Kulmbacher Elektroauto Aufatmen mit dem Pöhlmann-Ei

KULMBACH. Nach diesem Flitzer, der ganz leise an ihnen vorbei schnurrt, drehen sich die Leute um. Mit dem Pöhlmann EL beginnt in Kulmbach im Jahr 1983 die Zukunft der Mobilität. Erich Pöhlmann war der Elektroauto-Pionier und hat umgesetzt, was für andere als unerreichbare Vision galt. Trotzdem schaffte es sein mit Strom betriebenes Gefährt nur ins Museum und nicht auf die Straße.

Das Deutsche Museum in München und das Automobilmuseum Fichtelberg zeigen jeweils eines der seltenen Exemplare. Der Pöhlmann EL wäre sicherlich auch eine Zierde für das schwedische Museum des Scheiterns, das im Frühjahr 2019 in Deutschland Station machen wird. Denn so genial das Kulmbacher Elektroauto auch war - am Ende hat sich die Erfindung als Flop erwiesen.

"Wir waren unserer Zeit einfach weit voraus", sagt Karl Friedrich im Gespräch mit dem Kurier. Der Maschinenbaumeister arbeitete damals sehr eng mit dem Kulmbacher Ingenieur zusammen. "Ich habe ein Modell im Maßstab 1:6 bekommen und dazu den Auftrag, ein Auto zu bauen, das fährt und TÜV kriegt."

Ein echter Hingucker

Es sollte nicht nur technisch ausgefeilt werden, sondern auch ein echter Hingucker. "Die Flügeltüren waren ein Gag", erinnert sich Karl Friedrich. "Aber sie haben sich auch als riesiger Vorteil herausgestellt, weil man viel weniger Platz zum Einsteigen braucht." Der Elektroantrieb hat den schnittigen Wagen auf bis zu 120 Stundenkilometer beschleunigt. Die Reichweite einer Batterieladung betrug bis zu 115 Kilometer. An jeder herkömmlichen Steckdose konnte die Batterie wieder aufgeladen werden.

Erich Pöhlmann war kein abgehobener Erfinder, sondern durchaus Realist. Als erster in Deutschland hat er das Elektromobil bis zur Marktreife gebracht. Geldgeber war RWE, in dessen Auftrag der Kulmbacher die Studie immer weiter entwickelt hat. Aus der Serienproduktion wurde jedoch nichts.

Zehn Jahre ist es mittlerweile her, als Erich Pöhlmann im Alter von 76 Jahren auf seinem Segelschiff in der Nähe von Neuseeland verunglückte. Er wurde vermisst und für tot erklärt.

Bereits in den 80er-Jahren musste er die Hoffnung begraben, dass die Automobilindustrie seinen Pöhlmann EL auf den Markt bringt. RWE sah 1985 die Entwicklungsarbeit als abgeschlossen an. Das völlig neue Fahrzeug aus Kulmbach war konsequent auf den Elektroantrieb ausgelegt. Die windschnittige Karosserie aus Kunststoff, der Edelstahlrahmen, die Lenkung und alle weiteren Fahrzeugkomponenten wurden vollständig für die neue Art der Mobilität konzipiert.

Ohne Autoabgase

Im Werbeprospekt wird damals nicht nur die neue Technik des Pöhlmann EL angepriesen. Es sei ein Auto, das aufatmen lässt. Mit dem Kulmbacher Elektromobil nehme eine Utopie Gestalt an: Die Gesellschaft könne motorisiert sein, ohne damit die Umwelt mit Autoabgasen zu belasten.

"Besonders in den Städten, wo Schadstoffmessungen heute oft kritische Werte erreichen, ist die Zeit reif für den Pöhlmann EL", heißt es im Prospekt aus den 80er-Jahren. "Er ist nicht nur abgasfrei, sondern auch besonders geräuscharm. Und er mischt flexibel und kraftvoll im Verkehrsgeschehen mit. Reaktionsschnell und dabei umweltfreundlich - genau richtig für den City-Verkehr der Zukunft."

Seine Leistungsfähigkeit hat der Pöhlmann EL 1986 beim Großen Preis der Formel E in der Schweiz bewiesen. "Wir sind dort mit zwei Autos gestartet und kamen auf Platz eins und zwei in der Gesamtwertung", sagt Karl Friedrich.

Erich Pöhlmann war Entwicklungsleiter für Wärmepumpen und Speicheröfen, bis er sich als Ingenieur selbstständig gemacht hat. "Angefangen haben wir in Erich Pöhlmanns Garage am Rehberg", sagt Maschinenbaumeister Friedrich. "Danach sind wir in eine alte Halle am Kreuzstein gezogen und später ins Goldene Feld." Dort war 1992 Schluss.

Das Elektroauto wurde von den Einheimischen nicht Pöhlmann EL, sondern wegen seiner Form das Pöhlmann-Ei genannt. Es war übrigens nicht das einzige Produkt aus der Kulmbacher Werkhalle. Auch Hybridantriebe für Autos und Solarkollektoren sind dort entwickelt worden.

 

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