Med-Center rettet Krankenhaus Kemnath

Die Zukunft des Krankenhauses Kemnath ist gesichert, sagt die Leitung. Foto: red

Das Med-Center hat seinen Standort in Kemnath ausgebaut. Mit der Übernahme der Notfall-Ambulanz im Krankenhaus Kemnath verbesserte der Bayreuther Betreiber auch die Überlebenschance des Krankenhauses in der Oberpfalz.

Kleine Krankenhäuser stehen in Deutschland unter Druck. In Franken machte zuletzt das beschlossene Aus des Krankenhauses in Hersbruck Schlagzeilen, auch den Häusern in Marktheidenfeld und Karlstadt droht angeblich die Schließung. Das Krankenhaus Kemnath mit 180 Beschäftigten und 100 Betten geht neue Wege: Die verstärkte, sektorenübergreifende Zusammenarbeit mit dem Bayreuther Med-Center werde die ambulante und stationäre Versorgung in Kemnath langfristig sicherstellen, sagte Krankenhausleiterin Carina Ascherl dem Kurier auf Anfrage.

Kein Arbeits- und Schulunfälle mehr

Schon bisher habe das Med-Center ein Medizinisches Versorgungszentrum im Krankenhaus Kemnath betrieben, sagte Dr. Wolfgang Gruber, Gründer und Gesellschafter des Med-Centers. Nachdem der Kemnather Chefarzt Dr. Ludwig Hofmann in Ruhestand gegangen sei, hätten seit Anfang des Jahres Arbeits- oder Schulwegunfälle in Kemnath nicht mehr behandelt werden können, weil die entsprechende Ermächtigung der Kassenärztlichen Vereinigung weggefallen sei. Es gab nur noch eine Erstversorgung in Kemnath, weitere Behandlungen mussten in anderen Krankenhäusern erfolgen.

Versorgung wiederhergestellt

Durch die Übernahme der Notfall-Ambulanz im Krankenhaus Anfang Mai habe das Med-Center die kontinuierliche chirurgische und orthopädische Versorgung in Kemnath wieder sichergestellt, sagte Gruber. Der Kemnather Chefarzt Dr. Florian Höhler und Oberarzt Dr. Peter Heckrodt arbeiten im Rahmen einer Teilanstellung beim Med-Center mit. In der Notfall-Ambulanz beschäftigt seien vier Ärzte und fünf nicht-ärztliche Beschäftigte des Med-Centers. Es habe vier Neueinstellungen gegeben. Neben der chirurgischen und orthopädischen Notfallversorgung biete das Med-Center auch themenbezogene Sprechstunden an, sagte Gruber. Kemnath nannte er ein Beispiel dafür, wie die Zusammenarbeit zwischen Medizinischem Versorgungszentrum und Krankenhaus sein solle.

Keine Schließungen geplant

Das Kemnather Krankenhaus schreibe schwarze Zahlen, sagte Ascherl dem Kurier. Betreiber ist die Klinik Nordoberpfalz AG, der außerdem fünf weitere Krankenhäuser, zwei Rehakliniken, eine Pflegeeinrichtung und drei Medizinische Versorgungszentren angehören. Genaue Zahlen für einzelne Häuser nennt Sprecher Michael Reindl nicht. Nur so viel: „Wir planen keine Schließungen.“ Hohe Fixkosten und Probleme bei der Personalgewinnung machten die wirtschaftliche Lage der kleinen Häuser schwierig. Hinzu komme eine immer stärkere Regulierung.

Abschläge bei der Notfallversorgung

So hat der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen kürzlich ein System von Zu- und Abschlägen bei der Vergütung von Notfallversorgung an Krankenhäusern beschlossen, je nachdem, ob die Häuser bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums sagte dem Kurier, dabei handle es sich um Vorgaben zu Anzahl und Qualifikation von Fachpersonal oder um ein System, das bei der Erstaufnahme von Notfallpatienten Behandlungen nach Dringlichkeit ordnet. Wie sich das Zu- und Abschlagssystem konkret auf einzelne Krankenhäuser auswirken werde, sei noch nicht klar.

Notfallbehandlung bleibt möglich

Klar ist aber nach Ascherls Worten, dass das Kemnather Krankenhaus künftig mit Abschlägen rechnen muss. Die Höhe sei noch nicht bekannt. Sie gehe aber nicht davon aus, dass Notfallbehandlung künftig ein Minusgeschäft werde, sagte sie. Notfallbehandlung werde in jedem Fall in Kemnath weiter möglich sein. Grundsätzlich schade die Maßnahme den Bestrebungen, eine flächendeckende Krankenhausversorgung sicherzustellen. Den von Krankenkassenseite immer wieder erhobenen Vorwurf, an kleinen Krankenhäusern gebe es zu wenig Behandlungsqualität, wies Ascherl zurück. „Wir haben sehr gut ausgebildete Ärzte und zum Beispiel ein zertifiziertes Endoprothetikzentrum.

Umfrage läuft

Das bayerische Gesundheitsministerium, das sich nach den Worten von Ministerin Melanie Huml um einen Erhalt der flächendeckenden Krankenhausversorgung bemüht, hat noch keinen Überblick über die Auswirkungen der neuen Regelung zur Vergütung der Notfallbehandlung. Eine Umfrage der bayerischen Krankenhausgesellschaft dazu werde gerade vorbereitet.

Das Med-Center

Das Med-Center beschäftigt an den vier Standorten in Bayreuth, Hof, Pegnitz und Kemnath nach Angaben von Wolfgang Gruber derzeit rund 150 Mitarbeiter, darunter 16 Ärzte, und behandelt 70 000 Patienten im Jahr. Geschäftszahlen wollte Gruber nicht nennen.

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