Luther-Jahr: Schluss, aus - und weiter!

Ein großer Mann, mit großen Widersprüchen: Martin Luther in einem Gemälde von Lukas Cranach dem Älteren. Nur noch bis 5. November läuft die Ausstellung auf der Veste Coburg. Foto: Haus der Bayerischen Geschichte/red

Das Luther-Jahr ist so gut wie vorüber, das große Jubiläum "500 Jahre Thesenanschlag in Wittenberg" Geschichte. Kein Grund, die Beschäftigung mit dem großen Reformator einzustellen oder gar die Reformation für abgeschlossen zu erklären.

Es hat sich ausgefeiert. Noch einmal großer Aufwasch zum Reformationstag, noch einmal „Ein feste Burg ist unser Gott“ gesungen, das war’s dann aber auch mit dem Halbmillenium zu Luthers Thesenanschlag. Zeit, auch in Bayreuth nachzuschauen, was das Ganze gebracht hat.

Eine gute Party ist kein schlechtes Zeichen

Zunächst mal: bei diversen Veranstaltungen viele Besucher, viele Menschen, die mitgefeiert haben. Und das ist schon mal gut. Bei den zentralen Veranstaltungen in Bayreuth und Coburg zum Beispiel drängten die Menschen in die Kirchen, mehr als die Häuser fassen konnte. „Die Leute kamen fröhlich, und fröhlich sind sie gegangen“, sagte Dekan Guba. Wer jetzt über „Eventkultur“ mosern möchte, sollte sich mal überlegen, dass man die Qualität einer Geburtstagsparty sehr wohl über die Anzahl gut gelaunter Gäste definieren kann.

Luther lohnt sich

Vor allem aber wurde viel über Martin Luther geredet, was sich immer lohnt. Der Mann hatte ja mit vielem Recht – und hat es heute noch. Etwa mit der Feststellung, dass nicht jeder Gläubige eine klassische Kirche benötigt. Da sprach doch Luther glatt von dem, der sich alles auf seinen Reichtum einbildet „und brüstet sich damit so steif und sicher, dass er auf niemand etwas gibt“. Und „sieh, ein solcher hat auch einen Gott: der heißt Mammon“. Es ist gut, über diesen Satz nachzudenken, in Zeiten, da eine Finanzkrise fast noch mehr Panik verbreitet als der Furor der Frommen.

Das mit der Kapitalismuskritik verfolgte Luther dann nicht so richtig konsequent weiter, nicht bis zum Bruch mit den Herrschenden. Und das ist längst nicht das Schlimmste, was man dem großen Reformator vorwerfen kann. Aber auch in seinen Widersprüchen ist Luther eine Persönlichkeit, mit der man sich auch nach den letzten Veranstaltungen dieses Jahres unbedingt beschäftigen sollte – weil er uns darin so nah ist.

Man ist einander näher gekommen

Interessant war das Feierjahr auch in den Punkten, die das Verhältnis zwischen Protestanten und Katholiken betrifft. Man kam einander näher. Die einen feierten, die anderen sendeten nicht immer überschwengliche Glückwünsche, mussten aber – zumindest, wenn sie klar bei Verstand sind – zugeben, dass die katholische Kirche ohne Luther nicht das wäre, was sie ist. Da war die Kirchenspaltung, die Luther ursprünglich nie wollte. Sei’s drum: Unter dem Eindruck der Reformation reformierte sich endlich auch die katholische Kirche.

Warum eine Wiedervereinigung?

Klar ist nach diesem Feierjahr, dass zumindest wir, die wir gerade leben, keine Wiedervereinigung erleben werden. Gewisse Punkte werden unter Christen strittig bleiben, zumindest für die Theologen unter ihnen. Für den weniger spezialisierten Zeitgenossen ist das hierzulande kein Problem. Wohlgemerkt heute – Ältere mögen sich noch an die Zeiten erinnern, als Ehen zwischen Bayreuth und Hollfeld Schwierigkeiten aufwarfen. Das alles ist heute ziemlich entspannt. Anders als für gute Eheleute gilt für Konfessionen: Man muss keinen Haushalt teilen. Es ist gut, wenn man in guter Nachbarschaft lebt. Auch als Erinnerung daran, dass es im Glauben kein Monopol geben kann.

Bayreuth als Beispiel

Auch dafür ist Bayreuth in den vergangenen Jahren meistein gutes Beispiel gewesen. Für Ökumene. Über Gott spricht mal eben auch in Oberfranken in unterschiedlichen Dialekten. Dialog und Miteinander muss das nicht behindern. Auf diesem Weg muss man voranschreiten. Luthers Thesenanschlag ist Geschichte. Die Reformation geht weiter. Auf dieses Projekt könnten sich doch mal Christen aller Konfessionen, Atheisten und auch Gläubige anderer Religionen einigen: 95 neue Thesen zu ersinnen, wie wir uns unsere gemeinsame Zukunft vorstellen. Nach den Feiern fängt die Arbeit wieder mal – erst so richtig an.

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