Moderne Stromzähler Die Stadtwerke und die digitale Mammutaufgabe

Thomas Lukas kennt sich aus mit den alten (links) und den neuen Stromzählern. Er ist Abteilungsleiter Mess- und Zählerservice bei den Stadtwerken Bayreuth. Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH. Messstellenbetriebsgesetz - ein Wortungetüm, hinter dem sich eine Mammutaufgabe verbirgt, nämlich die Digitalisierung der Stromnetze im Rahmen der Energiewende. Die Stadtwerke Bayreuth haben sich zur Bewältigung ihres Teils dieser Aufgabe jetzt mit acht weiteren fränkischen Stadtwerken zusammengetan.

Rund 60.000 Stromzähler gibt es in Bayreuth, sagt Thomas Lukas, Abteilungsleiter Mess- und Zählerservice bei den Stadtwerken. Die allermeisten davon sind noch alte Modelle wie man sie kennt - in denen sich eine Scheibe mal schneller und mal langsamer dreht, abhängig davon, wie viel Strom gerade verbraucht wird. Mit digital hat das nicht viel zu tun.

Datenübertragung per Funk

Das soll sich ändern, so will es der Gesetzgeber, und zwar bis 2032. Bis dahin sollen alle Zähler digital sein. Werden in dem entsprechenden Haushalt oder Betrieb im Jahr mehr als 6000 und bis zu 100.000 Kilowattstunden (kWh) Strom verbraucht, muss der neue Zähler den Verbrauch zusätzlich ständig an die Netzbetreiber melden - etwa per Funk. Gleiches gilt, wenn durch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach mehr als sieben Kilowatt (kW) Strom ins Netz eingespeist werden.

Wer in einem normalen Eigenheim oder einer üblichen Mietwohnung wohnt, dessen künftig ebenfalls digitaler Zähler muss vorerst keine Daten senden. "Hier liegt der Stromverbrauch im Schnitt bei bis zu 4000 kWh oder leicht darüber", sagt Lukas. Aber schon, wenn eine Sauna oder eine Wärmepumpe betrieben werde, könne die 6000er-Grenze gerissen werden, sagt der Experte.

Netzstabilisierung soll erleichtert werden

Hintergrund der entsprechenden Vorschriften im Messstellenbetriebsgesetz ist die zunehmende Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Quellen ins Netz. Denn die sorgt bei aller Umweltfreundlichkeit für ein physikalisches Problem. Damit immer genügend Strom aus der Steckdose kommt, müssen sich Verbrauch und Produktion im Stromnetz bis auf geringe Schwankungsbreiten immer die Waage halten – sonst bricht es zusammen, es kommt zum Blackout. Das ist mit dem Strom aus Sonne und Wind zumindest anspruchsvoller geworden, weil er nicht immer gleichmäßig zur Verfügung steht. Andere Kraftwerke müssen dann entsprechend mehr oder weniger Strom herstellen, um die Schwankungen auszugleichen. Bekommen die Netzbetreiber möglichst zeitnah möglichst viele Verbrauchsdaten, erleichtert das die Netzstabilisierung. Was die so genannten Smart-Meter können.

Noch kein Gerät freigegeben

Oder zumindest können sollten. Denn bislang ist noch keine Kommunikationseinrichtung (Gateway) durch die Behörden zertifiziert und freigegeben, sagt Thomas Lukas. Das größte Problem dürfte nach wie vor die Datensicherheit sein, denn die soll deutlich über der etwa bei Bankgeschäften liegen, sagt Lukas. Deshalb montieren die Stadtwerke zwar momentan bereits digitale Zähler, wenn bei den alten etwa die Eichfrist abläuft, die Datenübermittlungsfunktion muss aber nach der Genehmigung durch die Behörden nachgerüstet werden. Immerhin bekommen so aber die Nutzer der neuen Geräte schon mal einen besseren Überblick über ihren Stromverbrauch, sagt Lukas. Gut 4000 Geräte neue digitale Stromzähler sollen im Stadtwerke-Bereich jetzt pro Jahr ausgetauscht werden.

Kooperation mit acht fränkischen Stadtwerken

Auch wenn der behördliche Startschuss für die Übertragungstechnik nach Einschätzung von Thomas Lukas wohl frühestens im Frühjahr 2019 fallen wird, wollen die Stadtwerke durch die jetzt in die Wege geleitete Zusammenarbeit die Voraussetzungen dafür schaffen. Gemeinsam mit den Partner-Stadtwerken in Baiersdorf, Bamberg, Coburg, Erlangen, Forchheim, Fürth, Neustadt bei Coburg und Rödental wurde die Frankenmetering GmbH & Co. KG gegründet.

Kosten auf mehrere Schultern verteilt

„Zusammen können wir die aufwendige Zertifizierung und die sehr hohen Sicherheitsstandards stemmen. Zuerst geht es uns darum, die intelligenten Messsysteme in unsere Netze zu integrieren und den Betrieb, vor allem in Bezug auf die Datensicherheit, zu regeln. Das ist die Kernaufgabe von Frankenmetering. Dann müssen wir weitersehen – die Zusammenarbeit ließe sich bestimmt noch ausweiten“, wird Stadtwerke-Chef Jürgen Bayer in einer Mitteilung zitiert. Für die Stadtwerke Bayreuth alleine würde das einen immensen Aufwand und hohe Kosten bedeuten, die man nun auf mehrere Schulter verteilen könne.

Probebetrieb im Frühjahr

Die nötigen Schnittstellen schaffen und im ersten Quartal 2019 einen Probebetrieb durchführen, das seien die ersten Aufgaben der neuen gemeinsamen Gesellschaft, sagt Lukas. Bei einem Dienstleister werde im ersten Schritt ein gemeinsames Rechenzentrum etabliert, welches bereits heute die hohen Sicherheitsstandards einhält. Ob die Frankenmetering zukünftig ein eigenes Rechenzentrum aufbaut ist noch offen.

Warum die Daten nicht in falsche Hände geraten sollten, erläutert er an einem Beispiel: "Wenn in der Wohnung einer älteren Dame plötzlich nicht mehr wie sonst morgens die Kaffeemaschine Strom zieht, dann könnte es sich um einen Notfall handeln und Hilfe geschickt werden. Oder sie ist halt im Urlaub. Kennt ein Einbrecher diese Daten ..."

Das Messstellenbetriebsgesetz

Das Messstellenbetriebsgesetz sieht die Einführung intelligenter Strom-Messsysteme in Häusern, Wohnungen und Betrieben vor und verpflichtet die örtlichen Verteilnetzbetreiber zur Installation sowie zur Einhaltung einer hohen Datensicherheit. Liegt der jährliche Stromverbrauch unter 6000 Kilowattstunden, entfällt die Verpflichtung zur Datenübertragung. Bis 2032 müssen dem Gesetz zufolge alle klassischen durch digitale Zähler ersetzt werden. Die Messwerte müssen Netzbetreibern und Stromlieferanten zur Verfügung gestellt werden, um unter anderem deren Bemühungen zur Netzstabilität zu unterstützen.

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