Naturschützer klagen Biotop an Pottensteiner Himmelsleiter zerstört

Dieter Hoch zeigt auf eine ehemalige Blühwiese bei der Pottensteiner Himmelsleiter, die durch "Schotterkunstwerke" zerstört wurde. Foto: Thomas Weichert

POTTENSTEIN. Die „Himmelsleiter“ inmitten des Naturschutzgebiets oberhalb des Schullandheims am Höhenwanderweg in Richtung Elbersberg ist inzwischen zu einer sehr gut frequentierten Touristenattraktion geworden. Die führenden Mitglieder der neu gegründeten Pottensteiner Ortsgruppe des Bundes Naturschutz (BN) sind jedoch entsetzt, dass mittlerweile das Biotop mit seltenen Pflanzen komplett zerstört worden ist.

Von den Naturschützern angeprangert wird auch die rabiate Heckenschnittaktion entlang des gesamten Wanderwegs, von der Hofmanns-Kapelle bis Elbersberg und rund um Pottenstein. Dies wurde bei der ersten Mitgliederversammlung der inzwischen 50 Mitglieder zählenden Ortsgruppe mehr als deutlich.

Margit von Wintzingerode, Beisitzerin im Vorstand zeigte sich über die Naturzerstörung um die Himmelsleiter schockiert. „Ich bin entsetzt was mit den 30 bis 40 Jahre alten Schlehenhecken dort passiert ist“, sagte sie. Auch werde das Verhalten der Touristen immer schlimmer, und was jetzt dort abläuft, sei einfach zu viel.

Autos auf der Wiese

Trotz Sperrschild würden viele mit dem Auto einfach bis zur Himmelsleiter und sogar über den Wanderweg weiter bis nach Elbersberg fahren. Am Wochenende sei es bei der Himmelsleiter so voll, dass die Autos auf der Wiese parken, geschützte Pflanzen zerstören und strafbarerweise sogar ausgraben und mitnehmen.

Vor allem Jugendliche haben auf der Wiese rund um die Himmelsleiter wahre „Kunstwerke“ mit dem Schotter geschaffen, der um den Sockel des Turms verteilt war. Zur Dekoration dieser „Kunstwerke“ werden auch die Blüten geschützter und seltener Blumen abgerissen. Auch das Ameisenbiotop sei zerstört worden und durch die bisher beispiellosen Heckenschnittmaßnahmen wurden auch die Brutplätze von Vögeln zerstört.

"Völlig übertriebener Kahlschnitt"

Margit von Wintzingerode forderte, dass eine Lösung gefunden werden muss, wie man die einmalige Natur rund um die Himmelsleiter schützen kann. Vorschläge waren, wieder eine Schranke anzubringen, Schilder aufzustellen oder sogar in unregelmäßigen Abständen Streckenposten zu laufen.

Georg Buchfelder prangerte auch das Verhalten der Behörden an, die nach seiner Meinung mit Steuergeldern die Zerstörung der Hecken sogar noch finanziert hätten. „Durch diesen völlig übertriebenen Rück- und Kahlschnitt seien lange bestehende Heckensektionen komplett entfernt oder so weit verletzt worden, dass eine Regeneration der Pflanzen nicht mehr sichergestellt ist“, sagt auch Daniel Deak und betont, dass dies auch bei der Bevölkerung schon auf massives Unverständnis und auf Empörung gestoßen sei. Die BN-Ortsgruppe erwartet von den dafür Zuständigen einfach ein verantwortungsbewusstes und sensibleres Vorgehen.

"Raubbau an der Natur"

Kreisgeschäftsführer Peter Ille schloss sich der Kritik an. „Hier ist leider noch viel, was man kaputt machen kann“, sagte er. Zweiter Vorsitzender Dieter Hoch zeigte sich ebenso geschockt über die Naturzerstörung rund um die Himmelsleiter.

Hoch sprach von einem dramatischen Insektensterben, von Raubbau an der Natur und forderte eine radikale Veränderung der Verhaltensweisen aller Beteiligten. „Da ist man einfach sprachlos, dass dieses spezielle Naturschutzgebiet an der Schützenleite so heimgesucht wird. Die schönsten Küchenschellen wurden ausgestochen, die Silberdisteln sind komplett verschwunden und dann noch diese rabiate Heckenschnittaktion“, prangerte Hoch an. Auch das Pottensteiner Trinkwasser müsse noch immer gechlort werden, weil rund um Prüllsbirkig gejaucht werde, so eine weitere Kritik von Deak.

Vermüllung eine Blamage

Ein weiteres Ärgernis für die Naturschützer ist die Verschmutzung durch weggeworfenen Müll an den Wanderwegen. Für Ortsvorsitzenden Karl-Heinz Peters ist besonders die Vermüllung des stark frequentierten Frankenwegs von der Teufelshöhle durch das Klumpertal bis Kirchenbirkig erschreckend. „Da blamiert man sich ja bei den Touristen“, so Peters.

Ein erstes Projekt der neuen BN-Ortsgruppe wird deshalb am 4. Mai eine Ramadama-Aktion entlang des Frankenwegs von der Schüttersmühle bis Kirchenbirkig sein. Treffpunkt ist um 9 Uhr an der Schüttersmühle.

 

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