Medi Bayreuth gegen Ersten unter Zugzwang

Ein Europameister spielt als Center bei Banvit Bandirma: Gasper Vidmar (rechts) stand sogar in der Startformation, als Slowenien vor vier Monaten in Istanbul das EM-Finale gegen Serbien (links Ognjen Kuzmic) gewann. Foto: Imago

Vier Spieltage vor Abschluss der Vorrunde spitzt sich die Spannung in der Champions League zu. Das gilt insbesondere in der ausgeglichenen Gruppe C mit Bayreuther Beteiligung, in der noch immer sieben der acht Mannschaften für einen der ersten vier Plätze und damit die Teilnahme an den Playoffs in Frage kommen. Medi Bayreuth ist dabei durch die unerwartete 78:79-Heimniederlage in der Vorwoche gegen Olimpija Ljubljana in Zugzwang geraten und erwartet nun heute um 20 Uhr ausgerechnet Spitzenreiter Banvit Bandirma in der Oberfrankenhalle.

Den Bayreuthern sowie ihren punktgleichen Tabellennachbarn Estudiantes Madrid und Reyer Venedig auf den Plätzen zwei bis vier (alle 6:4 Siege) droht dabei nicht nur Gefahr vom Fünften AEK Athen und Sechsten SIG Straßburg (jeweils 5:5), sondern auch vom wiedererstarkten Ljubljana (4:6). Auch der heutige Gast aus der Türkei (7:3) darf sich trotz der Tabellenführung alles andere als in Sicherheit wiegen.

Zusätzlichen Druck spürt Medi-Trainer Raoul Korner aber kaum: „Sicher würde es sich nach einem Sieg etwas leichter spielen. Aber auch so gilt: Ein Sieg bringt uns den Playoffs näher. Daran hat sich im Grunde nichts geändert.“ Zudem habe auch der Tabellenführer als Gegner keine Sonderstellung: „Wir müssen in dieser Liga immer über uns hinauswachsen.“

Bandirma kommt mit der Empfehlung von acht Siegen in Folge in der nationalen Liga BSL und der Champions League. Die letzte Niederlage datiert vom 10. Dezember in der BSL gegen Istanbul BBSK (69:72). Besonders beeindruckend waren zwei deutliche Auswärtserfolge in Istanbul: 99:77 bei Euroleague-Teilnehmer Anadolu Efes und 91:72 bei Eurocup-Achtelfinalist Galatasaray. Am Samstag schickte der Tabellensechste den Zwölften Pinar Karsiyaka – in der Champions League Gruppengegner der Baskets Oldenburg – mit 84:65 auf die Heimreise.

Anscheinend hat Trainer Sasa Filipovski, ein 43 Jahre alter Slowene, wieder ein ähnlich schlagkräftiges Ensemble geformt wie in der Vorsaison, als Banvit den türkischen Pokal gewann (75:66 im Finale gegen Anadolu Efes) und sich in der Champions League erst im Endspiel dem Gastgeber Iberostar Teneriffa knapp mit 59:63 geschlagen geben musste. Der Kader des vom gleichnamigen Nahrungsmittelhersteller finanzierten Klubs kann sich sehen lassen. Stars sind der slowenische Europameister Gasper Vidmar (30) und der Amerikaner Adonis Thomas (24). Der 2,12 Meter lange Centerspieler Vidmar ist in der Champions League bester Rebounder (6,7 pro Spiel) und zweitbester Korbschütze (12,9) seines Teams. Ähnliche Werte kann Flügelspieler Thomas vorweisen (14,3 Punkte und 4,9 Rebounds), der 2013/14 sechs NBA-Spiele für Orlando Magic und Philadelphia 76ers absolvierte.

Kader mit viel Qualität

Die Startformation komplettieren in der Regel US-Spielmacher Tony Taylor (27 Jahre), der in zahlreichen Länderspielen mit der polnischen Nationalmannschaft gestählte Power Forward Damian Kulig (30) und mit US-Forward Angelo Caloiaro (28) ein ehemaliger Profi des Mitteldeutschen BC und der Telekom Baskets Bonn. Einen starken Eindruck in der Bundesliga hat während seines Engagements bei den Skyliners Frankfurt auch der kanadische Nationalspieler und Distanzwurfspezialist Andrew Rautins hinterlassen. Zu Saisonbeginn gehörte mit Jake Odum sogar ein ehemaliger Bayreuther (Saison 2015/16) zum Aufgebot. Der US-Spielmacher ist inzwischen ins russische Nishni Novgorod weitergezogen. „Da gibt es viel Qualität in einer anderen Preisklasse als bei uns“, fasst Korner den Banvit-Kader zusammen.

Das Hinspiel Anfang November gewann Bandirma 85:74. Beste Korbschützen waren damals Thomas (23 Punkte) bei Banvit und De’Mon Brooks (26) bei Medi. Übermächtig wirkten die Türken aber schon damals nicht, denn die Bayreuther konnten auch ohne die verletzten Assem Marei und Robin Amaize sowie noch ohne den nachverpflichteten Marei-Stellvertreter Javon McCrea bis zur 32. Minute eine Führung (62:60) behaupten. „Danach ging uns der Saft aus, und damit ließ die Konzentration nach“, erklärt Korner. „Deswegen haben wir am Ende ein paar Fehler gemacht.“

Den entscheidenden Faktor, um den letztjährigen Finalisten diesmal 40 Minuten lang in Schwierigkeiten bringen zu können, sieht Korner auf den großen Positionen: „Der Schlüssel liegt unter dem Korb in den Duellen mit den physisch starken Big Men.“ Allerdings haben die Gäste auch ein ebenso starkes Gegengewicht: „Rautins kann mit seiner Treffsicherheit von außen das Spiel extrem weit machen.“

Dass man den Tabellenführer aber trotz allem aus dem Konzept bringen kann, hat sogar schon das ansonsten sieglose Schlusslicht Rosa Radom bewiesen: In einem kuriosen Spiel gewannen die Polen gegen Bandirma mit 49:48.

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