Mildes Urteil für Dealer Schmerzpatient verkauft Cannabis aus der Apotheke

Symbolfoto: Peter Gisder

BAYREUTH. Als Schmerzpatient bekam er legales Hasch. Weil er es aber verbotenerweise weiterverkaufte, kam ein 24-jähriger Bayreuther als Angeklagter vor Gericht - wo er für den Verkauf einen unerwarteten Grund nannte.

Seit über zehn Jahren leidet der Mann an einer starken Form von Rheuma: "Ich wache morgens mit Schmerzen auf und schlafe abends mit Schmerzen ein", berichtete er in seinem Prozess vor dem Schöffengericht.

Sein Schicksal als Schmerzpatient brachte ihn vor einiger Zeit auf Cannabis. Im Frühjahr 2017 kaufte er sich mehrfach zehn Gramm-Mengen und kam insgesamt auf 90 Gramm. Etwa die Hälfte davon habe er weiter verkauft, aber allenfalls mit einem minimalen Aufschlag. An Bekannte.

Wie die Zecken

"Sie müssen sich das so vorstellen, Herr Richter. Es gibt Leute, die riechen es, wenn man was hat. Dann sind die wie die Zecken. Dann heißt es: Hast Du was? Komm, wir rauchen was."

Und da, so erklärte der 24-Jährige, habe er irgendwann einmal gesagt: "Wenn die dauernd schnorren, können sie wenigstens ein klein wenig was dafür bezahlen."

Der junge Mann berichtete, dass seine Karriere auf dem illegalen Drogenmarkt eigentlich endete, als der Staat eine neue Verordnung herausbrachte, nach der Berechtigte medizinisch verordnetes Marihuana legal erwerben könnten.

Er als Schmerzpatient habe mit einem ärztlichen Attest einen Antrag gestellt und den Kauf in der Apotheke genehmigt bekommen. "Marihuana aus kontrolliertem Anbau. Ökologisch, viel besser."

Abstinenznachweis

Doch dann kam ihm ein anderes Problem in die Quere: Nachdem ihm einige Zeit davor der Führerschein abgenommen und die Fahrerlaubnis entzogen worden war, forderte die Führerscheinbehörde für die Neuausstellung der Fahrerlaubnis eine medizinisch-psychologische-Untersuchung.

Und für diese MPU braucht man auch: einen Abstinenznachweis. Der 24-Jährige musste also nicht nur durch die MPU, sondern auch seine Schmerzen ertragen: "Ich hatte plötzlich eine Menge Cannabis herumliegen. Es war eine blöde Idee, es weiter zu verkaufen." Er gestand drei Verkäufe zu jeweils etwa zehn Gramm.

Angeklagte war der Mann wegen Erwerb und Handels von Drogen in einem besonders schweren Fall. Den Weiterverkauf mit Aufschlag hatte die Staatsanwaltschaft als gewerbsmäßigen Handel gewertet, den Profit von rund zwei Euro pro Gramm als "erhebliche Einnahmequelle von einiger Dauer" gewertet. Für derartige besonders schwere Fälle ist die Strafdrohung ein Jahr Mindeststrafe.

Abnehmer genannt

Im Fall des 24-Jährigen gab es aber eine weit mildere Wertung: Das Schöffengericht verneinte die Gewerbsmäßigkeit mit dem Hinweis, die zwei Euro Profit pro Gramm hätten nur einen Teil der Kosten für den Eigenkonsum gedeckt.

Hinzu kam, dass der Angeklagte, nachdem er in Verdacht geraten war, seine Abnehmer genannt hatte. Ein Polizist bezeugte, ohne die Aussage des 24-Jährigen wären die Ermittler nicht weiter gekommen. Im Urteil folgte das Schöffengericht unter Vorsitz von Torsten Meyer dem Antrag von Verteidiger Johannes Driendl, der Geldstrafen beantragt hatte.

90 Tagessätze zu je 30 Euro, also insgesamt 2700 Euro verhängte das Gericht. Das ist nicht alles, was der 24-Jährige berappen muss: Sein Mobiltelefon kann er abschreiben, weil er damit Drogenverkäufe organisierte, wird es ihm abgenommen.

775 Euro berechnete das Gericht als Profit, ein entsprechender Betrag wird von Bargeld abgezogen, das bei dem Mann beschlagnahmt worden war. Und: Er muss wohl eine Rückforderung der Krankenkasse für das medizinische Cannabis bezahlen.

 

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