Mit Schumann hinter den Tresen der Welt

Charles Schumann in einer Szene des Films "Schumanns Bargespräche" Die Dokumentation kommt am 12. Oktiober in die deutschen Kinos. Foto: Niv Abootalebi/NFP/dpa

Das Dead Rabbit in New York, die Hemingway Bar in Paris oder die Tender Bar in Tokio - Charles Schumann hat sie alle besucht. Im Kinofilm «Schumanns Bargespräche» (Kinostart 12. Oktober) gibt der gebürtige Kirchenthumbacher Einblicke in die schummrige Welt zwischen Gimlet und Daiquiri.

«It's bartime, it's my time» - wenn Charles Schumann das sagt, klingt das einleuchtend. Denn der 75-Jährige ist für viele der Inbegriff eines Barkeepers. 1982 hatte er in München sein erstes Lokal eröffnet. Bald wurde die «Schumann's American Bar» zum Stammlokal für Prominente, Künstler, Filmschaffende und andere Kreative und der Mann hinterm Tresen selbst zur Berühmtheit. Im Kinofilm «Schumanns Bargespräche» gibt er nun Einblicke in die schummrige Welt zwischen Shaker, Eis und Cocktailglas - und wird nebenbei auch selbst ein bisschen gefeiert.

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In aller Welt hat Schumann mit Regisseurin Marieke Schröder Kollegen hinterm Tresen besucht: Etwa in der Hemingway Bar in Paris, im Würgeengel in Berlin, auf Kuba oder in der japanischen Hauptstadt Tokio. Auch in der New Yorker Szene war der Münchner unterwegs, etwa im Employees Only oder im Dead Rabbit, 2016 zur weltbesten Bar gekürt. Sie empfangen ihn interessiert und oft auch ehrfürchtig, denn Schumann hat sich weit über München hinaus einen Namen gemacht.

Untermalt von entspannter Jazzmusik ist die Kamera unaufdringlich dabei, wenn Barkeeper ihre Lieblingscocktails mixen, kleine Berufsgeheimnisse verraten oder mit Schumann fachsimpeln: über das richtige Mischungsverhältnis, das beste Ambiente oder die angenehmsten Gäste. Auch die Angestellten seiner Münchner Bars kommen zu Wort und loben ihren Chef in höchsten Tönen, was angesichts der sonst angenehm zurückhaltenden Stimmung des Films allerdings ein wenig dick aufgetragen wirkt.

Einer, der lieber zuhört, als selbst redet

Denn eigentlich steht Schumann in dem Film gar nicht im Mittelpunkt. Von ihm selbst erfährt man deshalb auch kaum etwas. Wenn er sich mit seinen Gesprächspartnern trifft, hält er sich lieber bescheiden zurück und lässt sich auch nicht so leicht aus der Reserve locken. Einer, der lieber zuhört, als selbst redet. Der bei aller Freundlichkeit immer eine gewisse Distanz wahrt und die Menschen deshalb zum Sprechen bringt.

«Der Barmann ist mehr als ein exzellenter Mixer», heißt es gegen Ende des Films. «Er muss für die angenehmen Gäste ein Gastgeber sein, für die schwierigen ein Dompteur und für die traurigen ein Therapeut. Es klingt simpel, ist aber am schwersten zu erlernen, das Gespür, welcher Drink wann, für wen und zu welchem Anlass passt.» Eines ist nach eineinhalb Stunden Film ganz sicher: Direkt nach Hause gehen sollte man nicht. Dann doch lieber in eine schöne Bar und die neu gewonnenen Erkenntnisse vertiefen. Bei einem gut gemixten Cocktail, versteht sich.

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