Medi-Team kann Playoff-Einzug sichern

Vor einer Woche maßen sich die Bayreuther in Berlin noch mit einigen der besten BBL-Spieler auf ihren Positionen, wie hier Trey Lewis (rechts) gegen Dragan Milosavljevic. Nun muss die Umstellung auf den Tabellenletzten gelingen. Foto: Peter Kolb

Auf den ersten Blick erscheint es als Routineübung, wenn Medi Bayreuth am Samstag um 18 Uhr das abgeschlagene Bundesliga-Schlusslicht SC Rasta Vechta in der Oberfrankenhalle zu Gast hat. Doch die Begegnung hat eine geradezu historische Dimension: Sie könnte die letzten Zweifel daran ausräumen, dass sich erstmals seit 21 Jahren wieder eine Bayreuther Mannschaft für die Playoffs qualifiziert.

Der 19. Saisonsieg würde den Platz unter den acht Playoff-Teilnehmern bereits endgültig absichern, wenn gleichzeitig die Gießen 46ers in Braunschweig verlieren. Doch selbst ohne diese Schützenhilfe bliebe danach nur noch eine rechnerische Variante übrig, die den Tabellenvierten am Ende bis auf Platz neun zurückwerfen könnte: Dafür müsste nicht nur das Medi-Team sämtliche folgenden sechs Saisonspiele verlieren und die Gießener gleichzeitig alle gewinnen, sondern die Hessen müssten dabei auch am 22. April in Bayreuth mit mehr als 18 Punkten Differenz siegen, um im direkten Vergleich die 82:100-Heimniederlage aus dem Hinspiel wettzumachen.

Letztes Bayreuther Playoff-Spiel in Saison 1995/96

Wie lange man am traditionsreichen Standort Bayreuth schon auf eine Playoff-Teilnahme wartet, ist Medi-Trainer Raoul Korner bewusst: „Damals bin ich noch als Spieler herumgehüpft“, sagt er lachend bei der Erinnerung an die bis heute letzten Endrundenspiele unter dem Vereinsnamen Steiner in der Saison 1995/96 (1:3 gegen Alba Berlin). „Mittlerweile haben wir zwar unser Zwischenziel nach oben korrigiert und wollen den vierten Platz verteidigen, aber die Chance, die Playoff-Teilnahme auch rechnerisch abzusichern, ist natürlich schon ein schöner Nebeneffekt.“

Trainer Korner warnt vor "zweitem Braunschweig"

Darauf will der Coach sein Team auch ausdrücklich einstimmen, denn die Ausgangslage bereitet ihm auch ein paar Sorgen. Schließlich sei die Gefahr „riesengroß“, eine Woche nach dem spektakulären Spiel beim Tabellennachbarn Alba Berlin (76:77) mit dem wichtigen Gesamterfolg im direkten Vergleich nicht die richtige Einstellung zum Tabellenletzten zu finden. „Dazu kommt, dass wir mit vielen Wehwehchen an allen Ecken und Enden der Mannschaft zu kämpfen haben“, sagt Korner. Zwar drohe aktuell niemand auszufallen, aber die eine oder andere Trainingspause habe man verordnen müssen: „Wenn man ohnehin nicht hundertprozentig fit ist und dann noch irgendwo im Hinterkopf die Aufgabe unterschätzt, dann kann das sehr schnell nach hinten losgehen.“ Diese Erfahrung habe seine Mannschaft gemacht, als sie unter ähnlichen Vorzeichen beim Tabellenvorletzten in Braunschweig mit 63:82 die bisher einzige herbe Enttäuschung der Saison erlebte: „Es gilt, ein zweites Braunschweig zu verhindern“, mahnt der Medi-Coach, der aber auch den offensichtlichen Unterschied zu diesem Ausrutscher betont: „Diesmal haben wir unsere Zuschauer hinter uns.“

Am Kampfgeist des Gegners zweifelt Korner jedenfalls nicht, auch wenn das Schlusslicht schon drei Siege mehr benötigt als Braunschweig, um den letzten Platz noch verlassen zu können: „Um sich zu retten, benötigen sie jetzt auch große Siege, und dabei wächst der Zeitdruck.“ Ihr Potenzial bewiesen die Gäste vor zwei Wochen mit einem 89:76-Sieg gegen Oldenburg. Allzu oft hatte es für das unstrittig talentierte und routinierte Team des Aufsteigers jedoch nur zu respektablen Ergebnissen gereicht, wie eine Woche zuvor beim Spitzenreiter Ulm (70:75): „Nach der Papierform ist das kein Tabellenletzter“, sagt Raoul Korner. „Aber wenn es immer nach der Papierform ginge, wären wir auch nicht Vierter.“

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