Mit Vorbehalten Mainleus stimmt dem Ostbayernring zu

Baustelle für einen Strommast in Bayern. Symbolfoto: Moritz Kircher

MAINLEUS / MARKTLEUGAST. Über die höchsten Baumwipfel soll die neue Stromtrasse von West nach Ost durch den Landkreis Kulmbach führen. So sieht es der Plan vor. Eigentlich steht eine Erdverkabelung überhaupt nicht zur Debatte. Trotzdem will der Mainleuser Marktgemeinderat die Idee nicht voreilig verwerfen. In seiner jüngsten Sitzung hat er das Projekt Ostbayernring des Stromnetzbetreibers Tennet zur Kenntnis genommen und keine weiteren Einwände erhoben. Doch wie der Ersatzneubau für die bestehende Höchstspannungsleitung einmal aussehen kann, dazu gibt es unterschiedliche Meinungen.

Die Tennet-Mitarbeiter Ina-Isabelle Haffke und Mark Sprung haben in der Aula der Mainleuser Grund- und Mittelschule zwei Stunden lang die Fragen der 30 anwesenden Bürger beantwortet und die Details zu der 380-Kilovolt-Freileitung vorgestellt. Anschließend befasste sich der Gemeinderat eine weitere Stunde lang mit dem Thema.

Einzelne Masten bis zu 82 Meter hoch

Die neue 185 Kilometer lange Stromtrasse führt vom Umspannwerk Redwitz an der Rodach über die Umspannwerke Mechlenreuth und Etzenricht bis nach Schwandorf in die Oberpfalz. Sie soll die bestehende Leitung ersetzen, die später zurückgebaut wird. Im Landkreis Kulmbach verläuft der Weg der Trasse von Schimmendorf und Oberdornlach über Lösau und Lehenthal nach Stadtsteinach und Vogtendorf bis Guttenberg, Weidmes, Neuensorg und Marktleugast.

Bei Schimmendorf werde der aus naturschutzfachlicher Sicht hochwertige Wald geschont. Es brauche künftig keine Schneise mehr. Um den Wald zu überspannen, müssen die drei Masten südlich und östlich des Mainleuser Ortsteils jeweils bis zu sieben Meter höher gebaut werden als die bisherigen Masten. Sie messen demnach 59 Meter, 80 Meter und 82,2 Meter. Das gefällt den Anwohnern überhaupt nicht.

Leitung rückt weiter weg von den Wohnhäusern

Bei der ersten Anhörung hatte der Markt Mainleus den Hinweis gegeben, dass die neue Leitung nicht näher an die bestehende Wohnbebauung heranrücken soll als die alte. Diese Vorgabe haben die Planer eingehalten. "Wir haben die Abstände optimiert", sagte Mark Sprung. Die Masten seien von Schimmendorf so weit weg wie möglich. Rund 200 Meter beträgt die durchschnittliche Entfernung. Das sind bis zu 150 Meter mehr als bei den bisherigen Leitungen.

Obwohl die neue Leitung die 2,5-fache Kapazität haben wird, verursacht sie weniger Geräusche als die alte. Das elektromagnetische Feld werde die gesetzlichen Grenzwerte im Bereich der Wohnbebauung selbst bei der selten vorkommenden Vollauslastung deutlich unterschreiten, verspricht Tennet.

Schimmendorfer fordern Erdverkabelung

Trotzdem können sich die Schimmendorfer mit dem Projekt nicht anfreunden. "Unsere einzige Möglichkeit ist die Erdverkabelung", sagte Ortssprecher Siegfried Münch. Doch dafür bräuchte es erst eine Gesetzesänderung in Berlin. CSU-Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner führt derzeit Gespräche mit dem Wirtschaftsministerium. Genauso wie die Bürger in Neuensorg fordern nun auch Bürger aus Schimmendorf, dass die Kabel in einigen Abschnitten unterirdisch verlegt werden.

Dass es eine Ausnahme für Neuensorg oder Schimmendorf gibt, kann sich Tennet-Bürgerreferentin Ina-Isabelle Haffke so nicht vorstellen. Es sei kaum möglich, dass der Gesetzgeber für diejenigen Ortschaften eine Sonderregelung zulässt, in denen die Leute am lautesten schreien. Für den Ostbayernring war von vornherein keine Erdverkabelung vorgesehen. "Er war immer als Freileitung geplant", erklärte die Referentin. Sollte sich das Gesetz tatsächlich ändern, dann müsste das komplette Projekt neu untersucht werden.

Erdverkabelung des Ostbayernrings würde auch Nachteile bringen

Ob die Erdverkabelung der Weisheit letzter Schluss wäre? Darüber sind sich die Gemeinderäte nicht einig. Es gibt wohl optische Vorteile, weil keine Masten in der Landschaft stehen. Und es entstehe weniger Lärm. Gleichzeitig bringt die unterirdische Verlegung auch Nachteile mit sich. Massive Erdbewegungen und große Eingriffe in die Natur seien nötig, um die Kabel in 1,80 Meter Tiefe zu bringen. Es entstehen im Vergleich zur Freileitung in der Regel vier bis fünf Mal so hohe Kosten, sagte Mark Sprung.

Der Marktgemeinderat erörterte in einer Grundsatzdebatte, ob und unter welchen Bedingungen die neue Stromtrasse nötig ist. "Hängen wir nicht einem Modell nach, das irgendwann überholt ist", wollte Brigitte Lauterbach (ABL) wissen und erinnerte an die Möglichkeiten der dezentralen Stromversorgung. Markus Oppelt (Freie Wähler) forderte: "Wir sollten einen Fuß in der Tür haben, wenn die Erdverkabelung doch möglich wird."

Leitung soll leistungsfähiger werden

Die Mehrheit der Räte stimmte schließlich für die Tennet-Pläne. Unter dem Vorbehalt, dass die Gemeinde erneut gehört wird, wenn der Ostbayernring für eine Erdverkabelung infrage kommt. 2020 will Tennet mit dem Bau beginnen. Auf zwei Jahre ist die Bauzeit für den gesamten Ostbayernring veranschlagt.

Jeder einzelne Abschnitt dauert in etwa ein halbes Jahr, sagte Ina-Isabelle Haffke. Ziel ist es, die Transportkapazität zu erhöhen. Die aktuellen Leitungen stammen aus den 70er-Jahren. Es treten bereits Engpässe auf und es koste viel Geld, das bestehende Netz unter diesen Bedingungen stabil zu halten. "Es ist ganz einfach", sagte CSU-Gemeinderatsfraktionssprecher Siegfried Escher. "Wir wollen alle Strom. Dann müssen wir auch mit den Masten leben."


Unterlagen liegen aus

Die Unterlagen zum Planfeststellungsverfahren des Ostbayernrings liegen im Mainleuser Rathaus aus. Bis zum 27. Dezember können sich die Bürger beteiligen. Jeder kann Einwände schriftlich bei der Regierung von Oberfranken vorbringen.

 

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