Landgericht urteilt Jugendstrafen für Brandstifter

Der jüngste aus dem Trio bekam gerade noch eine Bewährungsstrafe, die beiden älteren Angeklagten müssen in das Jugendgefängnis. Foto: Arne Dedert, dpa-Archiv

BAYREUTH/KULMBACH. Abflexen, abbrennen – und jetzt absitzen: Nur einer eines Trios jugendlicher Straftäter aus Kulmbach kommt mit einer Bewährungsstrafe um den Jugendstrafvollzug herum. Den zwei anderen brummt die Jugendkammer des Landgerichts am Freitag Strafen von drei und von dreieinhalb Jahren auf.

Das Gericht sprach die Heranwachsenden im Alter von 21, 20 und 18 Jahren für mehrere Fälle des Diebstahls und der Sachbeschädigung und für eine Serie von Brandstiftungen schuldig, die die Einsatzkräfte im Raum Kulmbach an Ostern in Atem gehalten hatte. Der Jüngste, der bei fünf Automatenaufbrüchen der beiden Älteren nicht dabei gewesen war, bekam „trotz Bedenken“ noch eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren.

Als Gründe hierfür nannte der Gerichtsvorsitzende Michael Eckstein: Der junge Mann, als Einziger zurzeit auf freiem Fuß, hatte trotz der gegen ihn laufenden Ermittlungen als erster gestanden und so seine Mittäter quasi unter Zugzwang gesetzt, ebenfalls Geständnisse abzulegen. Der 18-Jährige hat überdies trotz der Ermittlungen seine Ausbildung abgeschlossen und verdienst Geld.

Während der dreijährigen Bewährungszeit geht das Gericht ihm an den Geldbeutel: Die Bewährungsauflage besteht darin, dass der 18-Jährige monatlich 200 Euro an die Geschädigten zahlen muss. Die drei Jahre werden für den laut Gericht „horrenden“ Schadensersatz nicht ausreichen. Die Verurteilten müssen sich, so sagte Eckstein, darauf einstellen, dass der vor allem bei den Brandstiftungen angerichtete Schaden sie „bis ins hohe Alter verfolgen“ wird.

Den höchsten Schaden richtete die Brandstiftung an einem Holzrückefahrzeug an: Das Gerät im Wert von über 200.000 Euro, das am 31. März am Ebersbacher Wanderweg im Waldgebiet bei Ködnitz ausbrannte, ist völlig kaputt. Dabei machten das Trio vergleichsweise kleine Beute: Vo der Maschine montierten sie Leuchten ab, um sie später zu verkaufen.

Die zwei älteren Angeklagten hatten als Duo die Straftatenserie am Asenturm begonnen, wo sie mit einer Flex die Spendenbox des Fichtelgebirgsverein zerstörten – für zehn Euro Bargeld. An Parkautomaten in Fleckl und Kronach und an einem Zigarettenautomaten in Ramsenthal richteten sie hohen Schaden an, machten aber keine Beute.

Die Straftatenserie ging dann weiter, und nun kamen die Brandstiftungen hinzu: Den Holzrückezug fackelte das Trio ab, weil die Angeklagten meinten, sie müssten durch das Feuer Spuren vernichten.

Die danach folgenden Brandstiftungen verübte das Trio zwar auch, um Spuren weiterer Diebstähle zu vernichten, aber nach Meinung des Gerichts wohl eher, um eine neu entdeckte Faszination auszukosten. Der Gerichtsvorsitzende beantwortete für die Jugendkammer die während der Beweisaufnahme mehrfach gestellte Frage nach dem Motiv für die Brandstiftungen so: „Es muss ein Kick gewesen sein, den die Angeklagten empfanden.“

Gegen den ältesten Angeklagten, der wegen einer psychischen Störung als vermindert schuldfähig gilt, verhängte das Gericht drei Jahre. Der 20-Jährige bekam dreieinhalb Jahre. Als erstmals Verurteilte können die beiden nach der Hälfte der Strafe freikommen.

 

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