Mit böser Hexe Frankenwald als magische Filmkulisse

Jede Einstellung ist vorher geplant: Regisseur Sven Unterwaldt zeigt auf das Schloss Oberlangenstadt, das als Kulisse für den Kinderfilm „Vier zauberhafte Schwestern“ dient. Katja Riemann (mit pinken Haaren) und Justus von Dohnányi (links) spielen die Hauptrollen. Ein Video vom Filmdreh inklusive Interviews mit den Hauptdarstellern und dem Regisseur gibt es auch auf unserer Homepage. Foto: Marco Nagel, Buena Vista International

KÜPS / OBERLANGENSTADT. Die Region wird erneut Schauplatz für eine Kinoproduktion. Diesmal entsteht in Küps (Landkreis Kronach) ein Kinderfilm. Katja Riemann spielt darin die böse Hexe. Ein Besuch am Set.

Mit lauten Schritten stampft Katja Riemann die Kellertreppen hinunter. Ihr Blick eiskalt, das Lächeln süffisant. Sie schnipst mit den Fingern und die Lampen neben ihr beginnen zu glimmen. In dem verfallenen Raum sieht es aus, als hätte man ihn jahrelang nicht betreten. Mehrere Kisten versperren den Weg, das Holz hängt herunter. Riemann bewegt sich katzenhaft hindurch, dann bleibt sie plötzlich stehen und ein hemmungsloses Hexenlachen erklingt aus ihrer Kehle, durchbricht die unheimliche Stille. Schluss – die Szene ist im Kasten.

Die Aufnahme wurde vor wenigen Tagen für den Kinderfilm „Vier zauberhafte Schwestern“ im Küpser Ortsteil Oberlangenstadt gedreht. Der Kino-Streifen, an dem auch Medien-Gigant Disney beteiligt ist, basiert auf Sheridan Winns erfolgreicher englischer Kinderbuchreihe „Sprite Sisters“.

Rund 50 Personen plus Schauspieler aus allen Ecken Deutschlands arbeiten seit Ende Juni an der Verfilmung.

Hier beim Schloss Oberlangenstadt haben die Filmemacher die perfekte Kulisse gefunden, die sie suchten. Regisseur Sven Unterwaldt spricht von einem Glücksfall: „Wir hätten nicht gedacht, dass wir hier ein Schloss finden, das auch mitten in England stehen könnte. Diese Kulisse ist fantastisch.“

Und tatsächlich ist das Schloss Oberlangenstadt eines der wenigen im englisch-gotischen Stil gebauten Schlösser Deutschlands. Überragt wird das aus Buntsandstein erbaute Schloss von einem 35 Meter hohen Turm. Noch heute wird das Schloss von der Familie von Künsberg bewohnt.

Für den Kinderfilm „Vier zauberhafte Schwestern“ entstehen hier sowohl Außen- als auch Innenszenen. Katja Riemann, die zu den erfolgreichsten Schauspielerinnen Deutschlands zählt, spielt die Hauptrolle. Sie verkörpert die böse Hexe Glenda Glass.

Katzenhafte Katja

Für ihre Rolle trägt sie eine grell pinke, auftoupierte Perücke. Wenn die 54-Jährige vor dem Schloss läuft, der Wind durch ihren schwarzen Umhang weht, dann wirkt sie tatsächlich wie ein magisches Wesen aus einer anderen Welt. „Ich habe bereits eine gute Hexe gespielt, aber eine böse Zauberin zu sein, macht natürlich mehr Spaß“, gibt sie zu.

Eine weitere Hauptrolle besetzt Justus von Dohnányi. Den preisgekrönten Schauspieler kennt man unter anderem aus der Fernsehserie „Charité“. Der 57-Jährige spielt den Hexenhelfer Oswald Foffington-Plinker.

In den Drehpausen erzählt der Darsteller, dass er im echten Leben nicht an Hexen glaubt, „aber ich glaube an die Magie der Liebe.“

Natürlich dürfen bei einem Kinderfilm auch Kinderdarsteller nicht fehlen. Wie die Filmcrew erklärt, bestimmt das Jugendschutzgesetz die Rahmenbedingungen für die Kinder als Schauspieler. Danach dürfen Jugendliche unter 16 Jahren nicht mehr als drei Stunden am Tag arbeiten. Zudem gilt in den meisten Bundesländern bislang eine Höchstgrenze von 30 Arbeitstagen im Jahr.

Wie ist es mit so vielen Kindern zu arbeiten? „Toll! Sie sind neugierig und trotzdem konzentriert. Sie gehen ganz natürlich an die Sache heran“, sagt Regisseur Unterwaldt, der bereits mit „7 Zwerge“ und „Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft“ bewiesen hat, dass ihm das Genre Familienunterhaltung liegt.

Zeit zur Schlossbesichtigung

Entspannt und zugleich sehr professionell agiert die mehr als 60-köpfige Crew. Zeit, um das Schloss zu bestaunen, bleibt vor allem für die Schauspieler genug. Denn bis ein Set aufgebaut ist, Kameras, Beleuchtung und Requisiten am richtigen Platz stehen, vergeht einige Zeit.

„Wir drehen heute nur ein paar Szenen“, informiert Regisseur Unterwaldt. Den ganzen Vor- und Nachmittag ist das Team damit beschäftigt – im fertigen Film werden die Szenen gerade mal wenige Minuten einnehmen.

In der Mittagspause besucht auch der Bürgermeister von Küps, Bernd Rebhan, das Filmset. Er freue sich über die gute Reklame für seine Stadt durch die Dreharbeiten. „Ich werde mir den Film auf jeden Fall anschauen“, verspricht Rebhan.

Mitgebracht hat er das Goldene Buch, in das sich die Schauspieler eintragen, und Porzellantassen mit dem Küpser Motiv. „Als kleines Geschenk“, sagt er.

In dieser Woche wird das Filmset in Oberlangenstadt abgebaut. Dann geht es weiter nach Belgien, Österreich und Südtirol. Insgesamt 39 Drehtage stehen zur Verfügung. Der Kinostart ist für den Winter 2019/2020 geplant.


Worum es geht

An ihrem neunten Geburtstag entdeckt Sky ihre magischen Kräfte. Auch ihre drei älteren Schwestern können zaubern. Jedoch geraten sie in Streit, ob sie anderen davon erzählen sollen.

Der bösen Hexe Glenda Glass kommt dieser Streit ganz entgegen, denn sie will den Mädchen ihr Zuhause wegnehmen. Beinahe zu spät merken die vier Schwestern, dass sie jetzt mehr als jemals zuvor zusammenhalten müssen.

 

Filmregion Oberfranken

Der Kinderfilm „Vier zauberhafte Schwestern“ ist ein weiterer Beweis für die wachsende Attraktivität von Oberfranken als Filmkulisse. Für gleich mehrere Produktionen war die Region in den vergangen Jahren Drehort. Unter anderem entstand hier der Kinderfilm „Die kleine Hexe“, der DDR-Thriller“Ballon“, die Fantasy-Trilogie „Rubinrot“, das Historiendrama „The happy Prince“ und die Miniserie „Arthurs Gesetz“.

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