Nach den Diebstählen in der Bibliothek: Sind Studenten unvorsichtig? Kurier macht den Klau-Test an der Uni

Nach zahlreichen Diebstählen in der Uni startete der Kurier einen Selbstversuch und schickte eine „Test-Diebin“ in die Bibliothek um herauszufinden, wie achtsam die Studenten mit ihren Wertgegenständen umgehen – und war erfolgreich. Natürlich haben all unsere Testpersonen ihre Sachen wiederbekommen. Foto: Wittek

Macht Gelegenheit Diebe? Gelegenheiten gibt es in der Universität zumindest zu genüge. Wie mehrfach berichtet, haben in den vergangenen Monaten Diebe Spinde aufgebrochen, sechs Laptops, mehrere Geldbörsen und ein Handy gestohlen. Deshalb hat der Kurier eine „Test-Diebin“ in die Bibliothek geschickt, um herauszufinden, wie achtsam die Studenten mit ihren Wertgegenständen umgehen – und war erfolgreich.

Eine gute Stunde Beutezug in der Universität. Die Ausbeute: ein Smartphone, ein Laptop und ein Geldbeutel. Nicht schlecht für das erste Mal. Und nach dieser einen Stunde hätte man auch noch einen Handel mit Handy- und Laptop-Ladegeräten, sowie Taschenrechnern aufmachen können. Wer noch eine neue Jacke oder Tasche braucht, wäre an der Universität auch fündig geworden. Der Praxistest in drei Teilbereichsbibliotheken hat gezeigt, dass Diebe tatsächlich leichtes Spiel hätten.

Der Streifzug beginnt in der Zentralbibliothek. Für einen Amateur-Dieb ist dies eher schwieriges Terrain. Zurzeit, in der Klausurenphase, sitzen die Studenten eng gedrängt, Schulter an Schulter und mit dem Rücken zum Gang. Wer hier stehlen will, muss dreist sein. Einzig Winterjacken, Taschen und Rucksäcke hängen einfach so im Eingang der Bibliothek. „Ich würde es zur Mittagszeit versuchen, da ist es leerer“, meint eine Studentin auf Nachfrage der Kurier-„Test-Diebin“.

"Mir wurde noch nie etwas geklaut"

Nach der Zentralbibliothek führt der Beutezug in die Teilbereichsbibliothek der Geowissenschaften. Student Fabian Wismeth wird das erste Opfer. Vertieft in seine Studienunterlagen und mit Musik auf den Kopfhörern, ist es erstaunlich leicht, ihm sein Smartphone und seinen Geldbeutel im Vorbeigehen zu stehlen. Er hatte beides einfach neben sich gelegt. „Mir wurde noch nie etwas geklaut und ich habe auch keine Bekannten, denen hier schon einmal etwas gestohlen wurde“, sagt Wismeth, als er von der Kurier-„Test-Diebin“ seine Sachen zurückbekommt. „Ich vertraue noch auf die Ehrlichkeit der Menschen.“

In der Bibliothek der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler ist das Bild ähnlich, wie schon in der Zentralbibliothek und auch Teilbibliothek Geowissenschaften – ein riesiges Durcheinander an Jacken und Taschen. Einige Laptops stehen unbeaufsichtigt auf den Tischen. Bei genauerem Hinsehen stellt sich heraus: Ein echter Dieb kommt hier nicht zum Zuge, da die Laptops mit Laptopschlössern gesichert sind. Dafür aber liegen Taschenrechner, Ladegeräte oder auch Kopfhörer offen auf den Tischen. Nur ein Handgriff und sie wären im Sack. Nils Lachmann, Student der Betriebswirtschaftslehre, lässt aber sogar seinen Laptop unbeaufsichtigt. Während seiner einstündigen Mittagspause steht das Gerät ungesichert, direkt am Treppenaufgang der Bibliothek. Weder Freunde noch Kommilitonen hatte er gebeten, ein Auge auf seinen Laptop zu werfen.

Da alle Mitstudenten mit dem Rücken zu Lachmanns Platz sitzen, ist es ein Kinderspiel für die „Test-Diebin“, den Laptop einfach mitzunehmen. „Ich sitze an diesem Platz schon seit Wochen und lasse meine Sachen öfter mal unbeaufsichtigt – bislang ist nie etwas passiert“, sagt der 24-Jährige, als er zurück aus der Mensa kommt. Lachmann hat auf seinem Laptop seine angefangene Bachelorarbeit gespeichert – das wäre nicht nur ein teures Vergnügen geworden, sondern auch ein sehr frustrierendes. „Eigentlich habe ich auch ein Schließfach. Aber ich glaube an das Gute im Menschen“, sagt er. „Wenn Wertgegenstände unbeaufsichtigt herum liegen, reizt es natürlich Diebe eher dazu zu stehlen“, erklärt die Pressesprecherin der Polizei Bayreuth, Sonja Schneider.

Das Fazit des Praxistests ist eindeutig: Auch ohne jede Erfahrung in Sachen Diebstahl, ist man in der Universität schnell erfolgreich. Die Verantwortlichen der Universitätsbibliothek haben zwar die Studenten gewarnt. Aber einige Bibliotheksbesucher gehen trotz der jüngsten Erfahrungen, immer noch fahrlässig mit ihren Wertsachen um. Gelegenheit macht eben doch Diebe.

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