Kurioser Berufungsgrund Zeit schinden im Landgericht

Auf Anraten seines Anwalts hat ein wegen Drogenbesitzes angeklagter Bayreuther seine Berufung gegen ein Urteil des Amtsgerichts zurückgenommen. Foto: Britta Pedersen dpa-Archiv

BAYREUTH. Polizeiintern werden in Bayreuth Drogenkonsumenten "Giftler" genannt. Und weil es in der Natur der Sache liegt, dass Drogenkonsumenten mit dem Gesetz in Konflikt kommen, sind die "Giftler" - zumindest in einer überschaubaren Stadt wie Bayreuth - den meisten Polizisten persönlich bekannt. Das wurde einem 33-Jährigen zum Verhängnis.

Es war nicht besonders klug von ihm, am 13. März mit fast 50 Gramm Marihuana in seinem Rucksack durch die Bamberger Straße zu spazieren. Die Polizisten, die ihn dort laufen sahen, kannten ihn und seine Vergangenheit und baten ihn zur Kontrolle.

In seinem Prozess beim Amtsgericht wurde der Mann - auch hier ist er ein alter Bekannter - zu einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten verurteilt. Die Begründung aus dem erstinstanzlichen Urteil, dass ein Angeklagter mit einschlägigen Vorstrafen und offenen Bewährungen keine Milde mehr erwarten könne, verpuffte scheinbar wirkungslos: Der 33-Jährige legte Berufung ein.

Sein Fall kam zur zweiten Instanz, vor die Berufungskammer des Landgerichts unter Vorsitz von Werner Kahler. Hier zeigte sich, dass der Angeklagte einen ungewöhnlichen Grund gehabt hatte, das Rechtsmittel der Berufung einzulegen: Zeit schinden, weil er gerade einen Kurzzeit-Job bis Ende August hat.

Sein Verteidiger Alexander Schmidtgall erklärte, sein Mandanten habe gehofft, den Termin des Strafantritts entsprechend hinauszuzögern. Die Berufung nahm der Angeklagte zurück, womit die Strafe rechtskräftig ist.

Über den Zeitpunkt des Strafantritts muss er mit der dafür zuständigen Behörde sprechen - das ist die Staatsanwaltschaft.

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