Landkreis will Produzenten und Vermarkter vernetzen, die davon aber noch gar nichts wissen Eine neue Marke für Fleisch und Co

Eine neue Dachmarke für Direktvermarkter: Der Landkreis will Betriebe besser vernetzen, die davon aber noch gar nichts wissen. Foto: Archiv

Kunden könnten es im Laden bald mit einer neuen Dachmarke zu tun bekommen. Der Kreisausschuss hat sich dafür ausgesprochen, regionale Direktvermarkter zu vernetzen. Unter dem Titel „Bayreuther Land“ sollen sich Landwirte, Metzger, Bäcker, Brauer und andere zusammentun und dem Kunden zeigen: Dieses Produkt stammt zu einhundert Prozent aus der Region. Nicht alle halten das für sinnvoll.

Die Idee dazu stammt von Christa Reinert-Heinz (CSU), der stellvertretenden Landrätin aus Weidenberg. Sie spricht von einem Imagegewinn für den Landkreis und die beteiligten Produzenten. Die Dachmarke soll sich im ersten Schritt auf Lebensmittel, später aber auch auf das Handwerk beziehen. Reinert-Heinz’ Plan: Die bereits vorhandenen Netzwerke wie die Weidenberger Initiative Apfelgrips, der Bäuerinnen Partyservice oder die Interessengemeinschaft Bayreuther Direktvermarkter sollen unter einen Hut gebracht werden.

Ein neues finanzielles Abenteuer

Unumstritten ist das Projekt aber nicht. Karl Lappe, Bürgermeister in Mistelgau und Kreisobmann des Bauernverbandes, sagt: „Wir sollten erst einmal klären, wieviele Betriebe daran überhaupt interessiert sind und welche Wirtschaftskraft dahinter steht, bevor wir uns in ein weiteres finanzielles Abenteuer stürzen.“ Denn immerhin 10000 Euro sollen schon in diesem Jahr für die Gründung der neuen Dachmarke zur Verfügung gestellt werden. Ganz ähnlich sieht das Hans Engelbrecht, Kreisobmann im Verband für landwirtschaftliche Fachbildung. Engelbrecht sagt: „Wir haben ständig neue Labels, die wir auch alle schon gefördert haben. Zu allererst sollte aber jeder Betrieb einmal selbst zusehen, dass er ausreichend Absatzmöglichkeiten findet.“

Erst fragen, dann vernetzen

Betriebe zu vernetzen, ohne sie zuvor danach gefragt zu haben, das macht laut Hans Hümmer, Fraktionschef der Freien Wähler im Kreistag, keinen Sinn: „Warum sollen wir etwas beschließen, bevor sich die dazu geäußert haben, die es betrifft.“ Dem Projekt einstimmig zugestimmt haben die Mitglieder des Kreisausschusses aber dennoch. Es gelte schließlich die Rolle des Moderators zu übernehmen, sagt Reinert-Heinz.

Nicht ohne die Stadt

Ein Schritt, den auch der Präsident der Handwerkskammer Oberfranken, Thomas Zimmer, zumindest in Teilen für nicht zweckmäßig hält. Zimmer sagt: „Wir haben mit der Gründung des Vereins Genussregion Oberfranken vor zehn Jahren eigentlich schon die ideale Grundlage geschaffen.“ Darauf ließe sich aufbauen. Auch andere Städte und Landkreise, darunter Bamberg und Coburg, hätten dieses Siegel weiter lokalisiert. Immer aber unter weiterer Verwendung des Titels Genussregion, damit es die Kunden nicht verwirre. Und Zimmer sagt auch: Wenn die Genussregion weiter lokalisiert werde, dann nur mit Stadt und Landkreis zusammen. Alles andere mache keinen Sinn.

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