer mehr zu. 55 Prozent der Kunden führen ihre Geschäfte mittlerweile online, so Lehnemann - bei den Neukunden seien es aber 90 Prozent: "Es ist schon eine Herausforderung, mit Menschen in geschäftlichen Kontakt zu kommen, die nie eine Filiale betreten."

Wegen der ungünstigen Entwicklung der Finanzmärkte ging das Investmentvolumen der Sparda-Kunden beim Verbundpartner Union um 3,4 Prozent auf 699 Millionen Euro zurück. In Bayreuth sank der Bruttoabsatz im Investmentgeschäft um 13,2 Prozent auf 5,6 Millionen Euro, das Bausparvolumen brach entgegen dem Gesamttrend sogar um 33,2 Prozent auf elf Millionen Euro ein. Beides habe auch mit personeller Unterbesetzung zu tun, sagte Kunz. Mittlerweile sei das Personal in der Filiale aber wieder aufgestockt worden.

365 Mitarbeiter

Insgesamt beschäftigte die Sparda-Bank zum Jahreswechsel 365 Mitarbeiter, davon 41 Auszubildende. Die hohe Ausbildungsquote sei umso wichtiger, als offene Stellen über den freien Markt immer schwerer zu besetzen seien. Vor allem Spezialisten seien kaum zu finden. "Die müssen wir uns selber heranziehen", sagte Lehnemann. Derzeit seien rund 20 Stellen zu besetzen.

INFO: In ihr soziales und kulturelles Engagement hat die Sparda-Bank 2018 laut Vorstand Markus Lehnemann "einen niedrigen siebenstelligen Betrag" gesteckt. An Einsparungen sei nicht gedacht. So findet etwa am 28./29. Juni auf dem Bayreuther Stadtparkett wieder das Klassik Open Air statt.

 

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