Maisel stoppt Kritzenthaler-Produktion

Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Jeder 15. Liter Bier, der in Deutschland gebraut wird, ist alkoholfrei. Tendenz steigend. Am beliebtesten sind Weizen und Pils. Trotzdem hat die Brauerei Maisel die Kritzenthaler-Produktion eingestellt.

Zum 30. April dieses Jahres lief in Bayreuth die Herstellung des alkoholfreien Pils aus, und kaum jemand hat’s bemerkt: „Nachfragen von Kunden und Handel waren sehr gering“, heißt es aus der Brauerei. Dazu sagt Jeff Maisel: „Kritzenthaler Alkoholfreies Pilsner hatte einen Anteil von unter einem Prozent an unserem Ausstoß und daher über Jahre hinweg kaum eine Rolle gespielt.“

Konzentration auf Weißbier

Alkoholfreies Pilsner sei „nicht die Stärke unserer Brauerei“, man konzentriere sich „ganz klar“ auf Bierspezialitäten: „Wir setzen nun voll auf unser alkoholfreies Weißbier, das sich sehr gut entwickelt.“

2014 wurde erstmals die Marke von fünf Millionen Hektoliter überschritten, seitdem nimmt der Absatz alkoholfreier Biere nach Auskunft des Deutschen Brauerbunds weiter zu. Der Anteil der Alkoholfreien an der Gesamtbierproduktion in Deutschland liegt inzwischen bei knapp sechs Prozent.

Nach neuesten Zahlen der GfK gewinnen alkoholfreie Biere und Spezialitäten, während die etablierten Sorten verlieren. Während die gesamte Biermenge von 2015 auf 2016 einen Rückgang von 1,8 Prozent hinnehmen musste, stiegen die alkoholhaltigen Spezialitäten um 19,5 Prozent.

Erwachsenenlimonade

„Alkoholfreie Biere haben eine interessante Entwicklung genommen“, sagt Horst Zocher, Biermarktspezialist beim Marktforschungsinstitut GfK in Nürnberg. Dieses Bier sei „neu positioniert“ worden: Einst war es angesagt, „wenn man kein Bier trinken durfte“, inzwischen sei es als Sportgetränk und als schmackhafte Alternative zu süßen Saftschorlen anerkannt, Stichwort „Erwachsenenlimonade“.

Das sei eine interessante Marketinginitiative gewesen, die noch dazu von Erfolg gekrönt war, sagt Zocher. Alkoholfreies Bier habe sich „vom Randsortiment zum wichtigen Produkt entwickelt“.

Der Geschmack

Das bestätigt auch Jeff Maisel. Es seien nicht die Biertrinker, die auf alkoholfreies Weißbier umsteigen, sondern vor allem diejenigen, die bisher ihren Durst mit Schorlen, Softdrinks oder Mineralwasser gestillt haben. „Das liegt am Geschmack“, ist Jeff Maisel überzeugt.

Hinzu kommt, dass alkoholfreies Weizenbier isotonisch ist und deshalb bei Sportlern gut ankommt. Alkoholfreies Weizen habe weniger Kalorien als die vergleichbare Menge Apfelsaftschorle, sagt Maisels Pressesprecherin Eva Ploß: „Das macht es auch für kalorienbewusste Genießer interessant.“

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