Neu im Kulmbacher-Vorstand Mathias Keil, ein Mann mit kühlem Kopf

Die Kulmbacher-Gruppe hat ein starkes Jahr hinter sich. Und Mathias Keil will die Erfolgsgeschichte maßgeblich mit fortschreiben. Foto: Roland Töpfer

KULMBACH. Das Geschäft mit dem Bier wurde ihm fast in die Wiege gelegt: Mathias Keil (46) arbeitete schon früh im Getränkegroßhandel seines Vaters in Kaiserslautern und Umgebung mit, fuhr Stapler, ging mit auf Lkw-Touren. Seit Oktober letzten Jahres ist Keil Vorstand bei der Kulmbacher Brauerei AG, zeichnet verantwortlich für Finanzen und Technik. In Kulmbach hat Keil die nächsten Jahre viel vor.

Dabei wird es schwierig, die Zahlen des Jahres 2018 weiter zu verbessern. Denn 2018, das war der Super-Sommer, der nicht enden wollte, der der Brauerei Rekordzahlen brachte. Die Prognose für den operativen Gewinn (Ebit) wurde auf 13 Millionen Euro nach oben geschraubt. Zunächst waren neun Millionen geplant gewesen.

„Das war ja ein Mega-Sommer und auch noch ein WM-Jahr“, sagt Keil im Gespräch mit unserer Zeitung. Ein Super-Sommer, der auch seine Schattenseiten hat. Die große Trockenheit ließ die Malz-Preise stark steigen – für Brauereien ein wichtiger Kostenblock. „Das ist ein Riesenhebel.“ Im schwierigen Pils-Markt wurden die Preise erhöht, was auf die Nachfrage drückt.

Die Latte liegt hoch

Mit dem Ausnahmejahr 2018 liegt die Latte für die nächsten Jahre hoch. Gleichwohl will Keil die Weichen auf Wachstum stellen, neue Kapazitäten schaffen. Auch das Bahnhofsgelände, auf dem die neue Bayreuther Uni-Außenstelle gebaut werden soll, will die Brauerei für sich nutzen.

Beim Gesamtkonzept für das Gelände seien die Stadt Kulmbach, die Uni Bayreuth und die Brauerei auf einem guten Weg, sagt Keil. „Da wird’s eine Einigung geben.“ In fünf Jahren oder etwas später kann sich Keil auf dem Gelände eine dritte Abfüll-Linie vorstellen, für die rund 15 Millionen Euro fällig würden.

Sollte es mit dem Expansionskurs klappen, könnte die Zahl der Beschäftigten von über 900 auf über 1000 steigen. Dafür braucht es immer wieder neue Produkte. „Wir suchen uns Nischen, aber die Nischen sollten gewisse Größen haben.“ Welche Größen? 20.000 bis 40.000 Hektoliter im Jahr.

Die personelle Spitze der Kulmbacher AG wurde von drei auf zwei Vorstände verkleinert. Schafft man das, Finanzen und Technik? Das ist schon eine „große Führungsspanne“, räumt Keil ein. „Ich komm‘ einfach an Grenzen.“ Als Technikchef sollte man häufig in den Brauereien der Gruppe vor Ort sein. Von Plauen (Sternquell) bis Würzburg (Hofbräu). „Das ist kapazitiv nicht machbar.“

Nicht alle Produkte optimal platziert

Weshalb Keil von einem neuen Bereichsleiter Technik unterstützt wird. Der soll zusammen mit ihm in den kommenden Jahren das Produktions- und Logistiknetzwerk der Gruppe optimieren. Man agiere mitunter noch sehr verteilt über die Standorte, nicht alle Produkte seien optimal platziert. 

Das Technische und das Kaufmännische hat Keil in Weihenstephan (Getränketechnologie und Brauwesen) und an der TU München studiert (Wirtschaftsingenieur). Dann entdeckte er in der Zeitung eine Stellenanzeige der Paulaner, wurde genommen und arbeitete von 2002 an im Controlling an Effizienzprogrammen und Kosteneinsparungen. 2006 ging er zu Süd-Chemie, 2012 zurück zur Paulaner. „Wenn man sich im Guten trennt, kann man auch wieder zurück“, sagt er heute. In der Paulaner Gruppe stieg Keil bis zum Controlling-Chef auf, dann folgte der Wechsel nach Kulmbach.

Hier fühlt er sich wohl, möchte gerne länger bleiben. Keil wohnt unter der Woche in Bayreuth, in Kulmbach hat er nichts Passendes gefunden. Frau und Sohn, sechs Jahre, leben in München. Zum Dauerzustand soll das nicht werden. „Den stabilen Lebensmittelpunkt, den würde ich gerne in Kulmbach haben.“

Zum Fußball-Profi reichte es nicht

In seiner Jugend spielt Keil Fußball beim 1. FC Kaiserslautern. Die  Eigenanalyse ergab, dass es zum Profi wohl nicht reichen würde. Die Rationalität, das rein vernunftorientierte Handeln, ist wohl ein wichtiges Wesensmerkmal von Keil. Nicht  erst, seitdem er Manager geworden ist.

Schon viel früher wurde das deutlich sichtbar. Als ihm seine Mutter, eine Lehrerin, klar machte, dass  das Abi nun wichtiger sei als die vielen Trainingsstunden für den Fußball, hängte Keil seine Stollenschuhe an den Nagel. „Ich war da sehr rational.“


Nachfolger für Zejmon

Seit Oktober 2018 ist der 46-jährige Mathias Keil Vorstand für Technik und Finanzen der Kulmbacher Brauerei AG und damit Nachfolger von Otto Zejmon, der das Unternehmen nach Ablauf seines Dienstvertrages Ende September verlassen hatte. Keil ist Diplom-Ingenieur und Diplom-Wirtschaftsingenieur und war zuletzt Leiter Controlling bei der Paulaner Gruppe, dem Mehrheitsaktionär der Kulmbacher Brauerei AG. 

 

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