Medi-Team erwartet Spitzenreiter FC Bayern

So jubelten die Bayreuther – damals noch mit Trey Lewis (Mitte) – nach dem 74:72-Sieg gegen Bayern München in der vergangenen Saison. Eine Wiederholung wäre nun noch überraschender. Foto: Peter Kolb

„Es spricht nicht viel für uns“, gibt Raoul Korner vor dem Aufeinandertreffen mit dem in dieser Saison scheinbar übermächtigen FC Bayern München am Freitag um 20.30 Uhr in der Oberfrankenhalle zu, obwohl sich seine Mannschaft als Tabellenfünfter der Bundesliga nicht zu verstecken braucht. „Außer vielleicht der Heimvorteil“, verbreitet der Trainer von Medi Bayreuth dann aber doch ein wenig Hoffnung.

Anlass zum Pessimismus gibt, dass die Bayern sowohl auf nationaler Ebene als auch im Eurocup dominieren. Da sie im zweitwichtigsten europäischen Wettbewerb nach der Euroleague neun der bisherigen zehn Spiele gewonnen haben und längst für die zweite Gruppenphase qualifiziert sind, stehen zusammen mit den zehn aufeinanderfolgenden Bundesligasiegen insgesamt 18 Erfolge in Serie zu Buche. Ihre einzige Niederlage mussten die Münchner am 13. Oktober gegen ihren Ex-Trainer Dirk Bauermann hinnehmen, der mit Würzburg 84:76 in der bayerischen Landeshauptstadt gewann.

Kaum Zeit zur Vorbereitung

Zudem haben die Bayreuther neben der Auswärtsfahrt nach Straßburg den Nachteil, dass sie am Mittwoch spielen mussten, während die Bayern nach dem 85:82 gegen Podgorica einen Tag länger zur Regeneration und Vorbereitung hatten. „Wir sind um vier Uhr früh heimgekommen und müssen schauen, wie es mit den Energiereserven aussieht“, sagt Korner. Von einer Wiedergutmachung des 47:78-Debakels in Ludwigsburg will er nicht sprechen („Wir haben das Spiel verloren und Ende“), das 82:77 beim französischen Vizemeister sei aber „ein großer Schritt“ gewesen. „Wir haben das Spiel zu Beginn kontrolliert. Und als es knapp wurde, haben wir die Nerven behalten.“

München sei allerdings noch einmal ein anderes Kaliber. Ein Jahr später (2011) als Bayreuth in die Bundesliga zurückgekehrt, mischten die Bayern aufgrund ihrer finanziellen Mittel von Anfang an vorne mit und wurden 2014 Deutscher Meister. Ansonsten scheiterten sie aber in den Playoffs immer wieder an Bamberg. In dieser Saison schwächelt der amtierende Titelträger jedoch – im Gegensatz zu den Bayern. „Sie sind die stärkste Mannschaft, extrem tief besetzt“, weiß Korner.

Das zeigt auch die Verteilung der Einsatzzeit durch Trainer Aleksandar Djordjevic. Während BBL-Rekordspieler Alex King eine kleinere Rolle spielt, steht Reggie Redding mit durchschnittlich 24:32 Minuten noch am längsten auf dem Feld. Fünf Spieler punkten im Schnitt zweistellig.

Da machte es auch nichts aus, dass mit Vladimir Lucic (Mittelfußbruch) und Stefan Jovic, der beim eindrucksvollen 91:71-Sieg im Spitzenspiel gegen Ludwigsburg nach wenigen Minuten ebenfalls wegen einer Fußverletzung passen musste, zuletzt zwei laut Korner wichtige Spieler fehlten. „Da ist kein Qualitätsabfall zu spüren.“ Bei der diesjährigen Europameisterschaft unterlagen Lucic und Jovic gemeinsam mit dem ebenfalls in Münchner Diensten stehenden Milan Macvan im Finale dem Überraschungsteam Slowenien mit 85:93. Trainer der serbischen Nationalmannschaft: Aleksandar Djordjevic.

