Nach Knoblichs Wahl in Erfurt Braucht Bayreuth einen Kulturreferenten?

Der neu gewählte Dezernent Tobias Knoblich in Erfurt. Daneben: Verwaltungsmitarbeiter Jens Fahrland. Foto: Marco Schmidt

BAYREUTH. Tobias Knoblichs Daumen ging hoch, als das Ergebnis der Wahl im Erfurter Rathaus bekannt gegeben wurde. In einer Stichwahl war er zum Dezernenten für Kultur, Wirtschaft und Umwelt gewählt worden. Somit steht Bayreuth wiedermal ohne Kulturreferenten da. Wie geht es nun weiter? Und: Braucht Bayreuth überhaupt einen Kulturreferenten?

BG-Fraktionsvorsitzender Stephan Müller sagt am Tag nach der Wahl in Erfurt: „Es ist offensichtlich unbestritten, dass Dr. Tobias Knoblich eine sehr qualifizierte Kraft ist, sonst hätte sich Erfurt nicht so um ihn bemüht. Wir in Bayreuth müssen nun schauen, dass wir möglichst schnell eine andere Person für das Amt des Kulturreferenten finden.“ Nach den vergangenen Wochen sei es für Knoblich vermutlich eine gute Lösung.

Unumstößlich steht für Müller fest, dass die Kulturstadt Bayreuth einen fachlich kompetenten Kulturreferenten braucht. „Wir wollen noch enger mit den Bayreuther Festspielen zusammen arbeiten, wir wollen das Markgräfliche Opernhaus regelmäßig bespielen, wir eröffnen in zwei Jahren unser Friedrichs-Forum mit ganz anderen Möglichkeiten für den Bereich Kultur als bisher, wir wollen den Kulturentwicklungsplan gemeinsam mit dem Landkreis umsetzen, wir wollen die freie Szene, wie beispielsweise die Kämmereigasse 9 ½ oder die Schoko mehr in den Mittelpunkt rücken.“ Dies seien nur einige Beispiele für die vielen Aufgaben eines kompetenten Kulturreferenten. Wie es nun weitergeht? Den weiteren Vorgang des Bewerbungsverfahrens müsse nun das Rechtsamt der Stadt Bayreuth prüfen.

Für die CSU-Fraktion erneuerten Stefan Specht und Thomas Ebersberger die Forderung, eine Stadt wie Bayreuth müsse einen Kulturreferenten bekommen. „Daran ändert auch das Desaster mit Tobias Knoblich nichts,“ so Specht. Keinesfalls wolle die CSU, dass der künftige Manager des Friedrichsforums die Aufgaben eines Kulturreferenten übernimmt. Wie es nun aber weiter gehe, müssten die Fraktionen erörtern.

Viel verzahnen

Auch Grünen-Fraktionsvorsitzende Sabine Steininger lässt keinen Zweifel daran, dass Bayreuth einen Kulturreferenten braucht: „Die Aufgabe ist viel zu komplex, um sie nur nebenbei erledigen zu können.“ Freilich fürchtet Steininger, dass die Suche schwierig werden könnte „angesichts des Bildes, das der Stadtrat von sich abgegeben hat.“ Wichtig wäre, dass der Referent auch selbst etwas gestalten könne. Zugleich müsse er mit den Vereinen, Verbänden und Institutionen kommunizieren und ein Programm zusammenstellen, das Bayreuth gerecht wird. „Man wir viel verzahnen müssen“, sagt die Grünen-Fraktionsvorsitzende. Auch mit Blick auf die Festspiele, die mehr in die Stadt gebracht werden müssten.

FDP-Fraktionsvorsitzender Thomas Hacker sieht die Sache anders. Nach dem Hin und Her der vergangenen Jahre sollte es laut Hacker keine neue Ausschreibung der Stelle mehr geben. „Wir machen uns ja lächerlich, wenn wir die Stelle erneut ausschreiben.“ Stattdessen sollte man das Geld lieber in die Kultureinrichtungen und das entsprechende Marketing stecken. Vor allem sollte die Stadt zügig Ausschau nach einem Intendanten für das Friedrichs-Forum halten.

Berufung eines Intendanten

Die Bayreuther SPD bekräftigt ihre Position zum Thema Kulturreferent. Nach Ansicht der Stadtratsfraktion brauche die Stadt gar keinen Kulturreferenten. Diese Position vertrete die Fraktion seit Jahren, so der Vorsitzende der Fraktion Thomas Bauske. Das jüngste Scheitern der Ernennung eines Kulturreferenten spreche doch für die von der SPD favorisierte Berufung eines Intendanten. Er sollte in allen Spielstätten in der Stadt als Macher tätig und verantwortlich sein. Doch wie geht es weiter, fragte der Kurier. „Wir müssen uns Gedanken machen“, so Bauske. Seine Kritik: Der Stadtrat habe den Fehler gemacht, sich nie einen Bayreuther Kandidaten anzuschauen. Ein Bewerber aus der Stadt hätte einige Vorteile, die im Amt nützlich wären.

Für eine Denkpause ist auch Stefan Schuh. Aus Sicht des Sprechers der Fraktion Junges Bayreuth dürfe der Stadtrat den eingeschlagenen Weg nicht weiter beschreiten. „Wir brauchen eine Phase der Konsolidierung“, so Schuh. In anderen, vergleichbaren Städten gebe es Kulturverantwortliche in weniger hohen Positionen. Wie Schuh sagt, sei die Stelle eines Kulturmanagers für das Friedrichsforum bereits geschaffen worden.

 

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