Medi-Team hat Gießen 46ers zu Gast

Ruhender Pol: Wenn das bevorzugte schnelle Spiel der Gießener nicht zum Tragen kommt, dann wird der erfahrene Center-Riese John Bryant (rechts) zum wesentlichen Faktor. Foto: Imago

Einen der am schwersten einzuschätzenden Gegner hat Medi Bayreuth am siebten Spieltag der Bundesliga zu Gast. Die Gießen 46ers, die sich am Sonntag um 17.30 Uhr in der Oberfrankenhalle vorstellen, erzielten bislang einige der widersprüchlichsten Ergebnisse der Saison.

Nach den ersten drei Spieltagen hat man wohl nicht mit starkem Widerspruch rechnen müssen, wenn man den Tabellenneunten der vergangenen beiden Spielzeiten zu den Abstiegskandidaten gezählt hat. Nachdem zum Auftakt der Titelfavorit Bayern München in Gießen mit 87:53 einen Klassenunterschied aufgezeigt hatte, gelang den 46ers zwar in Bamberg mit 84:87 ein respektables Ergebnis, aber das ließ sich auch mit den offensichtlichen Anlaufschwierigkeiten im neu formierten Team des Meisters erklären. Ernsthafte Zweifel an der Konkurrenzfähigkeit der Gießener durfte man schließlich bekommen, als sie gegen ein Rumpfteam des Neulings Rockets Gotha in heimischer Halle mit 71:96 unterlagen und dabei in keiner Phase auch nur den Ansatz einer Siegchance hatten.

Umso verblüffender war dann nur fünf Tage später der erste Sieg: 83:81 bei den Riesen Ludwigsburg, für die das bisher die einzige Niederlage markiert. Die folgende Aufgabe gegen die Eisbären Bremerhaven wurde sicher mit 89:73 gelöst, und der letzte 110:98-Erfolg in einem Offensivspektakel gegen die Tigers Tübingen (62:65 bei Halbzeit!) hatte sogar einiges an spielerischem Glanz zu bieten.

Raoul Korner: "Das ist wie Hagen reloaded"

Der tendenzielle Anstieg, der sich trotz der großen Ausschläge in der Formkurve der Gießener abzeichnet, deutet auf eine Findungsphase der weitgehend neu formierten Mannschaft hin. Raoul Korner erklärt die Schwankungen zudem mit der speziellen Spielweise: „Das ist wie Hagen reloaded“, sagt der Medi-Trainer über den Stil, den sein Kollege Ingo Freyer nach erfolgreichen Jahren bei den Westfalen (bis zu deren Insolvenz) nun auch bei den Hessen anstrebt. „Die feuern aus allen Lagen, und wenn sie treffen, kann es für jeden Gegner haarig werden.“ Bestes Beispiel dafür sei der Sieg in Ludwigsburg gewesen: „Die Riesen sind ja bekannt für eine griffige Defensive. Aber wenn der Gegner dann auch die Würfe aus acht oder neun Metern verwandelt, hilft das alles nichts.“

Center-Riese John Bryant "ein Kontrapunkt"

Mancher Beobachter fragte sich allerdings zu Saisonbeginn, wie John Bryant in dieses Konzept passt. So spektakulär die Verpflichtung eines zweimaligen MVP (wertvollster Spieler der Liga) für ein Team aus dem Mittelfeld auch sein mag – extrem hohes Tempo gehörte noch nie zur Kernkompetenz des 127 kg schweren 2,11-m-Centers. „Er setzt einen Kontrapunkt“, erklärt Korner. „Wenn die Gießener ins Halbfeldspiel gezwungen werden, dann spielen sie viel über Bryant. Und das heißt nicht nur, dass sie etwas für ihn kreieren, sondern er kreiert auch seinerseits, weil er mit seinen Pässen die Werfer von außen gut findet.“

Vor den Tücken des Spiels wird der Bayreuther Coach seine Mannschaft kaum warnen müssen. Schließlich sind zuletzt zwischen den drei Erfolgen in der Champions League die Bundesligaspiele gegen Jena (75:88) und in Frankfurt (68:72) verloren gegangen. „Mit der Einstellung hat das nichts zu tun“, betont Korner. „In Frankfurt hat am Anfang die Intensität gefehlt, das ist richtig. Aber hauptsächlich war es wie gegen Jena: Der Ball ging einfach nicht rein.“ Das Erspielen hochprozentiger Würfe sei dagegen nie das große Problem gewesen: „In Ljubljana hat man jetzt wieder gesehen, wie viel einfacher alles wird, wenn man trifft.“ Unter dieser Voraussetzung würde er sogar den offenen Schlagabtausch nicht scheuen, den die Gießener bevorzugen: „Wenn es am Ende 110:98 für uns steht, habe ich nichts dagegen.“

Einsatz des angeschlagenen Robin Amaize fraglich

Getrübt wurde die Freude über den 90:77-Sieg in Slowenien durch eine Verletzung von Robin Amaize. Der agile Aufbau- und Flügelspieler, der gerade in einem schnellen Spiel ein wertvoller Faktor sein könnte, war umgeknickt und konnte danach nicht mehr eingesetzt werden. Ob er nur vier Tage später schon wieder mitwirken kann, müssen weitere Untersuchungen klären.

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