Kuba kommt nach Bayreuth Sitzkonzert wird Cha-Cha-Party

22.03.2019, Bayreuth, Zentrum, Musikwelten-Festival, Son Del Nene, Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH. Latin-Grammy-Gewinner Son del Nene machte am Freitag im Zentrum aus einem Sitzkonzert eine rauschende Tanzparty. Mit afro-kubanischen Gitarrenklängen riss er sein Publikum innerhalb kürzester Zeit von den Stühlen. Einige landeten sogar auf der Bühne.

Für den kubanischen Musiker Son del Nene bedeuten Stühle im Konzertsaal immer eine Herausforderung: „Wir wollen die Leute zum Tanzen bringen. Mittlerweile wissen wir aber, was zu tun ist, damit die Menschen von ihren Sitzplätzen aufstehen. Wir zwingen sie einfach – mit unserer Musik“, sagte er.

Wer es sich also am Freitag im Bayreuther Zentrum auf seinem Platz bequem gemacht hatte, der konnte gleich wieder aufstehen. Nenes Bolero- und Cha-Cha-Rhythmen erfassten sofort den ganzen Saal. Zuerst kreisten bei vielen die Hüften noch im Sitzen – verstohlene Seitenblicke folgten: „Ist es wohl ok?“ War es. Spätestens, als bei den meisten die Schultern anfingen, schwungvoll zu rotieren, waren die Stühle nur noch im Weg. Jede Ecke des Europasaals, jeder Gang zwischen den Stuhlreihen wurde zur Tanzfläche.

Der Latin-Grammy-Preisträger machte es vor: Nene gab auf der Bühne den Takt an, tanzte hinter seinem Mikrofon jeden Song mit und unterstütze mit Rassel und Ritsche seinen typisch kubanischen Sound. Den aus Havanna, der Hauptstadt Kubas. Dort wo 1996 der Buena Vista Social Club mit seinen Altmeistern die kubanische Musik weltbekannt machte.

Noch heute werben in ganz Kuba Nachtclubs und Tanzbars in ihren Konzertprogrammen mit den legendären Musikern. Touristen können aber nie wirklich sicher sein, ob sie am Abend dann tatsächlich einen der wenigen noch lebenden echten „Buena Vistas“ auf der Bühne erleben. Der Bandkult ist längst zur Touri-Masche geworden.

In Bayreuth gab es aber keine Kopie - Zu Gast war ein Original. Son del Nene stand schon mit Ibrahim Ferrer auf der Bühne, der bis zu seinem Tod im Jahr 2005 zum Buena Vista Social Club gehörte und Nene einst in den Kreis Kubas erster Musikergarde aufnahm.

Heute trägt Nene diese Tradition in seinen Konzerten weiter. Gemeinsam mit Musikern, die ihr Handwerk verstehen. Arjadi Sanchez spielte die Tres Cubano, eine kubanische Gitarre, bei der die sechs Seiten jeweils in Pärchen eingespannt sind, so schnell, dass die Augen Probleme hatten mitzukommen.

Band-Neuzugang Ernesto Reyes an der Trompete begeisterte mit Soli in hohen Lagen sowie mit Entertainer-Qualitäten. Er animierte das Bayreuther Publikum zum Tanzen und holte sich vier Frauen auf die Bühne, die er zum Cha-Cha-Cha aufforderte. Die Tänzerinnen kamen aus Deutschland, Kolumbien, Peru und Chile, konnten alle tanzen und lösten beim Publikum Begeisterungsstürme aus. „Wir werden immer sehr unruhig, wenn das Publikum sitzt“, gestand Ernesto Reyes kurz nach dem Konzert. „In Europa erleben wir das öfter, aber wir wissen genau, was wir dagegen tun können“, sagte der Trompeter und grinste.

Ohne zwei Zugaben ließ das Publikum den 58-jährigen Son del Nene und seine Musiker nicht von der Bühne. Natürlich spielte die Band das Lied „Chan Chan“, das in Kuba als Hymne des Buena Vista Social Club von den Fans gefeiert wird. Nenes kraftvolle Stimme und seine Rhythmen trugen dazu bei, dass es jetzt auch in Bayreuth einige Liebhaber kubanischer Musik mehr gibt.

 

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