Medi Bayreuth besiegt Bamberg mit 85:75

Am Ende lief Gabe York (links) heiß: Mit drei verwandelten Dreiern in den Schlussminuten bescherte der Medi-Guard seinem Team einen vorentscheidenden Vorsprung. Hier nimmt er es mit Bambergs Daniel Hackett auf. Foto: Peter Kolb

Ohne Übertreibung darf man von einem Sieg mit historischer Dimension sprechen: 21 Jahre nach dem letzten Erfolg einer Bayreuther Bundesliga-Mannschaft gegen eine Bamberger hat es Medi Bayreuth geschafft, die Siegesserie der Domstädter zu brechen. Dies gelang der Mannschaft von Trainer Raoul Korner mit 85:75 (38:36) auch noch überaus eindrucksvoll. Dieser erste Sieg im 18. Aufeinandertreffen seit dem Wiederaufstieg 2010 hatte den wertvollen Nebeneffekt, dass die Bayreuther der Pokal-Qualifikation einen großen Schritt näher rückten.

Der Bedeutung dieses historischen Derbysiegs angemessen blickte in fassungsloser Medi-Kapitän Bastian Doreth nach Spielschluss auf „ein absolutes Wahnsinnsspiel“ zurück. Etwas differenzierter betrachtet kam man bei der Fahndung nach den Ursachen dieses am Ende recht deutlichen Erfolgs an zwei herausragenden Individualisten nicht vorbei. Aber der Reihe nach ...

Die Bayreuther hatten anfangs enorme Probleme. Teils war es ihrer Nervosität geschuldet, teils der starken Defensive des Meisters, dass weder ihre Würfe fielen, noch die Rebounds in ihren Händen landeten. Hohes Tempo ins Spiel zu bringen, mit großer Aggressivität zu starten – genau diese von Raoul Korner geforderten Tugenden zeigten nicht die Medi-Akteure, sondern die Bamberger. Mit variabler Wurfauswahl und guten Trefferquoten zogen sie bis zur sechsten Minute auf 12:3 davon. Die 21:9-Führung, die sich die Bamberger dann dank eines starken Daniel Hackett (6 Punkte) und der guten Arbeit von Dejan Musli (4) unter den Körben herausgearbeitet hatten, war so verdient wie beeindruckend.

John Cox im Alleingang

Noch beeindruckender aber war es in der Folge, wie sich die Bayreuther zurückkämpften. Die Aufholjagd des Medi-Teams trug einen Namen: John Cox. Der 36-jährige Venezolaner, sonst wertvoller Ergänzungsspieler, avancierte zum Got-to-Guy. Der Team-Senior schulterte die Last des zweistelligen Rückstands fast im Alleingang. Seine 14 Punkte innerhalb von knapp fünf Minuten brachten das Bayreuther Team auf 28:29 (17.) heran und das Momentum auf die Seite der Heimmannschaft. „Dabei ist es doch nur mein Job, hereinzukommen und produktiv zu sein“, gab Cox anschließend in aller Bescheidenheit zu Protokoll. Seine Produktivität war aber so groß, dass die Bamberger nun komplett den Faden verloren oder – wie es Nationalspieler Patrick Heckmann ausdrückte: „Diese 14 Punkte von Cox haben uns das Genick gebrochen.“ Medi ging in nun kochender Halle mit einer 38:36-Führung in die Halbzeit, da auch Gabe York seine Treffsicherheit mit sechs Punkten am Viertelende wiedergefunden hatte.

So unterschiedlich die ersten beiden Abschnitte waren, so ausgeglichen verlief der dritte. Zwischen der 24. und 28. Minute gelang es keinem Team, sich auf mehr als zwei Punkte davonzustehlen. Erst ein erfolgreicher Dreier von James Robinson (29.) brachte die Bayreuther beim 59:54 mit fünf Zählern in Front.

Dass sich die Bamberger nicht so leicht würden abschütteln lassen, belegte Ricky Hickmans erfolgreicher Dreier zum 61:58 am Anfang des Schlussabschnitts. Und in der Tat schien sich das Blatt noch einmal zu Gunsten der Gäste zu wenden, als der pfeilschnelle Maodo Lo die Führung mit zwei erfolgreichen Korblegern zum 68:66 (36.) zurückerobert hatte.

Überragender Gabe York

Das Medi-Team reagierte nun, getragen von einer frenetischen Oberfrankenhalle, mit einer Mischung aus Cleverness, unbändigem Siegeswillen und individueller Klasse. In den letzten vier Minuten übernahm Gabe York das Zepter. Mit seinem dritten verwandelten Dreier innerhalb von nur 2:20 Minuten brachte er seine Mannschaft bei einer Restspielzeit von 1:44 Minuten mit 79:70 vorentscheidend in Front und bescherte seinem nun entfesselten Team damit sogar noch eine relativ entspannte Schlussphase und die Gelegenheit, den Rausch in vollen Zügen auszukosten.

