Im kommenden Jahr 25 Jahre Partnerschaft Heinersreuth - Schwarzkollm

HEINERSREUTH / SCHWARZKOLLM. „Ich mag sie. Sie war immer so lebendig und rührig,“ erinnert sich Arnold Gebelein an die Zusammenarbeit mit Gertrud Winzer, der Altbürgermeisterin von Schwarzkollm in der Lausitz. Und auch Gertrud Winzer, das „verrückte Weib“, wie sie sich selbst nennt, schätzt den ruhigen und bedachten Lehrer Gebelein, der 24 Jahre lang Bürgermeister war in Heinersreuth. Trotz völlig unterschiedlicher Charaktere. Beide haben die Partnerschaft der zwei Orte begründet, die 2019 ihr 25-jähriges Bestehen feiert.

Zur Unterzeichnung der Partnerschaft mit dem späteren Stadtteil von Hoyerswerda, der Gemeinde Schwarzkollm, kam es kurz nach der Grenzöffnung. „Bürgermeisterin Gertrud Winzer hatte über das Landratsamt Kontakt zu passenden Gemeinden gesucht“, erinnert sich Gebelein, der damals ehrenamtlicher Bürgermeister war. Das erste Treffen fand bei Winzers im Hof statt. „Mit unserem jüngsten Mitarbeiter im Rathaus bin ich damals hingefahren,“ sagt Gebelein. „Da habe ich Gertrud Winzer kennen- und schätzen gelernt.“

Große Offenheit

Schon damals zeigte sich ihre schnelle Orientierung und ihre Offenheit für Veränderungen. Sie zeigte Gebelein, der auch bei ihr übernachtete, was sie bei ersten Besuchen im Westen abgeschaut hat. Ein Bachlauf im Ort – das hatte sie in Forchheim entdeckt – den umgestalteten Dorfplatz, oder Bäume, die gepflanzt wurden um mehr Grün in die Siedlung zu bekommen. „Wir sind auch mit ihr zusammen auf den Hausberg gelaufen. Der hat sie immer erinnert an den Heinersreuther Bleyer.“

Sorbisches Brauchtum

Ihre forsche, immer vorwärtsstrebende Art hat Gebelein imponiert. Auch als Baugebiete ausgewiesen wurden und zunächst keiner kam. „Sie hat sich nicht entmutigen lassen.“

Der Trailer des Krabat-Films 2008

Und auch wenn Gebelein sagt, dass manche Vorbehalte zwischen Sachsen und Franken heute noch bestehen, hat ihm vor allem das sorbische Brauchtum sehr gefallen. „Sie können wunderbar singen“, erinnert sich Gebelein, der den Aufbau der Krabat-Mühle ab 2006 nicht mehr verfolgt hat. Sein Sohn allerdings, der für eine Wahlperiode im Heinersreuther Gemeinderat saß, hat bei den Bauarbeiten mitgeholfen.

Heuer 80 Jahre

Die umtriebige Altbürgermeisterin Gertrud Winzer wird heuer im Dezember 80 Jahre alt. Und noch heute – auch wenn ihr so manche Alterszipperlein zusetzen – bezeichnet sie sich selbst als „verrücktes Weib“. Seit 1977 und dann noch vier Jahre nach der Wende und nach der Gemeindegebietsreform und dem Anschluss an die Stadt Hoyerswerda, führte sie ihre Gemeinde Schwarzkollm an. Ihre hellen, wasserblauen Augen leuchten lebhaft, wenn sie erzählt. Von vielen Kämpfen, die sie geführt hat, vom Ringen um staatliche Unterstützung, und von ihrem Lebenswerk, der Krabat-Mühle im Koselbruch, die heute unzählige Besucher anzieht.

Preußler in Schwarzkollm

Vom ersten Besuch Otfried Preußlers in Schwarzkollm, der ihr viele Tipps gegeben hat. Von den Festspielen. Die Karten dafür sind an nur einem Tag ausverkauft. Doch die Festspielzeit verlängern, das gehe auch nicht, sagt Gertrud Winzer. Man würde ihr sonst den Charakter nehmen, das Gemeinschaftswerk eines Dorfes, das zusammen mit einigen Schauspielern für einige Wochen schon jetzt im Ausnahmezustand lebt, zerstören. „Drei Wochen, das reicht,“ sagt sie.

Doch Gertrud Winzer hat auch Niederlagen einstecken müssen. Manche mochten nicht mit ihr zusammenarbeiten, denn was sie sich selbst abfordert, das verlangt sie auch von anderen.

Tracht hängt in der Mühle

Als sie nach der Gemeindegebietsreform in Hoyerswerda eine Sorbenausstellung haben möchte, blitzt sie im Rathaus ab. Jetzt hängt ihre eigene Tracht in der Krabat-Mühle. „Dann ziehe ich sie halt dort an,“ sagt sie.

Seit 2006 entsteht – Stück für Stück – die Krabatmühle im Koselbruch. Vor allem Wandergesellen haben großen Anteil am Bau der verschiedenen Gebäude. Im ersten Jahr arbeiten 110 Wandergesellen auf der Sommerbaustelle. Das Gesindehaus, das heute noch für alle Wandergesellen offen ist, steht. Budenmutter ist Gertrud Winzer. Am Steintor zwischen Laubengang und Gesindehaus, haben viele Heinersreuther mitgebaut. Daher thront auch Rabe Hanzo, der für einen der zwölf Müllerburschen steht, über diesem Tor.

Ihre vielleicht größte Enttäuschung erlebte Gertrud Winzer, als der neue Krabat-Film, der 2008 in die Kinos kam, gedreht wurde. Er entstand nicht am Originalplatz im Koselbruch, sondern in Rumänien. Doch auch hier bot Gertrud Winzer allen Widrigkeiten die Stirn und begann 2012 mit den Krabat-Festspielen. Ein verrücktes Weib.


Info: Am 14. Januar 2019 werden die Karten für Teil zwei des neuen Krabat-Zyklus verkauft.

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