Lage in der Region stabil Mehr Frauen und Senioren überschuldet

Wenn der Kontostand immer mehr ins Minus gerät, sollte man etwas unternehmen – sonst droht Überschuldung. ⋌Foto: Jens Büttner/dpa

BAYREUTH. Im Grunde sind die Zahlen konstant: Rund jeder zehnte Deutsche ist nach dem neuen Schuldenatlas der Wirtschaftsauskunftei Creditreform überschuldet, kann also seinen laufenden Verpflichtungen nicht nachkommen. Einem leichten Rückgang schwerer Fälle steht eine Zunahme bei leichteren Fällen gegenüber, sodass unter dem Strich ein kleines Plus steht. Erfreulich: In Stadt und Landkreis Bayreuth ist die Lage stabil, vielerorts gehen die Überschuldungsquoten sogar leicht zurück.

Die Region: Philipp Ganzmüller, geschäftsführender Gesellschafter bei Creditreform in Bayreuth, sieht in der Region ein differenziertes Bild. Zum einen seien die vergleichsweise stabilen Verschuldungsquoten positiv, gebe es doch keine Abwärtsspirale wie etwa im Ruhrgebiet. Andererseits verwundere es schon, dass die anhaltend gute konjunkturelle Lage nicht für noch bessere Zahlen sorge.

Bayreuth im Schnitt unter zehn Prozent

Immerhin sind diese in der Stadt Bayreuth leicht zurückgegangen und liegen im Schnitt unter zehn Prozent. Allerdings gibt es traditionell Unterschiede: Die höchste Quote verzeichnet der Postleitzahlbezirk 95444 mit dem Problembereich Neuer Weg und 10,89 (Vorjahr 10,91) Prozent, gefolgt von 95448 mit Hammerstatt und Neuer Heimat und 10,68 (11,08) Prozent. Hier könne die Quote in einzelnen Straßen aber auch bei 30 Prozent und darüber liegen, schätzt Ganzmüller. Deutlich niedriger liegen die Bezirke 95445 mit 8,85 (8,97) und 95447 mit 8,67 (8,71) Prozent. Zum Vergleich: Kulmbach liegt bei 8,33 (8,54) Prozent.

Ost-West-Gefälle im Landkreis

Ein starkes Ost-West-Gefälle gibt es im Landkreis. Vor allem in der Fränkischen Schweiz finden sich teils sehr niedrige Quoten: Etwa in Ahorntal mit dem Top-Wert von 3,56 (3,70) Prozent, aber auch in Mistelgau mit 4,47 (4,27) oder Eckersdorf mit 4,36 (4,79) Prozent. Anders sieht es im Fichtelgebirge aus: Hier kommen zum Beispiel Bad Berneck auf 11,19 (11,52), Warmensteinach auf 10,54 (10,36) und Bischofsgrün auf 9,55 (9,77) Prozent. Es geht aber auch anders: Goldkronach verzeichnet 5,14 (5,56), Weidenberg 5,32 (5,85) Prozent. Insgesamt liegt der Landkreis bei unter sieben Prozent und damit unter dem Bayern-Schnitt (7,42). Überhaupt reiche die Region lange nicht an die Zahlen der bundesdeutschen Spitzenreiter heran, betont Ganzmüller. Diese traurige Rangliste führt mit 21 Prozent Überschuldeten Bremerhaven vor Wuppertal (18,4) und Pirmasens (18,35) an – alles Städte in Regionen, die mitten in einem Strukturwandel stecken. Am besten steht der Landkreis Eichstätt da (3,85).

Die Trends: Während die Verschuldungsquoten bei den Altersgruppen bis 49 Jahren zurückgehen, nehmen sie darüber teils deutlich zu – wenn auch von niedrigem Niveau aus. Am deutlichsten ist der Anstieg bei den über 70-Jährigen mit einem Plus von 69.000 Fällen oder 35,6 Prozent auf 260.000 Überschuldete. Allerdings liegt die Quote hier immer noch bei sehr niedrigen 2,04 Prozent. Spitzenreiter sind die 30- bis 39-Jährigen mit 18,57 Prozent. Dennoch zeigt die Entwicklung laut Ganzmüller, dass die Rente immer mehr Senioren nicht reicht oder zumindest nicht genügt, um den bisherigen Lebensstandard halbwegs halten zu können.

Außerdem fällt auf, dass der Anteil der überschuldeten Frauen zunimmt, und zwar in diesem Jahr um 21 000 auf 2,7 Millionen. Dagegen ging die Zahl bei den Männern um 2000 auf 4,23 Millionen zurück. Das zeige, dass die Männer immer noch deutlich risikobereiter seien, die Frauen sich aber auch auf diesem Gebiet emanzipierten, wenn hier auch mit negativen Folgen, so Ganzmüller. Über beide Geschlechter gilt, dass die Jugendverschuldung weiter abnimmt – vor allem dank der guten Situation auf dem Arbeitsmarkt.

Die Schuldengründe: Die Bedeutung von Arbeitslosigkeit oder Scheidung für ein Abrutschen in die Schuldenspirale hat laut Ganzmüller abgenommen. Dafür nehmen Krankheiten als Auslöser ebenso zu wie die sogenannte unwirtschaftlicher Haushaltsführung. Vereinfacht gesagt: Man lebt über seine Verhältnisse. Auch die derzeit niedrigen Kreditzinsen haben offenbar Auswirkungen. Jedenfalls spricht die Creditreform-Studie von einer um 2,5 Prozentpunkte höheren Verschuldungsquote in Bevölkerungsgruppen, die vermehrt Konsumkredite nutzen. Interessant auch: Gute Bildung und starke soziale Einbindung etwa in Familien mit Kindern scheinen das Überschuldungsrisiko zu mindern.

Die Schuldensummen: Im Schnitt aller Überschuldeten sinken die Außenstände seit Jahren auf jetzt 30.540 Euro. Allerdings mit großen Unterschieden in den Altersgruppen. Bei jungen Menschen kann Überschuldung schon bei einem niedrigen vierstelligen Betrag vorliegen. Im Schnitt sind es bei den unter 25-Jährigen 8300 Euro, bei den über 65-Jährigen aber 52.000 Euro.

Was man tun kann

Am besten mit den Gläubigern reden, und zwar früh genug“, rät Philipp Ganzmüller Verbrauchern, die merken, dass ihnen die finanziellen Verpflichtungen über den Kopf wachsen. Wer sich das selber nicht zutraut, solle professionelle Hilfe von Beratungsstellen in Anspruch nehmen und dort alle Karten auf den Tisch legen. Oft gebe es pragmatische Lösungen. „Den Kopf in den Sand zu stecken ist definitiv keine Lösung.“

 

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