DIE EINZELKRITIK

JAMES ROBINSON (10 Punkte / 23:15 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: -4): Nach relativ unauffälliger erster Halbzeit (zwei Punkte, zwei Assists) mehr und mehr ein Leistungsträger mit guten Entscheidungen und minimaler Fehlerquote (1/2 Zweier, 1/3 Dreier, 5/5 Freiwürfe, sechs Assists, kein Ballverlust).

John Cox (14 / 16:54 / 19): Sein Impuls von der Bank war entscheidend für die Aufholjagd im zweiten Viertel: Vom 9:24 zum 28:29 sammelte er allein 14 Punkte innerhalb von 4:20 Minuten ohne Fehlwurf aus dem Feld (4/4 Zweier, 2/2); defensiv stabil gegen Zisis und Hickman – einer der Matchwinner.

NATE LINHART (2 / 20:59 / -6): Solider, aber nicht herausragender Beitrag zur starken Teamleistung: 1/4 Würfe, drei Rebounds, drei Ballgewinne.

Bastian Doreth (7 / 16:45 / 14): Zum großen Teil unter seiner Regie gelang die tief greifende Wende im zweiten Viertel; nicht nur eifrig in der Defensive und solide im Aufbau, sondern auch im Abschluss gefährlich; 2/3 Zweier, 1/1 Dreier, drei Assists.

ANDREAS SEIFERTH (4 / 11:46 / -4): Das zweite Foul nach 2:27 Minuten verbannte ihn für den gesamten Rest der ersten Halbzeit auf die Bank; gegen Ende aber noch eine wertvolle Alternative; 2/4 Würfe, ein Rebound.

Steve Wachalski (0 / 16:05 / 11): Sein ungeschicktes unsportliches Foul an Wright, das den Bambergern vier Punkte zum 66:66 ermöglichte (34.) hätte böse Folgen haben können; mit schweren Defensivaufgaben zu ausgelastet, um Akzente setzen zu können.

Robin Amaize (4 / 13:46 / 4): Konsequent bemüht, das Tempo hoch zu halten und den Korb zu attackieren; zusammen mit Cox ließ er Staiger defensiv so schlecht aussehen, dass der Scharfschütze auf der Bank blieb.

DE’MON BROOKS (11 / 27:30 / -1): Sein Dreier zum Endstand sicherte ein Double-Double (zehn Rebounds) und krönte eine starke zweite Halbzeit mit vielen wichtigen Beiträgen von der zeitweiligen Center-Arbeit bis zu den Pässen für die entscheidenden York-Dreier zum 76:68 und 79:70; 2/7 Würfe.

GABE YORK (23 / 28:21 / 3): Nach dem 66:68-Rückstand stellten seine drei Dreier in 2:20 Minuten die Weichen zum Sieg; haushoher Sieger im Vergleich mit Hickman (7/13 Würfe).

Assem Marei: (10 / 24:39 / 14): Der physisch starke und treffsichere Musli forderte ihn stark, gegen alle anderen Bamberger Center-Varianten war er im Vorteil (4/10 Würfe, sieben Rebounds).

STATISTIK

Medi Bayreuth

Feldwurfquote: 29/58 (50 Prozent), davon 11/25 Dreier (48 Prozent): York (6/11), Cox (2/2), Doreth (1/1), Robinson (1/3), Brooks (1/3); Freiwürfe: 16/22 (73 Prozent); Rebounds: 23 defensiv, 10 offensiv (Brooks 7/3); Ballgewinne: 5 (Linhart 3); Ballverluste: 10 (Marei 3); Assists: 16 (Robinson 6); Effektivität: 97 (York 20, Brooks 16, Robinson 15, Cox 13, Doreth 10).

Brose Bamberg

HACKETT (12 Punkte / 30:12 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: -11), HICKMAN (13 /22:53 / 4), WRIGHT (11 / 29:15 / -11), Zisis (8 / 26:46 / -10), Staiger (6 / 5:41 / 1), Lo (6 / 18:03 / -16), Olinde, Rubit (2 / 18:43 / -12), HECKMANN (7 / 18:48 / 6), MUSLI (10 / 20:08 / -11) Radosevic (0 / 9:31 / 10); Feldwurfquote: 24/53 (45 Prozent), davon 6/20 Dreier (30 Prozent): Wright (3/6), Staiger (1/1), Hackett (1/4), Hickman (1/6); Freiwürfe: 21/27 (78 Prozent); Rebounds: 19 defensiv, 7 offensiv (Hackett 6/1); Ballgewinne: 5; Ballverluste: 9; Assists: 14 (Zisis 5); Effektivität: 77 (Hackett 17, Zisis 14, Wright 11, Musli 10).

SR: Reiter, Straube, Hack;

 

Stationen: 4:15 (8.), 9:21 (1. Viertel), 9:24 (11.), 25:26 (15.), 31:29 (16.), 36:32 (18.), 38:36 (Halbzeit), 45:38 (23.), 48:49 (26.), 61:55 (3. Viertel), 66:62 (34.), 66:68 (36.), 76:68 (38.), 85:75 (Ende).

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