Milchbauern halten nichts von Soforthilfe

Milch als Ramschware: Hiesige Landwirte leiden unter dem Preisverfall der Milch. Die zugesagten 100 Millionen Euro Soforthilfe bringt ihrer Meinung nach nichts.Foto: red

„100 Millionen Euro plus X“ Soforthilfe sollen die deutschen Milchbauern laut Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt bekommen. Viel zu wenig, finden hiesige Milchbauern. Sie wollen sich damit nicht abfinden.

Manfred Albersdörfer aus Welluck hält von den finanziellen Versprechen der Regierung nichts. „Dieses Geld wird verpuffen. Da wird uns Milchviehhaltern nicht geholfen sein“, sagt er. Albersdörfer ist Mitglied im Kreisteam Amberg-Sulzbach des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) und dort auch Landesdelegierter. In seinem Stall stehen 60 Milchkühe.

Milchgipfel in Berlin

Beim Milchgipfel in Berlin seien die wirklichen Probleme nicht angegangen worden. „Man muss die Ursache dieser Krise beseitigen“, meint er. Und diese Ursache ist seiner Meinung nach die große Menge der Milch, die produziert wird. Deshalb brauche es eine Mengensteuerung. Albersdörfer findet, dass die Bundesregierung mit der finanziellen Soforthilfe auf Zeit spielt. „Man wartet, dass sich der Markt von selbst wieder dreht.“

Riesiger Verlust

Doch damit sei den Milchbauern nicht geholfen. Dauerhaft helfe den Landwirten nur, wenn ihr Produkt wieder das Geld einbringt. Schon im vergangenen Jahr habe der Verlust der Milchviehhalter 3,1 Milliarden Euro betragen. Die 100 Millionen Euro scheinen da wie ein Tropfen auf den heißen Stein zu sein. Im süddeutschen Raum liegt der kostendeckende Milchpreis derzeit bei 44 Cent.

Konzept erarbeitet

Auch Christin Schwendner aus Gunzendorf ist im BDM–Kreisteam Amberg-Sulzbach aktiv. Sie ist mit dem Ergebnis des Milchgipfels ebenfalls unzufrieden. „Für mich ist das lachhaft“, sagt sie. Weil der Milchpreis ohne weiteres nicht erhöht werde, hat der BDM gemeinsam mit dem European Milk Board (EMB), einer Interessenvertretung für Milcherzeuger in Europa, ein Konzept erarbeitet. Dieses sieht vor, dass der Bauer einen Ausgleich bekommt, wenn er weniger Milch liefert. Derjenige, der viel liefert, kriegt dann im Schnitt weniger. Das Konzept greift laut Schwendner nur, wenn zu viel Milch auf dem Markt ist.

Keine Lösung für die Misere

Doch weil der Milchpreis so niedrig ist, seien die Landwirte gezwungen, entsprechend viel zu liefern. Deshalb bringe eine Soforthilfe wie die „100 Millionen Euro plus X“ nichts. „Wenn der Preis nicht raufgeht, können die jahrelang weiterzahlen“, so Schwendner. Sie glaubt, dass beim Milchgipfel bewusst keine Lösung für die Misere gefunden wurde.

Franz Kustner, Präsident des Bezirksverbandes Oberpfalz im Bayerischen Bauernverband (BBV), hofft auf das „plus X“. „Wir wissen ja noch nicht, was das plus X ist“, sagt Kustner. Die 100 Millionen Euro seien schon ein gewisser Ansatz, „aber um den Milchmarkt wieder auf die Beine zu bringen, brauche ich Maßnahmen, die auf den Export abzielen“. Damit meint er zum Beispiel, dass neue Märkte erschlossen werden. Diese Maßnahmen sollten dann unter „plus X“ dokumentiert werden.

Weitere Protestaktionen

Da die 100 Millionen Euro keinesfalls ausreichen, müssten zusätzliche Aussagen getroffen werden, was in Sachen Stabilität gemacht wird. Ziel müsse sein, die Milchpreise zu erhöhen. Und das gelinge nur, wenn die Landwirte dem Einzelhandel beweisen, dass sie nicht zu viele Produkte haben. „Wir müssen den Markt aufbauen, dann wird der Milchpreis nach oben ziehen“, so Kustner. Weniger produzieren, sei nur für Deutschland keine Option. Das müsse dann schon europaweit so umgesetzt werden.

Stattdessen müsse nachgedacht werden, welche Mechanismen es für Unternehmen gibt, Milch zu finanzieren. Dafür müsse der Staat Gelder springen lassen.

Die Milchbauern wollen sich mit dem Ergebnis des Gipfels nicht abfinden. Deshalb werden Protestaktionen folgen, sagt Albersdörfer. Gestern sind Bauern zu Molkereien nach Schwarzenfeld und Amberg gefahren, um eine Resolution abzugeben. „Wir kämpfen schon zehn Jahre für ein anderes System“, sagt Albersdörfer. Ziel sei es, dass Familienbetriebe von der Milchwirtschaft leben können. „Wir haben keine andere Wahl, was bleibt uns anderes übrig?“

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