Medi-Team unter Druck Erster Sieg in Champions League fällig

Oostende s Nemanja Djurisic scores during the basketball match between BC Telenet Oostende and Okapi Aalstar, Saturday 03 November 2018 in Oostende, the sixth game of the EuroMillions League Belgian first division. JAMESxARTHURxGEKIERE PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY x05460880x

BASKETBALL. Raoul Korner ist nun mal kein Trainer, der jede Aussage mit diplomatischen Phrasen weichspült, um „Druck von der Mannschaft zu nehmen“ oder „weil die Saison noch lang ist“ oder dergleichen. „Wenn wir unsere Chance auf die nächste Runde am Leben erhalten wollen, müssen wir jetzt zuschlagen“, sagt der Coach von Medi Bayreuth statt dessen vor dem Heimspiel seiner Mannschaft in der Champions League am Mittwoch um 20 Uhr gegen BC Ostende.

Zusätzlichen Reiz bekommt die Begegnung dadurch, dass diese Ausgangslage für beide Rivalen gilt. Aufseiten der Bayreuther ist der Erfolgszwang offensichtlich, nachdem sie nach vier Spieltagen in der Gruppe D als einzige sieglose Mannschaft auf dem letzten Tabellenplatz stehen. Aber die Ausgangslage der Belgier ist nur unwesentlich besser. Zwar ist ihnen schon ein Sieg gelungen mit 91:89 gegen Neptunas Klaipeda aus Litauen, aber dafür haben sie schon drei Heimspiele hinter sich. Um ernsthaft in den Kampf um die vier Playoff-Plätze eingreifen zu können, werden sie also (genau wie das Medi-Team) wohl auch mindestens zweimal auswärts gewinnen müssen – und dafür war die Höhe ihrer Niederlage beim bislang einzigen Auftritt in einer fremden Halle keine sehr gute Empfehlung: 60:89 in Bologna.

Belgischer Meister in den letzten sieben Jahren

In den vergangenen beiden Jahren hat der BC Ostende die Playoffs der Champions League knapp verpasst. Mit jeweils 6:8 Siegen konnte er den internationalen Auftritt als Fünfter beziehungsweise Sechster der Gruppenphase aber immerhin im Europe Cup fortsetzen. Dort stand er 2017 im Halbfinale und scheiterte in der vergangenen Saison bereits im Achtelfinale.

Innerhalb Belgiens ist die Hafenstadt in Westflandern aber der beständige Mittelpunkt der Basketball-Welt. Seit 2012 hat der BC Ostende alle sieben Landesmeisterschaften gewonnen und in den letzten sechs Jahren noch zusätzlich den Pokal. Entsprechend regelmäßig trat der Club international in Erscheinung. „Bastian Doreth hat mit den Artland Dragons wiederholt gegen Ostende gespielt – und selten gewonnen“, berichtet Korner. Auch gegenwärtig liegt der Titelverteidiger mit 5:1 Siegen schon wieder allein an der Spitze. Eng verbunden mit dieser Erfolgsserie ist der bereits seit 2011 amtierende Trainer Dario Djergia. Der gebürtige Kroate hat seit September die belgische Staatsbürgerschaft und ist nun auch als Nationaltrainer tätig.

Ex-Bonner als Topscorer

Der in Deutschland bekannteste Spieler im Kader des belgischen Serienmeisters ist Nemanja Djurisic. Der 2,03 m große montenegrinische Center und Powerforward spielte in der vergangenen Saison für TB Bonn eine solide Rolle in der BBL (7,3 Punkte, 4,1 Rebounds). Beim BC Ostende ist er aktuell sogar der eindeutige Topscorer innerhalb der Champions League mit 14,5 Punkten pro Spiel und dazu auch noch der erfolgreichste Rebounder (5,3). Auf nationaler Ebene wird seine Punktausbeute (11,2) noch von den beiden Amerikanern im Team übertroffen, Guard T.J. Williams (13,0) und Flügelspieler Chase Fieler (12,8).

Überhaupt erscheint die Ausgeglichenheit als eine Stärke der im Schnitt recht großen Gäste (mit Guards um 1,95 m), zumal sie drei aktuelle Nationalspieler in den Reihen haben: Vincent Kasteloot (Forward), Jean-Marc Mwema (Forward) und Elias Lasisi (Shooting Guard). Auch das 20-jährige 2,10 m lange Eigengewächs Tim Lambrecht wurde schon für die belgische Auswahl nominiert. Diese Qualität kam beim Sieg gegen Klaipeda zum Tragen, als sechs Spieler zweistellig punkteten, aber keiner mit mehr als 14 Zählern. Andererseits wurde in Bologna eine herausragende Führungspersönlichkeit vermisst: Niemand sammelte mehr als magere zehn Punkte.

Eine Leitfigur sieht Raoul Korner hauptsächlich im 35-jährigen serbischen Spielmacher Dusan Djordjevic: „Der ist sehr erfahren und ein typischer Vertreter der Balkan-Schule.“ Damit meint der Bayreuther Trainer nicht nur die Sicherheit der Spielführung, sondern auch gewisse Eigenheiten wie einen Hang zur Schauspielerei oder Diskussionen mit den Schiedsrichtern. Ein Detail der taktischen Marschroute könne es daher durchaus sein, „Djordjevic auf die Nerven zu gehen“: „Wir müssen aggressiv und physisch spielen und durchaus auch schnell, denn ich denke, dass wir mit diesem Team gut mitlaufen können.“ In der Offensive gilt die Sorge des Trainers vor allem der Ballsicherheit: „Das ist kein Gegner, der grundsätzlich viel presst – aber wenn er unsere letzten Spiele gesehen hat, macht er das vielleicht.“

Das Medi-Aufgebot bleibt unverändert, also lässt Korner auch Steve Wachalski wegen dessen Rückenbeschwerden nochmals pausieren: „Lukas Meisner macht an seiner Stelle einen Superjob, da müssen wir nichts riskieren.“

 

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