Krupp Titan PS-Gigant aus der Kulmbacher Malzfabrik

KULMBACH. Eckig konnte damals jeder. Die Krupp-Lastwagen waren anders. Oldtimer-Freunde schwärmen bis heute von der stromlinienförmigen Motorhaube. Mit dem charakteristischen Design in Torpedoform erinnert sie an amerikanische Straßenkreuzer. Der Krupp Titan galt als König der Landstraße. Erfunden wurde er in Kulmbach in der Unima-Malzfabrik. 

Der Krupp-Titan: Von 1948 an setzte Diplomingenieur Walter Cambeis seine Pläne um und schuf einen Giganten. Der 40 Tonnen schwere Titan hatte einen Sechszylinder-Zweitakt-Dieselmotor mit 210 PS und war damit der stärkste Lastwagen seiner Zeit. Knapp 1000 Exemplare des Krupp Titan wurden in den Jahren 1950 bis 1954 produziert.

Bis heute sind nur ganz wenige erhalten geblieben. Einen davon hat Oliver Mahlo 1984 zum ersten Mal in seinem Leben bei einem Oldtimer-Treffen gesehen. Es war ein prägendes Ereignis für den heute 55-jährigen Einzelhandelskaufmann. Mahlo ist zum Fan und Experten für die Geschichte der Krupp-Lastwagen geworden. Die Recherche führte den gebürtigen Recklinghausener schon mehrmals nach Kulmbach. 

Vom Elsass nach Franken: Die Unima-Malzfabrik war der frühere Sitz der Firma Krupp. Der Betrieb ist 1943 von Essen zuerst nach Mulhouse ins Elsass verlagert worden, weiß Oliver Mahlo. Als nach dem Einmarsch der Amerikaner die Front immer näher rückte, entschied Reichsminister Albert Speer 1944, das kriegswichtige Krupp-Werk ins sicherere Franken abzutransportieren.

„Unter dem Beschuss von Tieffliegern und Bombern musste eine ganze Industrieproduktion verlagert werden“, sagt der Historiker. „Es waren Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge dabei, die unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten mussten. Wie wissen nicht, wie viele Menschen dabei zu Tode gekommen sind.“

Oliver Mahlo will alle Hintergründe recherchieren und die Geschichte weiter erforschen. Er arbeitet an einem neuen Buch über Krupp. „Ich bin auf der Suche nach Zeitzeugen. Viele sind leider schon verstorben. Vielleicht gibt es Hinterbliebene, die noch alte Fotos besitzen.“ 

Weitere Modelle: Die Krupp-Lastwagensparte trug in Kulmbach und in den Zweigstellen Bamberg und Nürnberg den Namen Südwerke. Neben dem legendären Titan wurden noch weitere Modelle in Franken produziert. Zusätzlich zur Unima-Malzfabrik dienten angrenzende Hallen als Lkw-Fabrik.

Bis auf die Mälzerei stehen die Gebäude heute zum größten Teil nicht mehr. Dort befindet sich heute die Futtermittelfirma Bergophor. Der Krupp Titan gehörte in den 50er- und 60er-Jahren zum Straßenbild. Unter anderem stammten die Bierlaster der Eku- und Reichel-Brauerei und die Lkw der Spedition Murrmann aus den Südwerken. 

Tests am Burgberg: „Es muss in Kulmbach eine wilde Zeit gewesen sein“, sagt Oliver Mahlo. Die neuen Modelle wurden mitten in der Stadt getestet. „Es gab nicht wie heute abgesperrte Strecken, auf denen die Erlkönige fahren können.“ Die revolutionäre Abgasbremse mit Kompressor sei wohl am Burgberg getestet worden. Anwohner haben sich damals häufiger über die Lärmbelästigung beschwert. 


Krupp gehörte zu den kleineren Lastwagen-Herstellern. Das Gelände rund um die Malzfabrik reichte trotzdem bald nicht mehr aus. Doch der damalige Kulmbacher Oberbürgermeister Georg Hagen spielte nicht mit. Krupp war damals mit wahrscheinlich bis zu 1000 Mitarbeitern der größte Industriebetrieb in der Stadt und zahlte vergleichsweise gut. Die alteingesessenen Kulmbacher Unternehmen fürchteten, Fachkräfte an Krupp zu verlieren.

Rückkehr nach Essen: 1951 brach das Unternehmen seine Zelte in Franken ab und kehrte wieder nach Essen zurück. Viele Oberfranken sind damals mit nach Nordrhein-Westfalen umgezogen. Die Produktion der Nutzfahrzeuge lief nur noch bis 1968 weiter. „Sie wäre auch eingestellt worden, wenn sie in Kulmbach geblieben wäre“, ist sich Oliver Mahlo sicher. 

Der Krupp-Liebhaber plant im Sommer ein großes Treffen in Kulmbach. Vom 21. bis 23. Juni sollen Krupp-Oldtimer an historischen Originalschauplätzen zu sehen sein. 


Suche nach Infos: Oliver Mahlo sucht Zeitzeugen, Fotos und alle Informationen über die Südwerke und die Produktion der Krupp-Lastwagen von 1944 bis 1951 in Kulmbach, Bamberg und Nürnberg. Er ist unter der Nummer 01 71/1 12 33 59 zu erreichen, per E-Mail unter olivermahlo1@aol.com. Postanschrift: Oliver Mahlo, Olkstraße 13, 54349 Trittenheim.

 

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