Lautlos durch die Weihnachtszeit

Deckel auf, Strom rein: Die Postautos im Brief- und Paketzentrum Himmelkron betankt Udo Sauerstein nicht über einen Schlauch sondern über ein Kabel. Foto: Christina Holzinger

Die Post rüstet den Fuhrpark in ihrem Brief- und Paketzentrum in Himmelkron seit einigen Wochen auf Elektroautos um. Seit Montag stehen zwölf der sogenannten Streetscooter an dem Standort. Mit dem Elektroauto geht die Post unter die Automacher, denn gebaut und produziert wird das neue Fahrzeug von einem Tochterunternehmen. Laut Unternehmenssprecher Erwin Nier ist die Post derzeit das einzige Unternehmen, das „so ein Elektroauto serienreif herstellen kann“.

Kaum lauter als eine Fliege surrt der Motor der Streetscooter. Ausgestattet nur mit einer Rückfahrkamera sowie einer Sitz- und Frontscheibenheizung ist das Auto kein Luxusgefährt. Den Anspruch hat es aber auch nicht. Trotzdem ist es nach Aussage des Pressesprechers ein Kassenschlager. Nicht nur die Post nutzt es. Das Unternehmen verkauft die Autos auch an Gemeinden, Bäcker und Fischverkäufer.

Post kauft Hersteller der Streetscooter

Ursprünglich wollte die Post einen Autohersteller damit beauftragen, ein Auto zu bauen, das so viel Laderaum wie der T5-Bus von Volkswagen hat, aber elektronisch angetrieben wird. Doch nirgends gab es so etwas.

2010 entstand an der Universität Aachen ein Projekt von Studenten und Dozenten, die versuchten, Elektromobilität auch in kleinen Stückzahlen wirtschaftlich rentabel zu machen. Daraus entstand die Streetsoccer GmbH, die von der Post vier Jahre später aufgekauft wurde. Mittlerweile produzieren die beiden Unternehmen nicht nur Elektroautos, sondern auch Elektrofahrräder für den Zustellerbetrieb.

Über 3000 Streetscooter sind seit einigen Monaten deutschlandweit im Einsatz. In Himmelkron allein zwölf, in Oberkotzau weit über 20. Den Streetscooter gibt es in einer großen und einer kleinen Variante – ein Meter Länge unterscheiden die beiden Modelle.

Läuft der Motor wirklich?

Udo Sauerstein, Chef des Brief- und Paketzentrums, zeigt sich zufrieden mit den neuen Fahrzeugen. Wenngleich es noch einige Probleme mit der Handhabung der Autos gebe. Doch im Vergleich zu den vorher genutzten Dieselfahrzeugen schneide der Streetscooter gut ab.

Die Ladefläche des großen Streetscooters ist mit acht Kubikmetern fast doppelt so groß wie die des herkömmlichen T5-Busses. Die Reichweite liegt bei 80 Kilometern – trotz 250-mal anhalten und starten am Tag.

Optisch ähnelt das neue Gefährt einem Fiat Doblo, nur mit Kastenaufbau für die Pakete statt Sitzplätzen für die Kinder. Für die Länge von fast sechs Metern und einem Gewicht von fast eineinhalb Tonnen sei das Auto extrem wendig.

Überraschend ist das Fehlen jeglicher Geräusche: Beim ersten Mal fahren fragt man sich als Dieselfahrer mehrmals, ob der Motor wirklich läuft, so leise wie er ist. Ein kurzes Tippen auf das Gaspedal und schon beschleunigt der Wagen – auf maximal 85 Stundenkilometer.

Fahrzeugtechnik wird von der Leitstelle gesteuert

Einziges Manko: Das Auto lässt sich nur durch die Sitz- und Frontscheibenheizung beheizen. Denn einem Elektromotor fehlt die Motorwärme, weshalb für die Heizung zusätzlich Strom gebraucht wird.

Doch die Postfahrer müssen nicht frieren. Dafür hat die Post eine Leitwarte in Bayreuth eingerichtet.

Hier werden die Elektroautos überwacht: Ladestand, Fehlermeldungen und Innentemperaturen – alle Informationen laufen hier zusammen. Und von hier aus kann auch die Temperatur im Auto gesteuert werden. Wenn also die Außentemperatur auf unter vier Grad Celsius fällt, werden die Himmelkroner Autos auf angenehme 18 Grad Celsius vorgeheizt.

Nicht alle Fahrzeuge können gleichzeitig laden - kein Problem

Doch warum hat Himmelkron die einzigen Elektropostautos im Landkreis? Der Grund liegt in dem langfristigen Mietvertrag, den die Post mit der Gemeinde abschließen konnte. „Wenn man in Ladesäulen investiert, muss man auch sicher sein, dass es für einige Jahre ist“, sagt Standortleiter Sauerstein. Im August wurden neun Ladesäulen für die Elektroautos gebaut, die zwei Autos gleichzeitig laden können.

Doch wenn in einigen Monaten insgesamt 18 Streetscooter auf dem Hof stehen werden, können nicht alle gleichzeitig geladen werden. Da das Aufladen nur etwa sieben Stunden dauert, können die Autos in mehreren Schichten über Nacht nacheinander geladen werden. Das wird über die Leitwarte kontrolliert.

Fehlt nur noch der Ökostrom

So begeistert einige seiner Mitarbeiter auch von den Streetscootern sind, Sauerstein sieht in zwei Bereichen noch Nachholbedarf: Zum einen werden die Elektroautos noch nicht mit Solarstrom betankt. Doch langfristig gehört für Sauerstein für „ein Elektroauto auch sauberer Strom dazu“.

Zum zweiten sieht er eine Gefahr in der geringen Lautstärke der Autos. Denn seiner Erfahrung nach sind einige Passanten zu unaufmerksam im Straßenverkehr. Unfälle lassen sich seiner Meinung nach nur vermeiden, wenn man nachträglich ein Motorgeräusch-Simulator einbaut. Denn ganz lautlos in der Weihnachtszeit unterwegs zu sein ist für ihn keine Lösung.

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