Meinung Entlassmanagement in Kliniken: Übers Ziel hinausgeschossen

Kommen und Gehen am Eingang des Klinikums Bayreuth: Viele Patienten, die das Klinkum verlassen, brauchen danach noch Rezepte, Hilfsmittel oder Krankschreibungen. Das klappt nicht immer gleich gut. Foto: Archiv/Andreas Harbach

KOMMENTAR. Entlassmanagement – was für ein sperriger Begriff für einen Vorgang, der über die Gesundung von Krankenhauspatienten und den dauerhaften Erfolg ihrer Behandlung mitentscheiden kann. Und der jeden Menschen betreffen kann. Wenn nach einem Krankenhausaufenthalt zum Beispiel die korrekte Krankschreibung für den Arbeitgeber und die Krankenkasse vorliegen muss; wenn die Versorgung mit wichtigen Arzneien sichergestellt sein muss, bis ein niedergelassener Arzt ein Rezept ausstellen kann; wenn es darum geht, dass der Patient nicht allein und hilflos in seine Wohnung entlassen wird; oder darum, für so einen Patienten notfalls ein Pflegebett im Heim zu organisieren.

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Das und noch viel mehr muss ein Entlassmanagement leisten. Und zwar nicht erst, seit Krankenkassen, Krankenhausgesellschaft und Kassenärztliche Vereinigung vor gut einem Jahr einen Rahmenvertrag darüber abgeschlossen haben, sondern schon viel länger. Und es wurde auch geleistet, von Sozialdiensten im Klinikum Bayreuth und in anderen Städten.

Nur: Ohne Pannen lief das trotz aller Bemühungen vonseiten der Kliniken nicht immer, ist von Ärzten, Heimleitern und Mitarbeitern in Sozialstationen zu hören. Sei es, dass die Betreuung zu Hause nicht immer sichergestellt war, Rezepte und Arzneien gerade an Wochenenden fehlten, Hausärzte nicht rechtzeitig und ausreichend informiert waren. Um Versorgungslücken und mangelhafte Anschlussbehandlungen nach Klinikaufenthalten zu vermeiden, verlangte der Bundesgesetzgeber von Kliniken, Kassen und Kassenärzten 2015 eine Neuregelung.

Zu viel Papierkram

Dieser Vertrag, der erst nach langem Tauziehen und einem Schiedsspruch zustande kam, schießt aber deutlich über das Ziel hinaus. Er bürdet ohnehin überlasteten Klinik-Ärzten zusätzliche Bürokratie auf, ohne an irgendeiner Stelle für Ausgleich zu sorgen. Und die Patienten, die bei ihrer Einlieferung wahrlich an anderes als Papierkram denken, müssen auch noch mehrseitige Datenschutzerklärungen ausfüllen. Wer denkt sich denn so was aus?

15 Monate nach Inkrafttreten des Rahmenvertrages weiß zum Beispiel die AOK Bayern noch nicht, wie sie ihn umsetzen und ob sie Regressansprüche gegen Krankenhäuser geltend machen soll. All das lässt nur einen Schluss zu: Beim Thema Entlassmanagement kann das letzte Wort noch nicht gesprochen sein.

peter.rauscher@nordbayerischer-kurier.de

 

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