"Kulturerbe" will Altes erhalten "Die Abriss-Zeit ist vorbei"

Adrian Roßner ist Anspechpartner des Vereins "Kulturerbe Bayern" in der Region. Foto: Archiv/Andreas Harbach

BAYREUTH. Der neue Verein „Kulturerbe Bayern“ kümmert sich um den Erhalt von Kulturgut. Adrian Roßner aus Zell im Fichtelgebirge ist Ansprechpartner für die Regionen Bayreuth und Hof. Er fände es gut, das Gebäude, in dem das Glas-Knopf-Museum in Weidenberg untergebracht war, zu erhalten.

„Wir wollen kein Beraterverein für Denkmalschutz sein“, sagt der 27-jährige wissenschaftliche Mitarbeiter der Universität Bayreuth. Die Idee sei vielmehr, gefährdete Denkmäler zu kaufen, zu sanieren und einer neuen Nutzung zuzuführen. Dazu wurde eigens eine Stiftung gegründet. Insgesamt 30 Objekte wurden bislang für das „Kulturerbe Bayern“ vorgeschlagen, aus denen sich der Verein für ein spätmittelalterliches Wohnhaus in der Judengasse in Rothenburg entschieden hat. Zwischenzeitlich sind weitere zehn Objekte in die Vorschlagsliste aufgenommen worden.

Bayernweit 600 Mitglieder

Der Verein will arbeiten wie der National Trust, eine gemeinnützige Organisation, die Objekte aus dem Bereich der Denkmalpflege und des Naturschutzes in England, Wales und Nordirland betreut. Eine breite bürgerschaftliche Bewegung, die Kulturgüter erhält. Roßner, der auch Kreisarchivpfleger in Hof und stellvertretender Hauptvorsitzender des Fichtelgebirgsvereins ist, beziffert die Zahl der Vereinsmitglieder bayernweit auf rund 600. Darunter sind Restauratoren, Denkmalschützer und Handwerker, die ihr Wissen und Können ehrenamtlich einbringen wollen. Im kommenden Jahr soll das erste Vorhaben in Oberfanken angepackt werden. „Die Zeit des brutalen Abrisses wertvoller alter Gebäude ist zum Glück vorbei“, sagt er.

"Mein Erweckungserlebnis"

Wie kam er zu dem Thema? Gemeinsam mit einer Bürgerinitiative hatte er ein Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert in Münchberg vor dem Abbruch gerettet. 2019 soll das Gebäude im Besitz der Stadt saniert und neu genutzt werden. „Das war mein Erweckungserlebnis“. Vor kurzem hatte er sich das Glas-Knopf-Museum in Weidenberg angeschaut, das am 7. Oktober endgültig geschlossen wurde und in den nächsten Jahren nach Warmensteinach umziehen soll. Von der früheren Werkstatt im denkmalgeschützten Bernt-Haus in der einstigen Arbeitersiedlung der Gablonzer ist er begeistert: sie ist noch original erhalten. Deshalb habe er eine kleine Zusammenstellung an das Kulturerbe nach München geschickt und gefragt, ob ein Kauf machbar sei. Eine Antwort liegt noch nicht vor. In dem Gebäude sei die ehemalige Struktur noch drin, „es wäre am besten, es zu erhalten“.

Hadlich: Der Umzug steht

Brigitte Hadlich, die Vorsitzende des Weidenberger Werkssiedlungsvereins, sagt auf Anfrage unserer Zeitung, das Museum mit seinen Gegenständen sollte wie vereinbart nach Warmensteinach umziehen. Allerdings könnte sie sich vorstellen, das Bernt-Haus zu einer „Geschichtswerkstatt“ zu entwickeln mit einem original Drückofen, der Perlenwicklerei und der Schleiferei. So wie es auch in der Machbarkeitsstudie vorgesehen war. Auf diese Weise könnte Geschichte vermittelt werden, wie die Menschen in der Werkssiedlung gelebt und gearbeitet haben und integriert wurden. Hadlich bekräftigt, dass es bei den Plänen und einem Museum in Warmensteinach bleiben wird.

30 interessante Objekte

Zurück zum Kulturerbe. Im Raum Bayreuth/Hof gibt es laut Roßner rund 30 Objekte, die für den Verein interessant wären, darunter auch das Bernt-Haus. Zu den regionalen Kulturgütern gehören für ihn nicht nur Fachwerkhäuser, sondern auch Industriedenkmäler. Das sei „kein altes Glump“, wie der Erhalt der früheren Kulmbacher Spinnerei in Mainleus zeige. Der Gemeinderat setze sich mustergültig für die alte Fabrik ein, „Mainleus Invest“ habe das Areal gekauft, um große Teile davon zu erhalten und neue Firmen in den alten Gemäuern anzusiedeln . „Das zeigt, dass es auch anders geht“, freut sich Roßner. „Kultur ist nicht nur Musik und Trachten, sondern auch Landwirtschaft und Industrie“, viele Menschen seien auf der Suche nach der regionalen Identität. Roßner will das unterstützen. Seine Doktorarbeit schreibt er über die Textilindustrie in Münchberg.

Infos: adrian.rossner@kulturerbebayern.de

 

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