Nach dem Gülleunfall Oberpreuschwitz: Kanalsystem wird verbessert

Rund ein Jahr nach dem Gülleunfall im Ortskern des Bayreuther Stadtteils Oberpreuschwitz befasste sich der Bauauschuss in seiner jüngsten Sitzung mit einer Verbesserung des Abwassersystems. Foto: Archiv/Lammel

BAYREUTH. Fast ein Jahr nach dem Gülleunfall im Ortskern von Oberpreuschwitz soll die dortige Abwassersituation verbessert werden. In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses des Bayreuther Stadtrates erteilten die Stadträte der Verwaltung den Auftrag, die Maßnahme anzustoßen. Für Planung und Grunderwerb sollen Mittel in Höhe von 160 000 Euro in den Haushalt des Jahres 2020 eingestellt werden.

Rund vier Kubikmeter Gülle sind nach der damaligen Aussage des Betreibers einer Biogasanlage in der Nacht auf den 25. März aus einer undichten Blindleitung ausgetreten. Maximal ein Kubikmeter Gülle sei über die Straße bis in die Ortsmitte von Oberpreuschwitz und dort über einen Gully in den Bach Preuschwitzerin geflossen. Wie Augenzeugen und Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamtes berichteten, wurde in dem kleinen Gewässer alles Leben abgetötet. Im Roten Main, in den die Preuschwitzerin mündet, wurden hingegen keine Schäden festgestellt.

Für Stadträtin Christa Müller-Feuerstein war das Unglück Anlass, in einem im Juni verfassten Schreiben an Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe die „Erarbeitung eines Konzepts zur Verbesserung des Regenwassers-/Abwasserkanals in der Ortsmitte des Stadtteils Oberpreuschwitz“ zu beantragen. Das Kanalsystem stamme wohl aus den 70er Jahren und dürfe „stark verbesserungswürdig“ sein. So werde die gesamte Straßenentwässerung des alten Ortskerns über den Bach Preuschwitzerin abgeleitet. Wie problematisch das sei, habe der Gülleunfall gezeigt. Die Stadtverwaltung solle deshalb, schreibt Müller-Feuerstein, ein Konzept erstellen, das mögliche Alternativen zur bestehenden Straßenentwässerung aufzeigt. Außerdem wollte Müller-Feuerstein wissen, bis wann die Biogasanlage, die den Schaden verursacht hat, mit einer Umwallung ausgestattet wird.

In ihrem Vortrag stellte Stadtbaureferentin Urte Kelm zwei Varianten vor, die den Bach vor verschmutzten Einleitung besser schützen soll. Die erste Variante sehe eine Erweiterung des Mischsystems und eine Vergrößerung des Rückhaltebeckens für Niederschlagswasser vor. Weiterhin müssten im alten Ortskern Mischwasserkanäle auf einer Länge von 730 Meter neu verlegt und Entlastungskanäle auf einer Länge von 150 Meter umgebaut werden. Die Gesamtkosten einschließlich des Grunderwerbs gab Kelm mit rund 2,3 Millionen Euro an.

Die zweite Variante bleibt mit geschätzten Gesamtkosten in Höhe von 1,6 Millionen Euro deutlich unter den Kosten der ersten Variante. Zwei bestehende Regenwasserkanäle im alten Ortskern müssten auf einer Länge von 30 Meter umgebaut, ein 240 Meter langer Regenwasserkanal neu verlegt, vorhandene Entlastungskanäle umgebaut sowie ein Regenrückhalte- und ein zusätzliches Absetzbecken neu gebaut werden. Kelm, die sich für die Fortführung des modifizierten Mischsystems aussprach, betonte, dass das Regenrückhaltebecken gebaut werden müsse. Auf die Frage von CSU-Fraktionssprecher Stefan Specht, der von einem „herrschenden Handlungsbedarf“ sprach, nach der Zeitschiene, antwortete Norbert Hübner, Leiter des Tiefbauamtes, dass die Realisierung der Maßnahme abhängig sei davon, wie schnell der Grunderwerb erfolgen könne. Erst nach der Vorplanung und den abgeschlossenen Verhandlungen für den Grunderwerb könnte eine detaillierte Zeitschiene erstellt werden.

Damit sich ein Gülleunfall wie vor einem Jahr nicht wiederholt, muss der Betreiber der Biogasanlage bis Juni die Umwallung fertiggestellt haben, berichtete Kelm. Außerdem wird der Mischwasserkanal, der direkt in die Preuschwitzerin einleitet, bei Trockenheit mit Absperrblasen gedämmt und abgepumpt. Die örtliche Feuerwehr und der Stadtbauhof seien bereits eingewiesen worden, sagte Kelm.

Mit dem Zeitplan zeigte sich Müller-Feuerstein nicht zufrieden. Sie fürchte, dass die Maßnahme nicht vor 2024 abgeschlossen werde. „Wir müssen Gas geben“, forderte sie, „und schon 2020 mit dem Regenrückhaltebecken beginnen.“ Stadtbaureferentin Kelm würde dem Wunsch gerne entsprechen. Doch dem stünden die Grunderwerbsverhandlungen im Wege, von denen man nicht wisse, wie lange sie dauern. Kelm: Der Grunderwerb für das Regenrückhaltebecken ist das Nadelöhr.“

 

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