Überraschungssieg in der vergangenen Saison

Aber auch vor dem Heimspiel in der vergangenen Saison sprach die Bilanz mit elf Niederlagen klar gegen Bayreuth. Ohne den verletzten Andreas Seiferth gelang nach einem 17-Punkte-Rückstand Mitte des dritten Viertels dank eines starken Schlussabschnitts (22:9) und Nervenstärke an der Freiwurflinie dann jedoch mit 74:72 der erste Sieg. Topscorer war mit 18 Punkten Assem Marei. „Jeder erinnert sich gern daran. Es war eines der besten Spiele und eines der vielen Highlights“, sagt Raoul Korner. Und auch in einem Testspiel vor dieser Saison war seine Mannschaft mit 99:82 erfolgreich. „Wir gehen mit dem Wissen in die Partie, dass eine Chance da ist. Jeder muss aber an der Leistungsgrenze operieren.“

Am zweiten Weihnachtsfeiertag in Braunschweig

Mit Weihnachten feiern wird es für Bundesligist Medi Bayreuth wohl nicht viel. Denn nach dem Duell mit Bayern München steht am kommenden Dienstag um 15 Uhr bei den Löwen Braunschweig schon das nächste Spiel an. „Da ist nicht viel frei. Am 24. trainieren wir am Vormittag, am 25. geht es dann früh nach Braunschweig“, sagt Trainer Raoul Korner zum straffen Zeitplan.

Die Aufgabe bei seinem Ex-Klub steht fast im kompletten Gegensatz zur heutigen gegen den Spitzenreiter. Nach verschiedenen Stationen in seinem Heimatland Österreich und bei Den Bosch in den Niederlanden waren die damals noch als Phantoms spielenden Braunschweiger vor vier Jahren für Korner die erste Station in Deutschland. In der ersten Saison schaffte der jetzt 43-Jährige gerade so den Klassenerhalt, in der zweiten verpasste er nur aufgrund des direkten Vergleichs die Playoffs, und auch in der dritten scheiterte er nur knapp. Es folgte der Wechsel mit Co-Trainer Lars Masell nach Bayreuth, wo als Tabellenvierter auf Anhieb der Sprung ins Viertelfinale gelang, während es mit den Braunschweigern mit begrenzten Geldmitteln unter dem ehemaligen Bundestrainer Frank Menz wieder abwärts ging. Derzeit haben sie sechs Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz.

Verbindungen zu den Löwen hat Korner noch einige. „Der damalige Geschäftsführer ist zwar nicht mehr da, und auch die Mannschaft hat sich verändert, aber ich kenne noch Leute aus dem Backoffice“, freut er sich auf das Wiedersehen mit den Mitarbeitern und den Fans. Zudem vermittelte Korner den Löwen seinen Landsmann Thomas Klepeisz. „So groß ist die Basketballlandschaft in Österreich nicht, dass ich ihn nicht kennen würde. Ich schätze ihn sehr als Typ. Er ist ein harter Arbeiter und gefährlicher Werfer. Das Gesamtpaket ist so wichtig“, beschreibt er den Spielmacher.

Die gesamte Mannschaft des Gegners schätzt Korner trotz des Tabellenstandes als „brandgefährlich“ ein. „Sie haben einige Siege geholt, die von der Papierform nicht auf der Rechnung waren.“ Zuletzt gab es beim Mitteldeutschen BC (78:84) und gegen die stark ersatzgeschwächten Gießen 46ers aber wieder Rückschläge. Bei der 85:96-Heimniederlage bekamen die Braunschweiger Center John Bryant (27 Punkte, 16 Rebounds, acht Assists) nicht in den Griff.

„Gegen ihn haben schon einige schlecht ausgeschaut. Wir werden es auch mit entsprechender Physis probieren, einen Bryant haben wir aber nicht“, weiß Korner, der sein Team zudem ganz sicher an die vergangene Saison erinnern wird. Nach einem 96:48-Heimsieg verloren die Bayreuther in Braunschweig 63:82. „Das war unser schlechtestes Spiel!“

 

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