Naturschutz Bauern suchen Blühwiesen-Paten

SEIDWITZ/SPEICHERSDORF. Auf dem Acker soll es blühen. Drei Landwirte aus der Region suchen Paten für Blühwiesen. Sie vergeben entsprechende Flächen, die sie eigens anlegen wollen, gegen Entgelt. Damit soll die Insektenvielfalt gefördert werden. 

Das Ehepaar Hans und Renate Zapf aus Seidwitz bei Creußen hat die Milchkuh- und Rinderhaltung aufgegeben und will nun auf zwei Feldern auf insgesamt 8000 Quadratmetern Blumen und Kräuter ansäen. Einer dieser Streifen liegt an der Straße nach Unterschwarzach, der andere an der Straße zwischen Neuhof und Prebitz. Dort kann man ab sofort Flächen für 0,50 Cent pro Quadratmeter für ein Jahr „pachten“ und bekommt als Bestätigung eine Urkunde. Falls gewünscht, kann auch ein Schild mit dem Namen des Paten aufgestellt werden.

Gesät werden soll auf jeden Fall Ende April, egal, ob nun Interessenten da sind oder nicht. Die Mischung besteht aus Samen für 45 verschiedene Kräuter und Blumen, die dann über den Winter absterben. Im Frühjahr 2020 wird dann neu angesät, die Paten können dann für ein weiteres Jahr zahlen. Die Mischung heißt Veitshöchheimer Bienenweide, deren Blühdauer ist von April bis November. 

Schon drei Paten gefunden

„Ich war von der Idee sofort begeistert“, sagt der 61-jährige Hans Zapf. Man merke, dass die Insekten weniger werden. Als Belege dafür nennt er die Frontscheibe seines Autos, an der kaum noch Insekten kleben, sowie die Natur selbst, in der kaum noch etwas fliegt. Der frühere Landwirt ist auch mit insgesamt vier Hektar beim Bayerischen Kulturlandschaftsprogramm dabei, tut also schon lange etwas für die Artenvielfalt. Aus dem großen Erfolg des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ schließt Zapf: „Die Leute sind begeistert von der Rettung der Artenvielfalt.“ Bereits drei Paten hat das Ehepaar gefunden, obwohl es bislang noch nicht an die Öffentlichkeit gegangen ist.

Rechne man die gesamte Arbeit, sei mit dem Anlegen von Blühflächen „nichts verdient“. Das Saatgut kostet rund 300 Euro, das Feld muss vorbereitet werden. „Ich hoffe, dass sich einige melden“, setzt Zapf auf Rückenwind durch das Volksbegehren. Schön wäre es, wenn Leute die Blühflächen sehen und selbst welche im Garten oder auf dem Acker anlegen.

Hermann Schmidt ist Vollerwerbslandwirt in Ramlesreuth bei Speichersdorf. 40 Milchkühe hält er und betreibt Ackerbau. 67 Hektar bewirtschaftet er, und einer extensiv betriebenen Landwirtschaft steht er schon seit vielen Jahren ziemlich nahe. „Außer Gülle kam in den letzten Jahren kein Dünger mehr auf meine Felder.“

Und jetzt, nach der erfolgreichen Abstimmung für das Volksbegehren, will er noch etwas mehr tun. Drei bis fünf Hektar insgesamt möchte er für Patenschaften für Blühwiesen zur Verfügung stellen. Wer Interesse daran hat, kann 100 Quadratmeter Fläche für 50 Euro pro Jahr bei ihm „pachten“. Hermann Schmidt sät dann eine bienenfreundliche Blühmischung aus.

Bindung über fünf Jahre

Die Naturfreunde müssen sich allerdings für einen Zeitraum von fünf Jahren binden. Denn erst dann sei eine Umstellung auf Blühwiese sinnvoll, sagt Schmidt, der als Vorbereitung den Boden abmagert, um die Voraussetzungen für die meisten Gräser und Blumen zu schaffen. Die Flächen will er dann nach naturschutzrechtlichen Bedingungen bewirtschaften und nur einmal im Jahr mähen, so spät wie möglich. 

Wem das zu teuer ist, der kann bei ihm auch Rotklee- oder Luzernenäcker pachten. Die bietet Schmidt für 30 Euro für 100 Quadratmeter an. „Weil ich trotz später Mahd dann doch noch etwas Ertrag habe.“ Und wenn es gewünscht wird, will Hermann Schmidt auch Schilder aufstellen, die auf den jeweiligen Paten hinweisen. 

Auch Jeremias Püttner, Bierbrauer und Nebenerwerbslandwirt aus Plössen bei Speichersdorf, bietet nun erstmals Patenschaften für Blühwiesen an. Der 21-Jährige will auf seinem ein Hektar großen Acker zwischen Schlammersdorf und Kirchenthumbach Blumen und Kräuter blühen lassen und Interessierten den Quadratmeter für einen Euro pro Jahr überlassen. Die Laufzeit beträgt insgesamt fünf Jahre, die Pflanzen treiben nach dem Winter jedes Jahr wieder neu aus. Püttner hat eine eigene Homepage www.beewiese.de installiert, auf der wöchentlich aktuelle Bilder der Blühflächen veröffentlicht werden sollen. Ein örtlicher Imker will nebenan drei Bienenvölker ansiedeln. 

„Die Blühwiese wird mit einem speziellen Saatgut bestellt, das die Artenvielfalt aller Insekten durch einen hohen Anteil an Blumen unterstützt“, sagt er. Mit der Fläche sei kein Geld zu verdienen. Die Webseite und das Saatgut kosten, zudem falle der Acker für die normale Nutzung weg. Auch er will im April säen und hofft, genug Interessenten zu finden. Patenschaften seien ab einem Quadratmeter möglich. „Das Volksbegehren hat viele wachgerüttelt, etwas aktiv für den Artenschutz zu tun“, ist Püttner überzeugt.


Info: Hans Zapf ist unter 01 51/ 28 15 39 33 erreichbar, Hermann Schmidt unter 0 92 75/91 68 96 oder per Mail hermannschmidt@ gmx.com, Jeremias Püttner unter 01 71/ 5 50 03 04.

 

1 Kommentar

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading