Medi-Team nach 93:72 gegen Gotha Dritter

Als Bayreuther Topscorer zeichnete sich Gabe York (vorne links) aus, der seine 20 Punkte mit starker Trefferquote sammelte. Hier zog er an Filip Stanic (vorne rechts) vorbei. Foto: Peter Kolb

Am Ende war es doch kaum mehr als die Routineübung, die das Tabellenbild der Bundesliga erwarten ließ: Medi Bayreuth besiegte den an vorletzter Stelle liegenden Neuling Rockets Gotha am Sonntagabend vor 2905 Zuschauern in der Oberfrankenhalle mit 93:72 (50:39) und rückte dadurch auf den dritten Platz vor.

Allerdings wurden die Gastgeber dabei zumindest zeitweise doch stärker gefordert, als es der Endstand mit der deutlichsten Punktedifferenz des Spiels verrät. So trugen auch die Gäste einen guten Teil dazu bei, dass die Partie trotz ihrer gewissen Vorhersehbarkeit keineswegs unattraktiv war. Dabei war ihnen kurzfristig mit dem verletzten Ex-Bayreuther Ekene Ibekwe ihr stärkster Spieler auf den relativ dünn besetzten großen Positionen ausgefallen.

Und auch die Stimmung bei den Thüringern dürfte allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz nicht ganz unberührt davon geblieben sein, dass der Hauptsponsor des Vereins seinen ohnehin schon zum Saisonende verkündeten Ausstieg in diesen Tagen sogar schon auf das Jahresende vorgezogen hat. Der Spielbetrieb der laufenden Saison ist zwar angeblich gesichert, doch ansonsten ist nicht einmal der Vereinsname ab dem 1. Januar sicher. Vielleicht taucht dort dann auch offiziell Erfurt auf, wo der Neuling seine Heimspiele austrägt.

Schlagabtausch mit Dreier-Serien

Nachdem sich die Bayreuther mit einem 9:0-Lauf schon nach fünf Minuten auf 14:5 abgesetzt hatten, drohte unter diesen Vorzeichen eine einseitige Partie. Das Medi-Team kontrollierte zwar auch tatsächlich das Geschehen, selbst als in der 8. Minute die gesamte Startformation auf der Bank saß, aber von Dominanz konnte man nicht sprechen. Die Rockets nutzten jede Nachlässigkeit, um mit eigenen Akzenten das Spiel abwechslungsreich zu halten. Lediglich ihre Dreier-Quote war im ersten Viertel zu schwach (1/8), um ernsthaft gefährlich werden zu können.

Genau in diesem Punkt legten sie im zweiten Abschnitt aber eindrucksvoll zu. Ein extrem schwerer Dreier von Andreas Obst aus der Ecke zum 29:21-Zwischenstand (14.) eröffnete eine spektakuläre Phase, in der die Gäste innerhalb von 3:10 Minuten fünf Dreier ohne Fehlwurf verwandelten. Die Bayreuther hielten zwar mit 4/5 Dreiern fast in gleicher Weise dagegen, so dass sich der Abstand nicht wesentlich veränderte, aber ganz im Sinne von Medi-Coach Raoul Korner war diese Art des Schlagabtausches anscheinend nicht. Beim 41:32 wechselte er wieder seine Starter ein, und als dann trotzdem ein weiterer Distanzwurf von Sava Lesic auf nur noch sechs Punkte verkürzte, griff er zur Auszeit. Danach folgten dann 9:2 Punkte, die doch für einen soliden Pausenstand sorgten.

Fehlstart in die zweite Halbzeit

Dass es ohne Intensität nicht geht, zeigte auch noch einmal der Fehlstart in die zweite Hälfte. Auf zwei grobe Nachlässigkeiten reagierte Korner schon nach 30 Sekunden mit einer Auszeit, aber das konnte nicht verhindern, dass die Bayreuther 2:45 Minuten lang auf den ersten Punkt warten mussten und ihr Vorsprung dabei bis auf 50:47 schmolz. Aber auch das darf man letztlich als Beitrag zur Attraktivität des Spiels werten, denn dadurch war die Konzentration des Medi-Teams endgültig garantiert. Deutlich wurde das Ergebnis zwar erst durch den 14:4-Lauf in den letzten vier Minuten des dritten Viertels zum 73:57, aber ernsthaft in Gefahr wirkten die Bayreuther schon vorher nicht mehr. Das lag auch daran, dass sich das Dreier-Feuerwerk der Rockets als Strohfeuer erwies. Ihre Distanzwurf-Quote in der zweiten Hälfte: 0/11.

Daran konnte auch der wohl am meisten beobachtete Gästespieler nichts ändern: David Taylor zeichnete sich als sehr engagierter Verteidiger gegen die Bayreuther Guards aus, doch als Werfer blieb der in Bayreuth geborene Sohn von Derrick Taylor erfolglos (0/3 Dreier).

Einzelkritik (Von Florian Kirchner)

JAMES ROBINSON (0 Punkte / 23:52 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: 12 ): Er beschränkte sich zunächst auf Defensivaufgaben und seine Rolle als Ballverteiler (fünf Assists). Sehenswert: Sein Zuspiel aus über acht Metern auf den frei unter dem Brett wartenden Andreas Seiferth (12:5). Offensiv diesmal ohne Wirkung (0/3 Würfe).

John Cox (6 / 9:59 / 9): Der Bayreuther Teamsenior zeigte eine fehlerfreie Vorstellung: zwei Dreier ohne Fehlversuch, vier Assists, ein Rebound.

NATE LINHART (5 / 18:59 / 10): Er eröffnete die Korbjagd und traf einmal von der Dreierlinie, als bei seinen Nebenleuten gerade gar nichts gelingen wollte (24.); bester Rebounder (5).

Bastian Doreth (6 / 18:50 / 8): Der Kapitän präsentierte sich gewohnt kampfstark und engagiert. Er sorgte von der Dreierlinie für die erste zweistellige Führung (27:17/13.); vier Rebounds, zwei Assists.

ANDREAS SEIFERTH (13 / 24:37 / 10): Der Center drehte sein Punktekonto bereits in der 17. Minute in den zweistelligen Bereich und hatte bis dahin nur einen Fehlwurf (5/6), aber schon vier Assists auf dem Konto. Er profitierte davon, dass Gotha nach dem Ausfall von Ibekwe keinen adäquaten Gegenspieler für ihn parat hatte, um ihn in der Zone zu stoppen; Schlussbilanz: 6/8 Würfe, vier Rebounds.

Javon McCrea (3 / 9:55 / 10): Nach seiner Einwechslung für Seiferth wirkte er zunächst etwas orientierungslos in der Offensive; trat als Punktesammler nur an der Freiwurflinie in Erscheinung (3/4) und holte drei Rebounds.

Steve Wachalski (7 / 13:39 / 3): Er kam in der 8. Minute ins Spiel und führte sich gleich gut mit einem Dreier ein; insgesamt ein solider Auftritt des Routiniers: 2/4 Würfe, ein Rebound, ein Ballgewinn.

Robin Amaize (14 / 22:40 /15): Unter den Augen von Bundestrainer Henrik Rödl kam der Jungnationalspieler mit viel Engagement von der Bank, wirkte aber zunächst etwas übereifrig. Zwei Dreier zum 32:21 (14.) und 41:29 (16.) gaben dann Sicherheit; am Ende ein starker Auftritt mit 2/4 Dreiern, 1/2 Zweiern und 6/8 Freiwürfen, vier Rebounds, zwei Assists und einem Ballgewinn.

DE’MON BROOKS (17 /26:53 / 17): Der Power Forward präsentierte sich in bärenstarker Verfassung. Vor der Pause nutzte er zwei feine Anspiele Seiferths, nach dem Wechsel bot er dann einige sehenswerte Höhepunkte wie den Alley-Oop-Dunking zum 57:49 (24.) auf Zuspiel von York; 4/5 Zweier, 1/4 Dreier, 6/6 Freiwürfe, vier Rebounds.

GABE YORK (20 / 28:22 /8): Topscorer der Partie, bereits bei Halbzeit mit 13 Zählern (3/4 Dreier) und bärenstarker Quote (71 Prozent), am Ende mit 7/13 Würfen; drei Rebounds.

Marius Adler (2 / 2:41 / 3): Viel umjubelt war sein Treffer zum 91:70, bei dem er nur ganz knapp auf der Dreierlinie stand.

Statistik

Medi Bayreuth: Feldwurfquote: 30/52 (58 Prozent), davon 13/27 Dreier (48 Prozent): York (4/8), Cox (2/2), Doreth (2/2), Amaize (2/4), Linhart (1/2), Wachalski (1/2), Brooks (1/4); Freiwürfe: 20/25 (80 Prozent); Rebounds: 30 defensiv, 4 offensiv (Linhart 5/0); Ballgewinne: 6; Ballverluste: 11 (Robinson 3); Assists: 25 (Brooks 5, Robinson 5; Effektivität: 120 (Brooks 21, York 19, Seiferth 18).

Rockets Gotha: OBASOHAN (8 Punkte / 26:53 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: -16), Taylor (0 / 11:15 / 1), Schmidt (4 / 19:40 / -9), Wimberg (0 / 23:38 / -18), RICHTER (12 / 21:07 / -5), Kullamäe (4 / 12:47 / -9), LESIC (18 / 17:14 / -4), OBST (8 / 21:25 / -13), MITCHELL (11 / 24:01 / -17), Dizdarevic (1 / 6:25 / -6), Stanic (6 / 15:35 / -9); Feldwurfquote: 27/59 (46 Prozent), davon 6/28 Dreier (21 Prozent): Lesic (2/4), Obst (2/8), Schmidt (1/2), Richter (1/2); Freiwürfe: 12/18 (67 Prozent); Rebounds: 20 defensiv, 4 offensiv (Obasohan 7/0); Ballgewinne: 5; Ballverluste: 10 (Mitchell 3); Assists: 19 (Schmidt 6); Effektivität: 73 (Lesic 19, Obasohan 14, Richter 14).

SR: Krause, Barth, Fritschmuth;

Stationen: 14:5 (6.), 19:13 (9.), 22:15 (1. Viertel), 29:18 (13.), 38:26 (15.), 41:35 (17.), 50:39 (Halbzeit), 50:47 (23.), 59:53 (26.), 73:57 (3. Viertel), 88:67 (37.), 93:72 (Ende).

Stimmen zum Spiel

Raoul Korner (Trainer Bayreuth): „Ich bin froh, dass wir das Spiel mit dem notwendigen Fokus bestritten haben. Wir haben jedes Viertel gewonnen. Das zeigt, dass wir den Fokuslevel halten konnten. Wir haben auch gesehen, dass wir gehen ein gut funktionierendes Team spielen. In dem Moment, als wir auch nur ganz wenig nachgelassen haben, haben wir sofort die Rechnung präsentiert bekommen. Daher war ich letztendlich sehr froh darüber, dass wir immer wieder einen Zugriff auf das Spiel bekommen haben. Ich kann meinem Kollegen nur wünschen, dass ihre Verletztenmisere abreißt und sie in der personellen Zusammensetzung arbeiten, die sie sich wünschen. Dann kann in Erfurt etwas sehr gutes und schönes heranwachsen.“

Ivan Pavic (Trainer Gotha): „Seitdem Coach Korner in Bayreuth übernommen hat, wird hier sensationelle Arbeit geleistet. Es werden kaum Fehler in der Teamzusammenstellung gemacht, sie haben großartigen Teambasketball gezeigt. Zu jedem Zeitpunkt haben sie höchste Konstanz geboten, sowohl offensiv als auch defensiv. Jeder Spieler weiß, was er zu tun hat. Darum war es ein verdienter Sieg.“

Andreas Seiferth (Center Bayreuth): „Gerade als die Rockets im zweiten Viertel richtig heiß gelaufen sind, haben wir sie wohl ein wenig unterschätzt. Auch zu Beginn der zweiten Halbzeit haben wir zu wenig Druck gemacht, aber dann haben wir das Spiel doch gut kontrolliert. Am Ende ein Ergebnis mit 20 Punkten Unterschied – das ist in Ordnung. Wir wollen uns aber nicht darauf verlassen, dass wir bei Bedarf noch etwas zulegen können. Gegen Mannschaften aus unserer Tabellenregion reicht das nicht.“

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