KSBler marschieren nicht nur für mehr Lohn

Klare Ansagen, klare Aussagen: Rund 500 Mitarbeiter des größten Arbeitgebers im Landkreis Bayreuth ließen am Donnerstag keinen Zweifel daran, dass es ihnen nicht nur um mehr Lohn geht - sondern vor allem um ein Arbeitsleben, das sich auch mit privaten Bedürfnissen vereinbaren lässt. Foto: Ralf Münch

Aggressiv? Nein. Kampfeslustig? Sehr wohl. An die 500 Mitarbeiter folgten gestern beim Pumpen- und Armaturenhersteller KSB dem Aufruf der IG Metall zu einem einstündigen Warnstreik. Anlass ist die für den kommenden Montag anberaumte dritte Runde der seit November laufenden Tarifverhandlungen. Die Gewerkschaft wirft der Arbeitgeberseite vor, bisher kein ernst zu nehmendes Angebot präsentiert zu haben - dafür aber jede Menge Forderungen.

„Da herrscht null Bewegung, was in den Medien manchmal als Angebot bezeichnet wird, ist eigentlich gar keins“, so Volker Seidel, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Oberfranken-Ost, im Kurier-Gespräch. Eine Einmalzahlung von 200 Euro für das erste Quartal und eine Lohnerhöhung von zwei Prozent ab April sei kein Angebot, sondern eher eine Provokation.

Kein Angebot, sondern nur Forderungen

Weil dem unerfüllbare Wünsche der Arbeitgeber gegenüber stünden: Wochenarbeitszeiten bis zu 42 Stunden ohne Zuschläge für Überstunden, Wegfall des Kündigungsschutzes für ältere Beschäftigte, Wegfall der Regel, nach der nicht mehr als 13 Prozent der Belegschaft in einem Unternehmen mehr als 35 Stunden pro Woche tätig sein dürfen, wenn die Auftragslage eine solche Mehrarbeit erfordert. Und nicht zuletzt Wegfall der bezahlten Pausen im Drei-Schicht-Betrieb, „das ist ihnen ja schon lange ein Dorn im Auge“.

Trillerpfeifenkonzert vor dem Verwaltungsgebäude

So sahen das auch die 500 Teilnehmer am Warnstreik, die – begleitet von einer Polizeieskorte – vom Werkstor am Waidmannsbach über die Amag-Hilpert-Straße zum KSB-Verwaltungsgebäude zogen. Dort forderte Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Kormann die große Schar zu einem erneuten Trillerpfeifenkonzert auf. Um jene aufzurütteln, die sich noch nicht nach draußen gewagt haben. Um zu dokumentieren: „Wir machen das hier für alle.“ Wobei Kormann sehr zufrieden ist mit dem Grad an gewerkschaftlicher Organisation beim größten Arbeitgeber im Landkreis Bayreuth, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung bekundete: „Genaue Zahlen nennen wir da bewusst nicht, aber es sind auf jeden Fall deutlich über 70 Prozent der Mitarbeiter.“ Und zwar nicht nur im gewerblichen Bereich, auch bei den Angestellten sei man „sehr gut vertreten“.

Auch Azubis haben Wünsche

Und auch beim Nachwuchs. Die Auszubildenden waren bei der Kundgebung mit einem eigenen Transparent vertreten. Darauf verlangten sie einen „chilligen“, also einen freien Tag vor ihrer Abschlussprüfung. Eine der „weichen Forderungen“, wie es Volker Seidel formulierte. Doch erst kämen die harten. Wie die nach sechs Prozent mehr Entgelt. Alles andere als eine übertriebene Forderung, so der Mann der IG Metall an die Adresse der KSBler. Gehe es der Branche doch richtig gut, „auch der KSB“. Die Unternehmen könnten sich daher ein solches Plus sehr wohl leisten, ohne ihren wirtschaftlichen Erfolg zu gefährden. Die Auftragsbücher seien voll, die zahlreichen Überstunden auch in Pegnitz zeigten, dass richtig Geld verdient werde. Und daran müssten die Mitarbeiter auch beteiligt werden.

Flexibel sein ist Trumpf

Und auch da lasse die IG Metall nicht locker: Die Beschäftigten, die oft genug bereit seien, sich über das normale Maß hinaus zu engagieren, müsse auch die Möglichkeit geboten werden, einmal kürzer zu treten. Seidel meint die Chance auf befristete Teilzeitarbeit von 28 Wochenstunden, befristet auf zwei Jahre. Das sei zwar jetzt schon machbar nach den gesetzlichen Vorgaben – „aber viele tappen da in die Teilzeitfalle, weil sie nicht mehr in Vollzeit zurückwechseln können, wenn der Arbeitgeber nicht mitspielt“.

Jetzt gilt es

Die Grundlagen dafür habe die Große Koalition, habe die Politik nicht auf die Reihe bekommen. Jetzt sei es an der Zeit, dass Nägel mit Köpfen zu machen für jene, die sich der Erziehung ihrer Kinder oder der Pflege von Angehörigen widmen wollen. Zwar nicht bei vollem Lohnausgleich, aber doch gefördert durch Zuschüsse durch die Unternehmen. Wobei Schichtarbeiter angesichts ihrer besonderen Belastung finanziell noch besser ausgestattet werden müssten.

Bald Warnstreiks für einen ganzen Tag?

Solange die Arbeitgeberseite da keinerlei Entgegenkommen zeige, stünden weitere Aktionen der IG Metall auf dem Programm. Auch Warnstreiks über einen ganzen Tag seien dabei nicht ausgeschlossen. Und für die nächste Woche auch nicht eine Großkundgebung auf dem Marktplatz. Auch wenn das vielleicht wieder dem einen oder anderen Einzelhändler nicht gefalle, weil die Innenstadt dann für den Verkehr gesperrt wäre. „Bei den Kollegen kam diese Kritik beim letzten Mal gar nicht gut an“, so Volker Seidel gegenüber dem Kurier. Weil ein gutes Einkommen der Mitarbeiter in der Metall-und Elektroindustrie in Pegnitz schließlich Voraussetzung dafür sei, „dass man es sich auch leisten kann, in den Geschäften einzukaufen.

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