Landesbischof in Pegnitz Zwei Tore für Kirchenkicker

Mit 8:4 siegten die Kirchenkicker, bei denen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (Vierter von rechts) und Dekan Gerhard Schoenauer (rechts daneben) mitspielten, gegen die International Kickers. Hier spielten unter anderem Bürgermeister Uwe Raab (rechts) und einige Geflüchtete mit. Fotos: Frank Heidler

PEGNITZ. Zu einem terminlichen Parforceritt wurde der erste Besuch des evangelischen Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm in die örtlichen Kirchengemeinde. Trotz halblangem schwarzen Gehrock und goldenen Bischofskreuz war dabei von unnahbarer „Bischofswürde“ nichts zu spüren – da ein freundliches Wort, dort interessiertes Zuhören beim Diakonieausschuss und Händchenhalten mit gebrechlichen Bewohnern im Brigittenheim.

Die schnelle und herzliche Umarmung von Bischof und dem gastgebenden Dekan Gerhard Schoenauer noch auf dem Parkplatz gab den Takt dieser Zweitagesbegegnung vor. Schon wenige Augenblicke später ging Schoenauer auf Pegnitzer Besonderheiten wie den alljährlichen Bratwurstgipfel ein.

Bratwürste und Kartoffelstampf

Beim anschließenden Mittagessen aß der Münchner Gast exakt das Gleiche wie die Heimbewohner: „Champignon-Rahmsuppe, Bratwürste mit Sauerkraut und Kartoffelstampf und weißes Schokoladenmousse als Nachtisch“ zählte der hauswirtschaftliche Leiter des Brigittenheimes, Mirko Kingler, auf. Zusammen mit seinem Team übernahm dieser höchstpersönlich den Service.

Aber trotz der guten Küche wurde das bischöfliche Mittagsmahl zum Arbeitsessen, bei dem aktuelle Probleme von Diakonie und Pflege diskutiert wurden. Der Pegnitzer Gemeinde attestierte der Kirchenmann Vorbildcharakter. Wörtlich erklärte er: „Wir arbeiten daran, viel selbstverständlicher Diakonie und Kirche zu verbinden. Von Pegnitz kann man da ganz viel lernen.“

Absagen schreiben

Der Dekan nutzte die Gelegenheit und stellte fest: „Dieses Haus ist ein neues Lebenszentrum.“ So fänden regelmäßig Krabbelgottesdienste und Jugendgottesdienste statt, außerdem kämen „Leute von außerhalb“. Im Kino würden beispielsweise „Rühmann-Filme“ gezeigt. Schoenauer überzeugt: „Das ist hier kein Ghetto“. Täglich müsste man fünf Interessierten Absagen schreiben. Die Belegung liege bei 98 Prozent. Worauf Bedford-Strohm spontan einwarf: „Da könnte man ja fast auf die Idee kommen, ein zweites Heim zu bauen.“ Aber dafür fehlt das Personal.

Keine Ausbildung absolvieren

Flüchtlinge hätten bereits mehrwöchige Praktika absolviert. Aber diese dürften im Brigittenheim keine Ausbildung absolvieren. Worauf sich der Landesbischof sofort an seine Begleiterin, Kirchenrätin Andrea Wagner-Pinggéra, wandte und bat: „Schreib mir das alles auf.“

In seinen Gesprächen mit Politikern will sich Bedford-Strohm dafür einsetzen, „dass Leute hier arbeiten dürfen, die gebraucht werden“. Stichwort Personalsuche: An die Pflegedienstleiterin Roswitha Schecklmann richtete der Bischof die drängende Frage: „Wie kriegen Sie Leute für die Pflege her?“ Ihre entwaffnende Antwort: „Wir kriegen fast keine mehr.“

Der Dekan verwies hier auf die für Oberfranken bisher einmalige Anwerbungen von philippinischen Pflegekräften. Dort seien 150.000 Pflegerinnen und Pfleger arbeitslos. Die Gebühren für Deutschkurse und die Vermittlung über externe Agenturen koste viel Geld. Finanzexperte Thomas Klebe schlug vor: „Diese Aufgabe könnte doch auch die Kirche übernehmen.“ Nächste Hausaufgabe für Bedford-Strohm nach seinem Pegnitz-Besuch. „Das müsste dann über die Diakonie laufen.“

Fußballschuhe geschnürt

Nach dem Mittagessen schnürten Dekan und Bischof die Fußballschuhe. Im schwarzen ASV-Dress gewannen sie bei einem Freundschaftsspiel haushoch gegen das Team von Flüchtlingen, Bronnern und Bürgermeister Uwe Raab. Endstand: 8:4. Ihr erstes Tor erzielten sie bereits drei Minuten nach Anpfiff durch den ASV-Schiedsrichter und langjährigen Sportreporter Claus Gebhardt. Der weiß aus seiner eigenen Spielpraxis als Fußballer: „Zwei mal 30 Minuten Hallenfußball – das wird ziemlich anstrengend, da muss durchgewechselt werden.“

Aber Bischof und Dekan, die beide häufiger kicken, zeigten eine erstaunliche Kondition. Der Bischof schoss zwei Tore, der Dekan immerhin eines. Im Integrationshaus ließ sich der Landesbischof die Probleme und Erfahrungen von Flüchtlingen schildern.

Angst vor dem Untergang

Bei einem Festgottesdienst mit allen Pfarrern des Dekanates in der Bartholomäuskirche übernahm Bedford-Strohm den Predigt-Part. Ausgehend von der biblischen Sturmstillung sprach er über die „Angst vor dem Untergang“. Aber diese spüre er „überhaupt nicht, wenn ich auf die letzten Stunden zurückschaue mit dem Besuch im Brigittenheim“.

Er wandte sich auch gegen „ein Gefühl der Erfolglosigkeit, wenn wieder die neuesten Kirchenaustrittszahlen kommen“. Und nannte die Sturmstillung eine „Vertrauensgeschichte“. Diese sei aber keine „Super-Versicherung gegen die Stürme des Lebens.“

Für passende Musik sorgten Kantorei, Posaunenchor, Jugendkantorei und die 10-vor-11-Band.

 

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